11. Juli 2021 / 23:57 Uhr

Rashford, Sancho und Saka verschießen: Italien nach Elfmeter-Drama gegen England Europameister

Rashford, Sancho und Saka verschießen: Italien nach Elfmeter-Drama gegen England Europameister

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Italien ist nach dem Sieg über England im Elfmeterschießen Europameister.
Italien ist nach dem Sieg über England im Elfmeterschießen Europameister. © IMAGO/PA Images
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Italien ist zum zweiten Mal nach 1968 Europameister. Die Squadra Azzurra setzte sich im Elfmeterschießen gegen England durch. Zu den Unglücksraben bei den Three Lions zählte auch BVB-Star Jadon Sancho.

Italien hat sich in einem Elfmeter-Krimi zum Europameister gekrönt und das englische Titel-Trauma verlängert. Die Squadra Azzurra gewann das Finale vor knapp 65.000 Zuschauern im Londoner Wembley-Stadion mit 3:2 im Elfmeterschießen und fuhr ihren zweiten EM-Triumph nach 1968 ein. England muss hingegen weiter auf den ersten großen Coup seit dem Gewinn der Weltmeisterschaft 1966 warten. Dabei war der Gastgeber durch das schnellste jemals in einem EM-Endspiel erzielte Tor in Führung gegangen. Luke Shaw traf bereits nach 116 Sekunden. Doch Italien kam dank Leonardo Bonucci zurück in die Partie (67.) und hatte vom Punkt die besseren Nerven. So verschossen Marcus Rashford, Jadon Sancho und Bukayo Saka, der beim entscheidenden Schuss an Gianluigi Donnarumma scheiterte.

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Englands Nationalteam war wie erwartet ohne Borussia Dortmunds Sancho in die Partie gestartet. Stattdessen stellte Trainer Southgate etwas überraschend auf eine Dreierkette um. Kyle Walker, John Stones und Harry Maguire begannen in der zentralen Defensive, so hatten die Three Lions bei diesem Turnier bislang nur beim 2:0-Erfolg im Achtelfinale gegen Deutschland gespielt. Southgate ließ für die Systemumstellung Saka zunächst auf der Bank, für ihn begann der defensivere Kieran Trippier. Italiens Nationaltrainer Roberto Mancini änderte seine Startelf im Vergleich zum 4:2-Sieg im Elfmeterschießen im Halbfinale gegen Spanien nicht.

Italien in Noten: Die Einzelkritik zum EM-Finale

Italien ist nach großem Kampf Europameister. Alle italienischen Spieler im EM-Finale hier in der Einzelkritik. Zur Galerie
Italien ist nach großem Kampf Europameister. Alle italienischen Spieler im EM-Finale hier in der Einzelkritik. ©

Southgates Maßnahmen waren zunächst vielversprechender. So donnerte Shaw den Ball nach einer Trippier-Flanke aus kurzer Distanz ins italienische Tor. Auch an der zweiten gefährlichen englischen Szene war Trippier maßgeblich beteiligt. Dieses Mal konnte Giorgio Chiellini die Hereingabe aber abfangen (10.). Italien brachte im Spiel nach vorn hingegen vorerst nur wenig zu Stande und schien vom frühen Rückstand durchaus beeindruckt zu sein. Da sich die Three Lions zudem gut organisiert präsentierten, dauerte es bis zur 35. Minute, bis die Squadra Azzurra erstmals gefährlich zum Abschluss kam. Der Schuss von Federico Chiesa verfehlte jedoch sein Ziel. Es sollte in einer temporeichen ersten Hälfte die letzte von wenigen wirklich gefährlichen Szenen bleiben. So war Shaws erfolgreicher Abschluss Englands einziger Torschuss der ersten 45 Minuten.

Nach dem Seitenwechsel übernahm Italien dann mehr und mehr die Initiative und profitierte davon, dass sich die Gastgeber zunehmend zurückzogen und vornehmlich versuchten, die Führung zu verteidigen. Dennoch dauerte es bis zur 62. Minute, ehe es erstmal brandgefährlich wurde. Jordan Pickford rettete gegen Chiesa in höchster Not. Die Azzurri blieben dran und wurden belohnt. Im Anschluss an einige Ecke herrschte Chaos im Strafraum der Three Lions. Marco Verratti scheiterte noch am Pfosten, doch Routinier Bonucci hatte keine Probleme den Ball aus kürzester Distanz zum Ausgleich über die Linie zu drücken. Der 34-Jährige wurde somit zum ältesten Final-Torschützen der EM-Geschichte.

Nachdem Mancini die Statik des italienischen Spiels durch die Einwechslungen von Domenico Berardi und Bryan Cristante erfolgreich verändert hatte (55.), griff auch Southgate nach dem Ausgleich ein. Er brachte Jordan Henderson und Saka, um wieder mehr Offensivdrang in das Spiel seiner Mannschaft zu bringen. Zunächst gelang dies aber nicht. Italien hatte weiterhin die größeren Spielanteile, musste aber kurz vor dem Ende der regulären Spielzeit einen herben Rückschlag verkraften. Chiesa, der immer wieder für Unruhe gesorgt hatte, musste verletzt vom Feld und von Federico Bernardeschi ersetzt werden (86.).

Auch in der Verlängerung blieben die Azzurri vorerst das aktivere Team, das erste Ausrufezeichen setzte aber England. Der Distanzschuss von Kalvin Philipps strich nur knapp am Tor vorbei (97.). Sechs Minuten später schlug Italien zurück: Bernardeschi kam nach einer Emerson-Flanke gegen Pickford jedoch zu spät. Auch Jack Grealish hatte bei seinem Versuch keinen Erfolg (108.), so dass die Entscheidung im Elfmeterschießen fallen musste.


England in Noten: Die Einzelkritik zum EM-Finale

Alle englischen Spieler im EM-Finale hier in der Einzelkritik. Zur Galerie
Alle englischen Spieler im EM-Finale hier in der Einzelkritik. ©

Vor dem Finale hatte es Tumulte bei der Einlasskontrolle gegeben, weil einige Fans versuchten, in die Arena zu stürmen. Medienberichten zufolge könnten Hunderte an den Sicherheitskräften vorbeigekommen sein. In einer Mitteilung des Wembley-Stadions hieß es, eine kleine Gruppe von Menschen habe sich Zugang verschafft. Man arbeite eng mit Stadionpersonal und Sicherheitsleuten zusammen, um diese Leute von den Rängen zu entfernen. "Jeder ohne Karte im Stadion wird sofort rausgeworfen." Auf Videos war zuvor zu sehen, wie Menschen eine Treppe am Stadion hochliefen und von Sicherheitspersonal verfolgt wurden. Auf einem anderen Video war zu sehen, wie mehrere Menschen eine Blockade von Sicherheitspersonal durchbrachen und dabei auch Absperrgitter umwarfen.

Schon Stunden vor dem Finale hatten Hunderte Fans vor dem Wembley-Stadion gefeiert. Vor allem Anhänger der englischen Mannschaft tanzten und sangen am Sonntagnachmittag in unmittelbarer Nähe zur Arena im Nordwesten Londons, einige von ihnen zündeten Bengalos. Allerdings mischte sich stellenweise auch Gewalt in die Partystimmung. So gab es schon vor dem versuchten Stadion-Sturm einige wüste Schlägereien mit Verletzten. Und: Wie schon im Vorfeld vieler anderer EM-Spiele in London trugen die Fans fast alle keine Masken und hielten keinen Abstand zueinander.