29. Mai 2021 / 11:03 Uhr

Ende einer Ära: Als der FC Sachsen Leipzig sein letztes Spiel bestritt

Ende einer Ära: Als der FC Sachsen Leipzig sein letztes Spiel bestritt

Jens Fuge
Leipziger Volkszeitung
Der FC Sachsen Leipzig wird aufgelöst. Neben Plakaten zeigen die Fans auf dem Norddamm zum letzten Heimspiel im Alfred-Kunze-Sportpark auch einen Sarg, tragen ihren Verein so symbolisch zu Grabe.
Der FC Sachsen Leipzig wird aufgelöst. Neben Plakaten zeigen die Fans auf dem Norddamm zum letzten Heimspiel im Alfred-Kunze-Sportpark auch einen Sarg, tragen ihren Verein so symbolisch zu Grabe. © Christian Modla
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Es war das Ende einer unrühmlichen Zeit. Mit dem letzten Spieltag der Saison 2010/11 hörte der FC Sachsen Leipzig auf zu existieren. Vorausgegangen waren eine zweijährige Insolvenz, große Hoffnungen, Fehleinschätzungen und jede Menge Drama.

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Leipzig. Am 29. Mai 2011, Punkt 15.15 Uhr, ertönte der Schlusspfiff. Schiedsrichter Jauch aus Bensdorf beendete nicht nur das Oberliga-Spiel zwischen Halberstadt und dem FC Sachsen, sondern auch eine 21-jährige Ära. Pleiten, Größenwahn und Peinlichkeiten begleiteten den Weg des in der Wendezeit gestarteten Hoffnungsprojektes im Westen Leipzigs.

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„Schnellboot in die 2. Liga“ oder „Hoffnung Mitteldeutschlands“ war das Leutzscher Projekt genannt worden. Mit Gewalt, Millionen und Ahnungslosigkeit wurde versucht, den Weg in den Profifußball zu schaffen. Dabei wurde praktisch vom ersten Tag an getrickst, getäuscht und ohne viel Wissen agiert. Schon die Fusion zwischen der BSG Chemie, die seit drei Monaten FC Grün-Weiß hieß, und Chemie Böhlen, war eine einzige Scharade. Die einen hatten Stadion, Fans und Rückhalt der Stadt, die anderen die Oberligazugehörigkeit und angeblich Geld. Es erwies sich schnell, dass weder das eine noch das andere vorhanden war. Geld gab es in Böhlen längst nicht mehr, seit sich das Chemiekombinat als Sponsor zurückgezogen hatte, und die Fans strömten längst nicht mehr wie gewohnt in die Stadien, seit die Mauer offen und alles anders war.

DURCHKLICKEN: Bilder vom letzten Heimspiel des FCS

Fabian Schößler zieht vor Eric Bachmann (15, Bautzen) ab und trifft zum 1:0.  Zur Galerie
Fabian Schößler zieht vor Eric Bachmann (15, Bautzen) ab und trifft zum 1:0.  ©

Es folgten Absturz in die Amateuroberliga, Beinahe-Pleite, Lizenzverweigerung, entscheidende Spiele, bei denen schon einige Kicker beim Gegner unterschrieben hatten, Sonnenkönige, Rücktritte, 400 .000 Mark-Geldübergaben in Plastetüten, bizarre Trainerrauswürfe wie von Geyer oder Schädlich, sich in Spielaufstellungen einmischende Sponsoren, Verschwendung von Millionen in der ersten Kölmel-Ära, Insolvenzen, erneute Trainerentlassungen und spätere Wiedereinstellungen (Raab), den x-ten Totalumbruch. Die Spieler auf dem Rasen kannte kaum jemand, weil sie jedes Jahr zu Dutzenden wechselten. In der zweiten Kölmel-Ära war nie klar, ob und wie es weitergehen würde. Zugesagte Sponsorengelder wurden in Darlehen umgewandelt. Es folgten die zweite Insolvenz und ein sich selbst zerlegender Verein, den die Kreativen und Progressiven längst verlassen hatten.



Insolvenzverwalter Heiko Kratz und das letzte Präsidium um Lars Ziegenhorn und Matthias Weiß kämpften zwei Jahre ums Überleben – vergebens. Das letzte Heimspiel am 22. Mai 2011 gegen Bautzen (2:0) endete im Tränenmeer, auch die hartgesottensten Fans erkannten, dass es so nicht weitergehen konnte. Sieben Tage später endete eine Ära, die als Mahnung dienen kann, wie man es auf keinen Fall machen sollte.