24. November 2021 / 08:21 Uhr

Enttäuschendes 0:2, Nmecha gesperrt: Aber noch ist für den VfL Wolfsburg in der Champions League alles drin

Enttäuschendes 0:2, Nmecha gesperrt: Aber noch ist für den VfL Wolfsburg in der Champions League alles drin

Andreas Pahlmann und Engelbert Hensel
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Frust in Sevilla: Der VfL (l. Wout Weghorst) verlor 0:2, Lukas Nmecha (r.) kassierte eine Gelb-Sperre.
Frust in Sevilla: Der VfL (l. Wout Weghorst) verlor 0:2, Lukas Nmecha (r.) kassierte eine Gelb-Sperre. © Roland Hermstein
Anzeige

Die Gruppe G der Champions League bleibt kurios: Der VfL Wolfsburg ist nach dem 0:2 in Sevilla Letzter - und wäre bei einem Sieg am letzten Spieltag gegen Lille dennoch in der K.o.-Phase dabei. Gegen die Franzosen wird allerdings Lukas Nmecha fehlen.

Nun weiß auch Florian Kohfeldt, wie es sich anfühlt, mit dem VfL Wolfsburg zu verlieren. Im fünften Spiel unter dem neuen Trainer kassierte der Bundesligist die erste Niederlage, unterlag im vorletzten Spiel der Champions-League-Gruppenphase gestern Abend mit 0:2 (0:1) beim FC Sevilla. Das erste Tor des Spiels durch Joan Jordan fiel bereits in der zwölfen Minute, das zweite durch Rafa Mir erst in der siebten Minute der Nachspielzeit.

Auf dem Weg, in einem europäischen Wettbewerb zu überwintern, ist diese Niederlage ein Rückschlag - aber vorm letzten Gruppenspieltag am 8. Dezember ist für den VfL immer noch alles drin. Denn alle vier Teams nehmen sich munter gegenseitig Punkte weg. Im zweiten Spiel der Gruppe gewann Lille gestern Abend mit 1:0 gegen Salzburg, Jonathan David sorgte für den Siegtreffer. Damit ist der VfL zwar Gruppenletzter, Spitzenreiter Lille hat aber auch nur drei Punkte mehr - und muss zum Gruppenfinale nach Wolfsburg. Dort braucht der VfL einen Sieg, sonst bleibt er Letzter und schafft nicht einmal den Sprung in die Europa League - aber mit drei Punkten (und dem dann gewonnenen direkten Vergleich mit Lille) wäre er in der K.o.-Phase der Königsklasse dabei.

VfL Wolfsburg in Sevilla: Die Noten und Einzelkritik

<b>Pavao Pervan: </b> Pavao Pervan: War in seinem ersten Champions-League-Spiel bei den Gegentoren chancenlos. Durfte sich danach mehrmals auszeichnen – und machte das mit Bravour. Note: 3 Zur Galerie
Pavao Pervan: Pavao Pervan: War in seinem ersten Champions-League-Spiel bei den Gegentoren chancenlos. Durfte sich danach mehrmals auszeichnen – und machte das mit Bravour. Note: 3 ©

Kleiner Trost: Auch bei einem Punktgewinn gestern in Andalusien wäre kaum weniger Rechnerei gewesen. Von einem Teilerfolg allerdings waren die Wolfsburger in Sevilla weit entfernt. Lukas Nmecha, der zuvor in allen Spielen unter Kohfeldt getroffen hatte, hatte bei seinem Lattentreffer vor der Pause Pech - ansonsten war’s offensiv zu wenig, was der VfL gegen die robusten Andalusier zeigte.

Anzeige

Stürmer Lukas Nmecha, dem außer dem Lattentreffer wenig gelungen war, war entsprechend frustriert. „Die haben gut gespielt, wir nicht“, war seine treffende Analyse. Wenn man zu oft den Ball verliere, wird man „gegen eine sehr gute Mannschaft eben bestraft“, denn man müsse nach Balleroberungen „einfach mal den Ball behalten, das haben wir nicht gemacht.“ Bitter: Er selbst ist gegen Lille nach seiner dritten Gelben Karte gesperrt. Er hatte kurz vor Schluss zu stark lamentiert, nachdem er nach einem Handspiel zurückgepfiffen worden war. "Ich kann die Emotion verstehen"; so Kohfeldt, "aber er darf sich nicht verleiten lassen. Von dahier war es unnötig. Aber es wird ihm keiner den Kopf abreißen. Es war kein guter Abend, aber ich werde ihn trotzdem in den Arm nehmen." Nmecha sei ein junger Spieler, da sei so etwa zu verzeihen. "Es sollte ihm kein zweites Mal passieren - aber einmal hat er frei."

Der VfL Wolfsburg in Sevilla - Diel Bilder

Wolfsburgs Stürmer Wout Weghorst ärgert sich nach dem 1:0 für Sevilla. Zur Galerie
Wolfsburgs Stürmer Wout Weghorst ärgert sich nach dem 1:0 für Sevilla. ©

Gleich auf fünf Positionen hatte Kohfeldt die Startelf im Vergleich zum 2:2 in Bielefeld geändert - Sebastiaan Bornauw, Kevin Mbabu und der leicht angeschlagene Paulo Otavio saßen auf der Bank, Koen Casteels (Corona) und Renato Steffen (Wadenprobleme) waren nicht dabei. Pavao Pervan, Josuha Guilavogui, Maxence Lacroix, Aster Vranckx und Jerome Roussillon rückten wieder rein, Yannick Gerhard blieb drin - in offensiver Rolle in einem 4-3-3-System. Die Startelf-Kandidaten Maximilian Philipp und Dodi Lukebakio saßen dafür zunächst auf der Bank.

Als beide dann kamen, gab es einen Hauch von Schwung – aber die Grundprobleme blieben. Kohfeldt: „In der Ordnung hatten wir wenig Probleme, das erste Gegentor fällt nach einer Halbfeld-Flanke, das darf nicht passieren.Und dann läufst du eben hinterher.“ Was ihn aber so richtig ärgerte: „Das größte Problem war der Ballbesitz, wir haben uns nicht angeboten, nicht freigelaufen, waren hektisch, hatten einfache Ballverluste.“ Sevilla dagegen musste kein Feuerwerk abbrennen, um das Spiel im Griff zu haben, war der erwartet unangenehme Gegner. Darauf war der VfL vorbereitet und, so Kohfeldt, „das wäre nicht das Problem gewesen, wenn wir in Ballbesitz klarer gespielt hätten“.


Maximilian Arnold, für den fehlenden Koen Casteels (Corona) Kapitän, meinte: „Das war eine schwache Leistung von uns, ich habe keine Erklärung, warum wir nicht ins Spiel gekommen sind. Ich weiß gar nicht, ob wir überhaupt ein bisschen Mut hatten. Ich habe keine Erklärung, warum, wir so einen Auftritt geliefert haben. Heute war gar nichts gut.“

Für Sevilla war’s der ersten Sieg in dieser CL-Saison, der VfL wartet weiter auf einen Erfolg in Spanien und einen Auswärts-Dreier in der Königsklasse – den letzten gab’s im Februar 2016 mit einem 3:2 bei KAA Gent.

Anders als üblich wird der VfL noch etwas länger in Sevilla bleiben, dort am Mittwochvormittag sogar noch trainieren – und erst danach die Heimreise antreten. Bis zum Spiel am Samstag (15.30 Uhr) gegen Borussia Dortmund stehen für die Wolfsburger dann auf heimischer Anlage am Donnerstag und am Freitag insgesamt noch zwei Einheiten auf dem Programm.