14. September 2020 / 14:00 Uhr

Endstation zweite Pokalrunde: Wermsdorf verspielt Sieg gegen Radefeld

Endstation zweite Pokalrunde: Wermsdorf verspielt Sieg gegen Radefeld

Justus Keller
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Die Wermsdorfer Hintermannschaft um Torhüter Benjamin Schönitz zeigte auch gegen Radefeld Schwächen nach ruhenden Bällen.
Die Wermsdorfer Hintermannschaft um Torhüter Benjamin Schönitz zeigte auch gegen Radefeld Schwächen nach ruhenden Bällen. © René Wegner
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Der FSV Wermsdorf scheidet gegen Landesklassist Radefeld aus dem Sachsenpokal aus. Zum Halbzeitpfiff führen die Wermsdorfer noch mit 1:0, geben die Führung allerdings in der zweiten Hälfte aus der Hand.

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Wermsdorf. Über 200 Zuschauer waren gekommen, um die Blau-Weißen beim nächsten Highlight des Jahres zu unterstützen. Bei feinstem Wetter hielt der FSV Wermsdorf lange mit, musste sich am Ende jedoch dem Landesklassenvertreter des Radefelder SV 1:3 geschlagen geben.

Die Randleipziger sind alte Bekannte aus der Nordsachsenliga, mittlerweile aber eine Klasse höher in den oberen Tabellenregionen angesiedelt und mit großen Ambitionen. So wehte am Fuße der Hubertusburg internationales Flair, da mit Davidson Cabral und Tidjane Silla gleich zwei begabte Portugiesen die Startelf der Gäste bereicherten.

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Wenige Minuten in der Partie zeigen sich zur Verwunderung aller nur die Platzbesitzer am Drücker. Keine drei Minuten sind durch, da bedient Pascal Weidner genial Stürmer Robby Staude, dem sich die frühe Topchance bietet. Die Nummer 25 geht entschlossen in den Abschluss, scheitert aber am gut reagierenden Florian Groß, der unter Beweis stellt, warum er vor einigen Jahren bei RB Leipzig zwischen den Pfosten stand. Die schnelle Überraschung zwar nicht geglückt, aber Wermsdorf mit dem Fingerzeig aufs eigene Selbstvertrauen und neue Selbstverständnis in Blau-Weiß.

Wermsdorfer Körner überzeugt im Schlüsselduell

Radefeld ist von den beherzt ackernden und geschlossen auftretenden Mannen um Kapitän Benjamin Schönitz sichtlich beeindruckt und zunächst ohne Idee, wie den Hubertusburgern beizukommen ist. So spielt sich das Geschehen vornehmlich zwischen den Boxen ab, wobei der Gast zwar viel mit Ball agiert, die Gastgeber aber in jeder Situation griffiger wirken. Bände dafür spricht die gefühlte Foulstatistik der Anfangsphase: Stereotype von Stadt- und Dorfniveau lassen sich nicht erkennen.

Allen voran Sebastian Körner überzeugt auf der FSV Sechs im Schlüsselduell mit SV Stürmer Silla in der ersten halben Stunde mit einer beeindruckenden Vorstellung, bietet dem im Vorfeld von allen Seiten Hochgelobten grandios Paroli und führt so den Defensivverbund seiner Farben an. Das gibt den Vorderleuten die Möglichkeit höher anzulaufen und Tempogegenstöße zu generieren.

Nach 34 Spielminuten kann Florian Böttger gut 20 Meter vorm Groß-Tor nur per Foulspiel gestoppt werden. Libero Denny Beckedahl nimmt sich selbstredend der Sache an, scheitert zwar am SV Schlussmann, doch das Spielgerät prallt zu Flügelspieler Dominic Arendt zurück, der entschlossen per Direktname abzieht und den Ball im Eck einschlagen lässt. Die Hubertusburger belohnen sich damit für den Aufwand, verteidigen in der Folge souverän und setzen weitere Akzente nach vorne. Einige Abschlüsse auf beiden Seiten finden bis zum Pausentee nicht ins Eckige und so geht es mit der Führung für den Underdog in die Kabinen.

Böttger ist sich für keinen Weg zu Schade

Zu Beginn des zweiten Durchgangs startet der Landesklassist aus Nordsachsen wie zu erwarten mit wütenden Angriffen und dem Versuch, das Spiel an sich zu ziehen. Die FSVler können das Tempo zu Beginn der zweiten Hälfte noch mitgehen, bleiben konzentriert und sattelfest. Eine Zerreißprobe kündigt sich an, der Abnutzungskampf fordert die Hubertusburger und es wird eine Frage der Kraft. Radefeld kommt mit zunehmender Spieldauer zu den ersten vielversprechenden Möglichkeiten.

Die Lokalmatadoren verpassen es bis zur Stundenmarke für Entlastung zu sorgen, Stürmer Florian Böttger macht in vorderster Linie die sprichwörtliche Drecksarbeit und ist sich für keinen Weg zu Schade. So bringen die Collmkicker ihre DNA auf den Platz, halten das Ergebnis und die Uhr tickt. Ein Radefelder Kopfball streicht um wenige Zentimeter am Tor vorbei, ein scharf getretener Freistoß verpasst das Kreuzeck knapp.

72 Minuten sind durch, dem Außenseiter fliegt ein Standard um die Ohren. Der eingewechselte Paul Albert wird nach einer Ecke sträflich allein gelassen und bedankt sich mit dem 1:1. Es ist die Wermsdorfer Achillesferse, die sich abermals von ihrer hässlichsten Seite zeigt. Die Kupferlinge versuchen die Ruhe zu behalten und lauern auf ihre Chance, schieben weder etwas höher, doch können die Linien nicht mehr mit letzter Konsequenz staffeln.

Uhr läuft gegen den FSV

Radefeld lässt jetzt die Muskeln spielen, nutzt den Fitnessvorteil und zieht sein Spiel auf. Doch es bedarf wieder eines Standards, um das Wermsdorfer Bollwerk zu knacken. Blau-Weiß bekommt den Ball aus einem Freistoßgetümmel nicht entscheidend geklärt, das Kunstleder fällt wieder Albrecht vor die Füße, der aus halblinker Position zum späten Führungswechsel abschließt (80.).

Während sich der Favorit nun in der dritten Runde sieht, wollen die Hubertusburger noch nichts vom Aus wissen. Beckedahl reißt die Lücke für Rechtsaußen Pascal Weidner, der die direkte Antwort auf dem Fuß hat. Die Nummer neun zieht wuchtig ab, doch Groß schraubt sich nach oben und vereitelt die blau-weiße Moralkeule. Die Uhr läuft nun gegen den FSV und der allerletzte Wille wird schließlich in bitterer Manier gebrochen.

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Meik Eckert muss an Radefelds Strafraumkante den Kopf einziehen um dem Stollenschmuck im Gesicht auszuweichen, doch anstatt der folgerichtigen atemstockenden Beckedahl-Freistoßgelegenheit rollt der Gästekonter im Eins-gegen-Eins-Duell. Silla, eben noch als Karateka unterwegs, beendet alle Wermsdorfer Hoffnung und schiebt zum 1:3 ein. Ein lange vielversprechendes Spiel für die Hubertusburger mit einer verdienten, in der Entstehung aber durchaus bitteren Niederlage.