19. September 2018 / 16:47 Uhr

Empfang mit Bongos: VfL-Trainer Labbadia und Co. trainieren Geflüchtete in Ehra-Lessien

Empfang mit Bongos: VfL-Trainer Labbadia und Co. trainieren Geflüchtete in Ehra-Lessien

Engelbert Hensel
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Gemeinsam bewegen: Training in Ehra mit Caroline Hansen, Sara Doorsoun, Pernille Harder,  Bruno Labaddia , Daniel Ginczek und Wout Weghorst.
Gemeinsam bewegen: Training in Ehra mit Caroline Hansen, Sara Doorsoun, Pernille Harder,  Bruno Labaddia , Daniel Ginczek und Wout Weghorst.
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"Gemeinsam bewegen" - unter diesem Motto veranstaltete der VfL Wolfsburg  einen Aktionstag. Fußballer und Fußballerinnen besuchten soziale Projekt, packten mit an, halfen mit. Chefcoach Bruno Labbadia war in Ehra-Lessien.

Bruno Labbadia staunte nicht schlecht. „So bin ich noch nie empfangen worden“, sagte der Trainer des Wolfsburger Fußball-Bundesligisten gut gelaunt, während die afrikanischen Kicker des Tus Ehra-Lessien II Musik machten. Einige trommelten wild auf Bongos, andere tanzten. Es war die Vorfreude auf das, was folgen sollte: Eine Trainingseinheit mit den VfL-Stars Wout Weghorst und Daniel Ginczek aus dem Herren– und Pernille Harder, Sara Doorsoun sowie Caroline Hansen aus dem Frauenteam.

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Im Zuge der dritten Auflage des „Gemeinsam bewegen“-Tages, ein soziales Projekt des Klubs, hatte sich der VfL-Coach nach Ehra aufgemacht, um eine Stunde lang mit Flüchtlingen Spaß auf dem Platz zu haben. Es waren Menschen aus Guinea, von der Elfenbeinküste, Liberia, dem Sudan, Gambia oder Somalia – Menschen, die die Sprache noch nicht können, weil einige von ihnen erst seit vier Monaten in Deutschland sind. „Anfangs waren die Spieler etwas schüchtern, aber nach und nach sind alle aufgeblüht. Das ist das Schöne am Fußball“, freute sich Labbadia, der ein bisschen nachempfinden kann, wie schwer es ist, sich in einem neuen Land zurechtzufinden. Seine Eltern gehörten zu der ersten Generation Gastarbeiter, die in den 50er-Jahren nur mit einem Koffer aus Italien nach Deutschland kamen. Aus Lenola, einem kleinen Ort zwischen Rom und Neapel. „Das war damals nicht einfach für sie, daher sollte man helfen, wo man kann“, betonte der Ex-Bundesliga-Profi, der gleich voll drin war in seinem Job als Trainer.

VfLer und VfLerinnen trainieren mit Geflüchteten in Ehra-Lessien 1
VfLer und VfLerinnen trainieren mit Geflüchteten in Ehra-Lessien 2

Labbadia ging bei der einstündigen Übungseinheit mit den Flüchtlingen genauso mit wie beim Training auf dem VfL-Gelände mit Ginczek und Co., er versuchte Freude zu vermitteln, Spaß, trieb an und lobte. Mal auf Deutsch, mal auf Englisch, mal erklärte er das, was er üben lassen wollte mit den Händen. Oder aber Heiko Kiene, der Trainer des Teams aus der 3. Kreisklasse half ihm.

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Gemeinsam bewegen -  Die Bilder zum Aktionstag des VfL Wolfsburg

Gemeinsam bewegen: Die VfLer vor der Abfahrt Zur Galerie
Gemeinsam bewegen: Die VfLer vor der Abfahrt ©

Kiene war übrigens schwer begeistert von Labbadia. „Es war weltklasse, dass er da war. Ich bin alter HSV-Fan“, sagte der TuS-Coach. Den Klub mit der Raute hatte Labbadia vor dem Abstieg gerettet. Im vergangenen Jahr schaffte er das auch mit dem VfL. Auch wegen Labbadia sei er nun ein VfL-Sympathisant, meinte Kiene, dem Labbadia gleich das Du angeboten hatte. „Das war ganz großes Kino“, lobte der VW-Mitarbeiter die VfL-Aktion, bei der es am Ende ein Abschlussspielchen gab. Mit Weghorst, Harder und den TuS-Kickern, von denen Kiene verlangt, dass sie in die Schule gehen.

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Anfangs habe es Bedenken gegeben, ein Team zu gründen. „Aber viele Leute hier haben umgedacht. Es gibt hier keine Gewalt“, betont Kiene, der mit dem TuS II in der ersten Saison auf Platz fünf gelandet ist. Labbadia: „Ich finde es bewundernswert, was auch er hier geleistet hat. Man gibt den Menschen die Möglichkeit, sich zu bewegen, Spaß zu haben, sich zu integrieren.“ Die Möglichkeit, um anzukommen. In einem neuen Land mit einer anderen Kultur. Der Fußball kann dabei helfen. VfL-Stürmer Ginczek: „Solch eine Aktion habe ich noch nicht gemacht, es war cool, denn: Egal, wo du herkommst, sobald der Ball im Spiel ist, haben alle miteinander Spaß.“