07. Juni 2022 / 18:20 Uhr

WM-Favorit trotz Ungarn-Pleite? So ist die Lage bei Deutschland-Gegner England wirklich

WM-Favorit trotz Ungarn-Pleite? So ist die Lage bei Deutschland-Gegner England wirklich

Hendrik Buchheister
RedaktionsNetzwerk Deutschland
England träumt vom WM-Titel – kämpft aber mit dem Nations-League-Alltag.
England träumt vom WM-Titel – kämpft aber mit dem Nations-League-Alltag. © Getty Images/IMAGO/Sportimage (Montage)
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Gespickt mit Top-Spielern aus der Premier League und ausgestattet mit mächtig Selbstvertrauen: England wird immer wieder zu den Top-Favoriten auf den WM-Titel gezählt. Doch der Auftakt in die Nations League ging in die Hose und die Stimmung ist angespannt. Wie gut sind die Three Lions wirklich? 

In England wird wieder einmal Grundsätzliches diskutiert vor dem Spiel beim alten Rivalen Deutschland an diesem Dienstag. "Southgate muss beweisen, dass er das Vertrauen der Fans verdient", titelt der seriöse Daily Telegraph und fängt damit die Stimmung ein, die im Land des Weltmeisters von 1966 herrscht nach dem 0:1 in Ungarn zum Start der Nations League. Das Bedenkliche an der Partie in Budapest war weniger das Ergebnis, sondern die Art, wie die englische Nationalmannschaft aufgetreten war – nämlich uninspiriert, verunsichert und müde.

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Das ist am Ende einer langen Saison durchaus nachvollziehbar, außerdem experimentierte Trainer Gareth Southgate mit seiner Aufstellung und ließ James Justin von Leicester City und Jarrod Bowen von West Ham United debütieren. Solche Entschuldigungen zählen in England allerdings nicht viel. Das Publikum erwartet, dass die Mannschaft in Fahrt kommt für die Weltmeisterschaft in Katar im November und Dezember.

Sollte auch die Partie in München enttäuschend verlaufen, dürfte die Kritik an Southgate eine neue Dimension der Schärfe erreichen. Das ist nicht unbedingt fair. Der Trainer hat England am sportlichen Tiefpunkt übernommen, nämlich nach dem Debakel bei der EM 2016 mit dem Achtelfinal-Aus gegen Island, und die Mannschaft seitdem ins WM-Halbfinale 2018 und ins Finale der EM im vergangenen Jahr geführt. Außerdem hat er bewirkt, dass die Spieler gerne zur Nationalmannschaft kommen und das Land den "Three Lions" grundsätzlich positiv gegenüber steht. Das war in der Vergangenheit oft anders. Dass die englische Auswahl offen Stellung bezieht gegen Rassismus und andere Formen der Ausgrenzung, ist ein weiterer Effekt der Arbeit des 51-Jährigen.

Kritik an defensiver Spielweise von Southgate

Allerdings gibt es auch grundsätzliche Vorbehalte gegen den Trainer. Viele Beobachter unterstellen ihm, dass er die Mannschaft einschränkt mit einer zu defensiven Spielweise. In bedeutenden Partien setzt Southgate auf eine Fünferabwehr, voraussichtlich auch gegen Deutschland. Kreative Freigeister wie Jack Grealish von Manchester City oder den stürmenden Rechtsverteidiger Trent Alexander-Arnold vom FC Liverpool sieht Southgate skeptisch. England spielt unter seiner Regie nie berauschend, sondern kontrolliert und solide. Das Publikum akzeptiert das, solange Erfolg da ist – wie beim Marsch ins EM-Finale im vergangenen Jahr. Läuft es nicht wie gewünscht, wird die wenig unterhaltsame Spielweise gegen Southgate verwendet.

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Vor der Partie in München geht es den Beobachtern in England ähnlich wie dem deutschen Publikum nach dem mageren 1:1 in Italien — sie wissen nicht, wie gut ihre Mannschaft wirklich ist. Das direkte Duell soll eine Antwort liefern. Dazu dürfte Southgate die beste Elf auf den Platz schicken, die er aktuell zur Verfügung hat. Sie wird größtenteils identisch sein mit dem Team, das im EM-Achtelfinale im vergangenen Jahr ein rauschendes 2:0 gegen die DFB-Elf einfuhr. Im Vergleich werden voraussichtlich nur zwei Spieler neu in die Mannschaft kommen, nämlich Reece James als Rechtsverteidiger und Mason Mount oder Grealish als Linksaußen.

Die Achse des Teams bilden weiterhin Torwart Jordan Pickford, Abwehrchef Harry Maguire, die defensiven Mittelfeldspieler Declan Rice und Kalvin Phillips und Kapitän und Mittelstürmer Harry Kane. Sie werden auch bei der WM in Katar eine Mannschaft anführen, die nach eigenem Selbstverständnis zu den Favoriten gehört. Gegen Deutschland muss sie beweisen, dass dieser Anspruch gerechtfertigt ist.

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