10. Juni 2021 / 11:33 Uhr

Empor Rostock gegen Potsdam – DHB-Vize erwartet Spiel auf Augenhöhe

Empor Rostock gegen Potsdam – DHB-Vize erwartet Spiel auf Augenhöhe

Stefan Ehlers
Ostsee-Zeitung
Als Trainer, Manager und Sportfunktionär erfolgreich: Bob Hanning (53).
Als Trainer, Manager und Sportfunktionär erfolgreich: Bob Hanning (53). © Jan Huebner/Lakomski via www.imago-images.de
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Bob Hanning spricht über die erstklassigen Aussichten in Rostock, über seine Freundschaft zu HCE-Manager Stefan Güter und erklärt, warum er im Aufstiegsfinale Potsdam die Daumen drückt.

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Bob Hanning zählt zu den schillerndsten Figuren im deutschen Handball. Der 53-Jährige managt seit mehr als 15 Jahren die Füchse Berlin, die er von der 2. Liga bis zum Europapokalsieg führte. Als Trainer steht er mit der A-Jugend des Hauptstadtklubs vor seinem zwölften Meistertitel im Nachwuchsbereich. Der Vizepräsident des Deutschen Handballbundes (DHB) hat die Verpflichtung seines langjährigen Mitstreiters Stefan Güter als Geschäftsführer des HC Empor Rostock eingefädelt. Im Gespräch mit der OSTSEE-ZEITUNG erklärt Hanning, warum er im Aufstiegsfinale dennoch mit dem VfL Potsdam mitfiebert.

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Empor oder Potsdam – wer ist für Sie der Favorit im Aufstiegsrennen?

Bob Hanning: In dieser Partie gibt es keinen Favoriten. Das ist ein Spiel auf Augenhöhe. Potsdam hat die Qualität, Empor zu schlagen. Die Rostocker haben in Pfullingen gezeigt, dass sie in Drucksituationen in der Lage sind, mit einer fokussierten Leistung auch auswärts klar gewinnen zu können.



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Wie beurteilen Sie die Entwicklung beim HC Empor?

Ich hatte bei Rostock noch nie so ein gutes Gefühl wie jetzt. Ich bin in der Vergangenheit von Empor-Seite schon oft angesprochen worden, ob wir helfen wollen und können, aber man hatte immer das Gefühl, dass viel gewollt, aber nichts gekonnt wird. Nach einem Gespräch mit Empor-Klubchef Tobias Woitendorf hatte man das erste Mal das Gefühl, da ist jemand mit einem Plan. Ich hätte Tobias nie zu der Verpflichtung von Stefan Güter geraten, wenn ich nicht dahintergestanden hätte. Und ich hätte Stefan in den Jahren zuvor nicht zu diesem Schritt geraten. Ich glaube, dass die Kombination der handelnden Personen eine Riesenchance für den Klub ist. Rostock ist einer der ganz wenigen Vereine, die die Möglichkeit haben, Tradition und Moderne miteinander zu verbinden. Empor hat die Chance, irgendwann mal in die erste Liga zu kommen. Das ist das Schöne, aber ich bin entsetzt über die Stadt Rostock.

Inwiefern?

Mit Fußball und Handball gibt es zwei große Vereine in der Stadt. Empor würde selbst im Falle des Aufstiegs ab Januar keine Termine in der Stadthalle bekommen. Eine neue Halle ist zwingend erforderlich. Die neue Arena ist seit Jahren geplant. Passiert ist noch nichts. Die handelnden Personen müssen sich hinterfragen, ob das, was sie propagieren, und das, was sie umsetzen, zueinander passt.

Empor oder Potsdam – wem drücken Sie die Daumen?

Für uns wäre es schön, wenn Potsdam aufsteigt. Wir sind Nachbarstädte und pflegen einen engen und familiären Austausch. Diese Synergien nutzen wir schon lange. Wir haben mit der A-Jugend alle Spiele in Potsdam ausgetragen.

Mit Robin Heinis, Nils Lichtlein und Matthes Langhoff stehen drei Füchse-Spieler im Aufgebot der Potsdamer, die m it dem VfL um den Aufstieg und parallel mit der A-Jugend um die deutsche Meisterschaft spielen. Steuern Sie die Belastung der Jungs?

