18. November 2017 / 06:00 Uhr

Entdecker Thomas Nagel über Fiete Arp: „Einen wie ihn hat sich jeder HSV-Fan ersehnt“

Entdecker Thomas Nagel über Fiete Arp: „Einen wie ihn hat sich jeder HSV-Fan ersehnt“

Sönke Gorgos
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Fiete Arp jubelt im HSV-Dress. Sein Entdecker Thomas Nagel spricht voller Stolz über den 17-Jährigen, den er entdeckte.
Fiete Arp jubelt im HSV-Dress. Sein Entdecker Thomas Nagel spricht voller Stolz über den 17-Jährigen, den er entdeckte. © imago/LN
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Exklusiv: Der 17-jährige Himmelsstürmer erobert die Bundesliga – und schoss schon zwei Tore in drei Spielen. Sein Entdecker Thomas Nagel, der Arp als Knirps zu ersten Erfolgen führte, erzählt, was den Angreifer so besonders macht.

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Er kennt Fiete Arp wie kein Zweiter: Thomas Nagel war einer der ersten Trainer von HSV-Juwel Fiete Arp und gilt als Entdecker des 17-jährigen Stürmers, der beim Hamburger SV aktuell die Bundesliga aufmischt. Im Interview spricht der 55-jährige Auswahltrainer aus dem Kreis Segeberg über seinen früheren Schützling und erklärt, warum er den kleinen Fiete manchmal nach nur wenigen Augenblicken wieder auswechselte.

SPORTBUZZER: Herr Nagel, wie haben Sie Fiete Arp damals kennengelernt?

Thomas Nagel: Wir haben eine neue Kreisauswahl aufgebaut. Die Vereine schickten ihre besten Talente, und Fiete war dabei. Damals war er bei seinem Heimatverein SV Wahlstedt. Er war neun.

Wie haben Sie ihn erlebt?

Obwohl er jünger als der Rest des Jahrgangs war, hat er besondere Dinge gemacht. Den Drang zum Tor hatte er schon. Es gab einiges, was ihn von anderen abgehoben hat.

„Fiete wollte nie so richtig laufen“

Sie haben ihn mal als „ein bisschen foul“ bezeichnet.

Das stimmt. Er wollte nie so richtig laufen, fiel auch gern mal um. Wir haben gegengesteuert, das war mit dem Vater abgestimmt. Er ist häufig schnell wieder ausgewechselt worden.

Wie schnell?

(lacht) Da war er durchaus auch mal nur ’ne Minute auf dem Platz. Das kann man nicht mit jedem machen, aber Fiete ist ein Charakter, der so was wegsteckt.

HSV-Talent aus Segeberg: Die Jugend von Jann-Fiete Arp

Jann-Fiete Arp (Zweiter von oben links) im Kreise seiner Mitspieler bei den E-Junioren des SV Wahlstedt. Zur Galerie
Jann-Fiete Arp (Zweiter von oben links) im Kreise seiner Mitspieler bei den E-Junioren des SV Wahlstedt. ©

Hatte er schon den Torinstinkt?

Er hat immer direkt den Weg zum Tor gesucht. Er hat aus den unmöglichsten Situationen Tore gemacht, das war für sein Alter ungewöhnlich und hat ihn ausgezeichnet.

Wann ist Ihnen klar geworden, dass er es weit bringen kann?

Ich möchte den sehen, der damals erkannt hat, dass er es zum Bundesliga-Spieler bringen wird.

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Wenn Kids gute Spiele machen, dann gibt es auch mal eine Belohnung. Bei Leroy Sané war es die Milchschnitte – was bekam Fiete?

Wir haben in unserer Ausbildung Hausaufgaben. Eine bestand darin, den Ball zu jonglieren. Wer 50 überschritten hat, bekam einen Ball.

Gibt es einen Moment, an den Sie sich sofort erinnern, wenn sie Fiete Arp hören?

