05. Mai 2020 / 17:05 Uhr

Entscheidung gefallen: Fußball-Saison in Sachsens Ligen ist beendet

Entscheidung gefallen: Fußball-Saison in Sachsens Ligen ist beendet

Frank Müller
Leipziger Volkszeitung
Enten haben weiter gute Chancen auf einen Spaziergang auf Sachsens Fußballplätzen. Denn Ligaspiele wird es bis zum Herbst keine mehr geben.
Enten haben weiter gute Chancen auf einen Spaziergang auf Sachsens Fußballplätzen. Denn Ligaspiele wird es bis zum Herbst keine mehr geben. © Alexander Prautzsch
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Der Sächsische Fußball-Verband wird die laufende Saison im Ligenspielbetrieb nicht fortsetzen. Absteiger soll es keine geben, Aufsteiger dagegen schon. Zu deren Ermittlung will man die Quotientenregelung heranziehen. Weitergehen soll es dagegen im Landespokal.

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Leipzig. Es hatte sich seit Wochen abgezeichnet: Der Sächsische Fußball-Verband (SFV) setzt die Saison in den unter seiner Regie stehenden Spielklassen nicht fort. Ebenso verfahren die ihm zugeordneten 13 Kreisverbände. Das ist das Ergebnis einer erneuten Abstimmung zwischen den Kreisen sowie dem SFV-Vorstand am Dienstag. Das Präsidium hatte bereits am Montag einstimmig dafür plädiert, die Saison nach dem 30. Juni nicht fortzuführen. Der Pokalwettbewerb mit seinen nur noch drei Partien soll jedoch zu Ende geführt werden. „Wir lösen das von den Punktspielen ab, um dem Pokalsieger die Teilnahme am DFB-Pokal zu ermöglichen“, erklärt SFV-Präsident Hermann Winkler dazu.

Kein Aufsteiger in die Oberliga

Die Auf- und Abstiegsregelung in den Ligen wird indes außer Kraft gesetzt. „Es wird also auch keine Meister geben, der Vorstand will aber Aufsteiger ermöglichen“, erläutert Spielausschuss-Chef Volkmar Beier. Deshalb werde mit dem Quotienten aus Punkten und Anzahl der Spiele (Stand 13. März) eine Rangfolge ermittelt. So könnte beispielsweise der SSV Markranstädt den Sprung in die höchste Spielklasse des Freistaates schaffen. Wichtig: Es muss keine Mannschaft aus der Sachsenliga oder den Landesklasse-Staffeln absteigen.

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Aus der Landesliga steigt kein Team in die Oberliga auf, weil vor einigen Tagen auch Spitzenreiter Einheit Kamenz, der als einziger Verein überhaupt Interesse angemeldet hatte, nun seine Absicht revidiert hat. Mit der Erklärung des Aufstiegsverzichts hat der Kamenzer Vorstand jüngst seinen Trainer Frank Rietschel und dessen Spieler überrascht. Probleme könnte es an der Nahtstelle zur fündten Liga dennoch geben, wenn nicht alle im Nordostdeutschen Fußballverband (NOFV) organisierten Landesverbände in gleicher Weise mit der Saison verfahren.

Vereine nicht flächendeckend befragt

Genau danach sieht es allerdings im Moment aus. So möchte der Vorstand des Thüringer Fußball-Verbandes (TFV) die laufende Spielzeit im Herbst fortsetzen und hätte im Sommer also sportlich noch keinen Aufsteiger zur Oberliga. Jeder dem TFV zugehörige Verein konnte bis einschließlich Montag an einer entsprechenden Abstimmung teilnehmen und so seine Meinung zum Vorschlag kundtun. Bei 585 gültigen Stimmen sprachen sich 340 Clubs für den Vorschlag der Verbandsspitze aus. 245 Vereine votierten dagegen.

In Sachsen entschieden sich die Verbandsoberen gegen den basisdemokratischen Ansatz. Bei einigen Vereinen sorgt das für Unmut. Sie machen ihrem Ärger in sozialen Netzwerken Luft und wehren sich gegen den vom SFV angestrebten Anschein von Einhelligkeit. „Wir haben fast 1000 Vereine, von denen wir ja gewählt sind. Deshalb übernehmen wir auch die Verantwortung für solch schwierige Entscheidungen“, begründet Hermann Winkler das Vorgehen.

Pattsituation in anderen Landesverbänden

Sein Vize Dirk Majetschak steht dem Fußballverband der Stadt Leipzig (FVSL) vor. Eine wirkliche Befragung habe auch dort nicht stattgefunden. "Wir haben aber in die Vereine hineingehört, zahlreiche Gespräche geführt", sagte er gegenüber dem SPORTBUZZER. daraus habe sich ein Meinungsbild für den Umgang mit der aktuellen Situation ergeben. "Das ging recht einhellig in Richtung Auslaufen der Saison. Auch aus unserem Spielausschuss gab es ähnliche Signale." Dass sich Clubs jetzt darüber beschweren, überstimmt zu werden, kann Majetschak dennoch verstehen. Denn oftmals gingen die Meinungen selbst innerhalb der Vereine auseinander, je nach Altersklasse, Team und natürlich dem aktuellen Tabellenstand. "Es ist menschlich, dass jeder für seine Mannschaft die bestmögliche Lösung will."

Dass die Befragung aller Vereine auch neue Probleme verursachen kann, erfahren aktuell andere Landesverbände. So führte die Abstimmung in Mittelrhein zu keinem klaren Votum. Dort hielten sich Befürworter und Gegner einer Saisonfortsetzung praktisch die Waage. In Niedersachsen wiederum befürwortet der Verband den Abbruch, die Vereine stimmten jedoch dagegen.

(mit Antje Henselin-Rudolph)