Ja. Wir haben Nils nicht jedes Spiel eingesetzt und in der A-Jugend in den Rückspielen überwiegend auf diese Jungs verzichtet. Über einen gewissen Zeitraum kann man das machen, ansonsten bin ich kein Freund davon.

Der Aufstiegsmodus ist knallhart. Von 64 Drittligisten schaffen nur zwei den Sprung in die zweite Liga.

Da gehe ich nicht mit. Von 14 Mannschaften steigen zwei auf. Der Aufstieg war noch nie so leicht wie in diesem Jahr.

Stefan Güter war als Geschäftsführer der Füchse gut 14 Jahre lang ihr verlängerter Arm. Sie haben ihn stets als „Innenminister“ und sich selbst als „Außenminister“ bezeichnet. Am Sonnabend sind Sie Rivalen. Das riecht nach diplomatischen Verwicklungen …

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(lacht) 60 Minuten wird die Freundschaft ruhen. Ich möchte ein gutes Handballspiel sehen. Für unser Konzept wäre es gut, wenn es Potsdam schafft. Wenn die Rostocker besser sind, haben sie das auch verdient. Für die Region Rostock wäre es auch schön, wenn der Verein wieder in der zweiten Liga wäre. Das wäre ein toller Erfolg. Fest steht: Die Freundschaft zu Stefan wird vom Ausgang des Spiels unberührt bleiben.

Ein Blick in die Bundesliga. Die Füchse sind Tabellenfünfter. Was ist für Ihren Verein noch drin?

Wir wollen uns wieder für Europa qualifizieren. Für uns ist wichtig, dass wir den fünften Platz halten. Wir haben noch schwere Auswärtsspiele in Flensburg und Melsungen und müssen unsere Heimspiele gewinnen.

Sie hatten 2013 bei Ihrem Amtsantritt als DHB-Vize den Olympiasieg 2020 als Ziel ausgegeben. Halten Sie daran fest?

Ja, ich stehe zu meinen Aussagen. Vor acht Jahren hatte der Verband seine Werbung noch auf Holzbanden. Alle waren miteinander zerstritten. Es ging damals darum, ein Ziel zu definieren, das größer ist als diejenigen, die dahinterstehen. In diesem Zusammenhang haben wir gesagt, wir wollen um Gold spielen. Dabei bleibe ich. Wenn man an einem Turnier teilnimmt, fährt man ja nicht dorthin, um auszuscheiden, sondern um es zu gewinnen. Das ist eine Sache der Mentalität. Ich habe das Gefühl, dass es innerhalb der Mannschaft ein Wir-wollen-etwas-erreichen-Gefühl gibt. Das stimmt mich optimistisch.

Trainer, Manager und Funktionär

Hans Robert (kurz Bob) Hanning wurde am 9. Februar 1968 in Essen geboren. Seine Trainerkarriere begann er beim TV Cronenberg. Anschließend wurde er Co- und A-Jugendtrainer bei TuSEM Essen. Mit Solingen stieg er in die Handball-Bundesliga auf.

Bis zu den Olympischen Spielen 2000 in Sydney war Hanning Assistent von Bundestrainer Heiner Brand. Anschließend wechselte er zum HC Wuppertal. Weitere Stationen waren die SG Willstätt/Schutterwald und der HSV Hamburg.

Im Juli 2005 heuerte Hanning Geschäftsführer der Füchse Berlin an. Zwei Jahre später stiegen die Berlin in die Bundesliga auf. 2014 wurden die Füchse deutscher Pokalsieger. 2015 und 2018 gewannen sie den EHF-Pokal.

Hanning ist für erstklassige Jugendarbeit bekannt. Der gelernte Kaufmann ist der Entdecker der Welt- und Europameister Torsten Jansen und Florian Kehrmann, mit denen er 1994 deutscher A-Jugend-Meister wurde. Mit den Füchsen gewann er zehn weitere Titel. Der elfte Triumph soll am Sonntag gegen Dormagen folgen.

Bob Hanning ist als Co-Kommentator bei Handballspielen ein gefragter Mann. Seit 2013 ist er Vizepräsident des Deutschen Handballbundes (DHB).