29. April 2021 / 18:22 Uhr

Emy-Jane Hürkamp: Raus aus der Corona-Blase, rein in den Aufstiegskampf

Emy-Jane Hürkamp: Raus aus der Corona-Blase, rein in den Aufstiegskampf

Marius Böttcher
Märkische Allgemeine Zeitung
Emy-Jane Hürkamp spielt beim FHC auf Linksaußen. Für die Aufstiegsrunde legt die 17-Jährige Extra-Schichten ein (links, bei einer Laufrunde vor ein paar Wochen in Neuruppin).
Emy-Jane Hürkamp spielt beim FHC auf Linksaußen. Für die Aufstiegsrunde legt die 17-Jährige Extra-Schichten ein (links, bei einer Laufrunde vor ein paar Wochen in Neuruppin). © Steven Kranz
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Das Handballtalent aus Neuruppin will mit dem Frankfurter HC in die 2. Bundesliga – für den großen Traum verzichtet die 17-jährige Sportschülerin sogar auf Besuche in der Heimat.

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Ob der Pokalsieg 2003 oder die Deutsche Meisterschaft ein Jahr später – die glorreichen Erfolge des Frankfurter Handball Clubs liegen ein Weilchen zurück. Das Fiasko ereignete sich am 2. Juli 2013, als der Vorstand die Beantragung eines Insolvenzverfahrens bekanntgab. Fast acht Jahre zogen mittlerweile ins Land, beim Verein aus der Oderstadt herrscht seither Drittliga-Tristesse, von internationalen Gala-Aufritten – zu DDR-Zeiten und nach der Wiedervereinigung – ist man an der polnischen Grenze weit entfernt. Ein kleines Licht am Ende des Tunnels leuchtet aber, die Rückkehr zumindest in die Zweitklassigkeit ist greifbar.

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Für das große Ziel scheinen die FHC-Damen bestens vorbereitet zu sein, wie Emy-Jane Hürkamp berichtet: „Natürlich weiß man nach dieser langen Pause nicht, wo man eigentlich steht. Doch die Vorfreude ist bei uns allen riesig.“ Die gebürtige Neuruppinerin kämpft mit ihren Teamkolleginnen ab diesem Sonntag (2. Mai), genau einen Monat nach ihrem 17. Geburtstag, in einer Aufstiegsrunde um die Berechtigung, in der kommenden Saison im deutschen Unterhaus auf Punktejagd zu gehen. Als erster von insgesamt vier Mitkonkurrenten ist am Sonntag der ESV Regensburg (Bayern) in der Brandenburg-Halle zu Gast. „Das ist gleich ein richtig harter Brocken, Regensburg ist favorisiert“, erklärt Hürkamp.

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Ein Tor Vorsprung gegen Russland bringt Schweden 1999 den WM-Titel in Ägypten. ©

Außerdem werden sich die Gelb-Roten in den nächsten Wochen auswärts mit dem MTV Heide (Schleswig-Holstein), daheim mit dem TV Aldekerk (Nordrhein-Westfalen) sowie zum Abschluss in der Fremde mit dem SV Allensbach (Baden-Württemberg) im Modus „Jeder gegen jeden“ messen. Ursprünglich waren zwei Dreier-Gruppen mit anschließender Finalrunde geplant, doch Fortuna Düsseldorf sagte die Teilnahme kurzfristig ab. Gesucht werden zwei direkte Aufsteiger, das dritte Ticket löst der Drittplatzierte der Aufstiegsrunde mit dem Drittletzten der 2. Liga in einer Relegation.

Aus der Corona-Blase direkt rein in den Aufstiegskampf – so in etwa dürfte es sich ab Sonntag für Emy-Jane Hürkamp anfühlen. „Die letzten Monate waren sehr wechselhaft für mich, wegen der Corona-Pandemie habe ich schon länger kein Klassenzimmer gesehen“, verrät die Elftklässlerin, die erst seit der achten Jahrgangsstufe die Eliteschule des Sports an der Oder besucht. Hürkamp bewegt sich derzeit auf allerengstem Raum, um eine Infektion zu vermeiden: „Ich pendel lediglich zwischen dem Internat, wo ich Homeschooling habe, und der Sporthalle.“ Meist wird zweimal täglich trainiert – vormittags und am Abend. Um für die Aufstiegsrunde teilnahmeberechtigt zu sein, erhielten die Frankfurter Handballerinnen eine Genehmigung.

Dank Schwester Carrie mit dem Handball begonnen

Testpartien, um nach Monaten der Pflichtspiel-Abstinenz wieder in einen Rhythmus zu kommen, waren dagegen nicht möglich. „Wir konnten jetzt zwar nur trainieren, verfolgen aber einen klaren Plan und haben den kommenden Gegner auch per Videoanalyse studiert“, verrät Emy-Jane Hürkamp, die mit 16 Jahren ihr Debüt in der dritthöchsten Spielklasse der Nation gab. Dank Schwester Carrie kam das Küken im FHC-Team zum Sport mit dem Klister, beim SV Union Neuruppin erlernte Hürkamp unter den Trainern Rudolf Rienaß und Maik Strecker das Handball-Abc. Beim Gildenhaller Verein ebnete man der Landesauswahlspielerin, die auch schon Lehrgänge beim Deutschen Handballbund mitgemacht hat, den Weg – in eine sportlich rosige Zukunft: „Der Sprung in die 2. Bundesliga wäre ein Traum. Nicht nur für mich, sondern für den ganzen Verein, der das schon seit Jahren versucht.“

Wie viel Einsatzzeit die wieselflinke Linksaußen-Spielerin in den kommenden vier Partien erhalten wird, hängt von Trainer Torsten Feickert ab. „Und von Jessica Jander“, betont Hürkamp. Jander ist auf der gleichen Position gesetzt und wird wohl starten. Sollte die 28-Jährige jedoch einen schwächeren Tag erwischen, will das Frankfurter Talent Verantwortung übernehmen: „Das traue ich mir zu. Überhaupt ist es eine große Ehre für mich, dabei zu sein. Ich will die Mannschaft so gut es geht unterstützen, selbst wenn es nur von der Ersatzbank ist.“

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Beim FHC sieht sie – unabhängig von der Ligazugehörigkeit – ihre Zukunft, ohnehin stehen noch zwei Schuljahre bis zum Abitur auf dem Programm. Nun wird sich aber voll auf die Aufstiegsrunde fokussiert, da wird am Spieltag sogar der Kontakt in die Fontanestadt vermieden: „Ich war vor ein paar Wochen das letzte Mal in der Heimat. Zwischen den anstehenden Spielen werde ich auch darauf verzichten. Am Samstag rufe ich nochmal bei meiner Familie durch, am Sonntag lege ich das Handy dann aber weg, sonst steigt die Aufregung.“ Diese soll Ende Mai, nach dem letzten Match in Allensbach, endgültig abfallen und in Aufstiegsgefühle umgewandelt werden.