Tatsächlich sogar zwei! Ich habe ihn bei einem Turnier in Kisdorf (Kreis Segeberg, d. Red.) eingewechselt und sofort gesehen, dass er nicht laufen wollte. Er stand nur rum. Ich habe ihn sofort runtergeholt. Fiete hat vor Wut gegen eine Mülltonne getreten. Ich habe ihn gefragt, ob er weiter bei uns bleiben möchte, er hat geknurrt, blieb aber. (lacht)

Die 15 jüngsten Torschützen der Bundesliga-Geschichte

Der Hamburger SV möchte schnellstmöglichst mit Jann-Fiete Arp verlängern. Kein Wunder, schließlich ist er einer der jüngsten Bundesliga-Torschützen aller Zeiten und damit der Hoffnungsträger der Rothosen schlechthin. Zur Galerie
Der Hamburger SV möchte schnellstmöglichst mit Jann-Fiete Arp verlängern. Kein Wunder, schließlich ist er einer der jüngsten Bundesliga-Torschützen aller Zeiten und damit der Hoffnungsträger der Rothosen schlechthin. ©

Und die zweite Situation?

Fiete war schon ein Jahr beim HSV. Wir sind zum Gothia-Cup gefahren, dem größten Jugendturnier der Welt in Göteborg. Der HSV sagte zu, dass Fiete als Gastspieler mitmachen kann. Er hat uns ins Endspiel geschossen, das wir leider verloren haben. Fiete war so traurig, dass er geweint hat. Er sagte zu mir: „Ich wollte so gern den Gothia-Cup für dich gewinnen!“ So was vergisst man nicht.

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Das scheint ein besonderes Verhältnis zu sein. Wie ist der Kontakt denn aktuell?

Wir sprechen in unregelmäßigen Abständen. Wenn ich in Norderstedt bin, sehe ich ihn ab und zu beim Training. Wenn er mal nach Hause wollte, dann habe ich ihn mitgenommen. Sonst haben wir Whatsapp-Kontakt.

Gibt es auch mal Tipps?

Ja, ab und zu. Neulich kam eine Nachricht von Fiete von der U17-WM in Indien. Wir hatten in Segeberg einen Sichtungstag mit vielen Kindern, er schickte eine Grußbotschaft. Die Jungs und ihre Eltern waren begeistert.

Damals war der Rummel überschaubar. Jetzt vergeht kein Tag, an dem nicht über ihn geschrieben wird.

Fiete ist unser Leuchtturm. Er ist derjenige, den sich die HSV-Fans immer ersehnt haben – und dann heißt er auch noch Fiete! Da passt einfach alles.

​„Sein Opa war Boxer“

Was auffällt, ist seine für einen 17-Jährigen beeindruckende Physis. Er hat kein Problem, sich gegen Bundesliga-Verteidiger zu behaupten.

Das liegt auch in den Genen. Sein Opa Otto war nicht nur Fußballer, sondern auch Boxer, ein großer Lokalmatador in Segeberg. Fiete ist robust. Auch da fällt mir übrigens ein Erlebnis ein.

Erzählen Sie.

Das war im Winter, da waren wir bei einem Hallenturnier. Draußen waren minus zehn Grad, Fiete hatte das Fenster sperrangelweit auf und saß da im Unterhemd. Ich habe ihn gefragt, ob er friert. Da meinte er nur: „Nö, ich schwitze…“

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Durchwachsen, aber mit Luft nach oben: Der Kader des Hamburger SV.  Zur Galerie
Durchwachsen, aber mit Luft nach oben: Der Kader des Hamburger SV.  ©

Waren Sie gegen Stuttgart dabei, als er sein erstes Tor im Volksparkstadion erzielte?

Ja. Die Nordtribüne ist völlig ausgerastet – auch ich habe schon lange nicht mehr so sehr gejubelt. Das war mehr als bewegend.