07. Februar 2021 / 13:03 Uhr

Entzauberte Bude: Hallenfußbälle und Futsal-Spielgeräte bleiben eingeschweißt

Entzauberte Bude: Hallenfußbälle und Futsal-Spielgeräte bleiben eingeschweißt

Johannes David
Leipziger Volkszeitung
Ein Schnappschuss aus dem Jahr 2019 in Borna: aktuell geht unter dem Hallendach gar nichts.
Ein Schnappschuss aus dem Jahr 2019 in Borna: aktuell geht unter dem Hallendach gar nichts. © Andreas Döring
Anzeige

Wegen der Corona-Pandemie entfällt die komplette Hallenfußball-Serie. Auch im Muldental befand sich der jahrelang so beliebte Kick zuletzt ohnehin in der Krise. Das endgültige Ende einer Tradition? Wir haben uns umgehört.

Anzeige

Muldental. Kein Schulsohlenabrieb auf Linoleum, keine höllisch brennenden Kniewunden, kein Kreisklasse-Tiki-Taka. Der Hallenfußball ist für diese Saison gestrichen. Vorerst nur wegen der Corona-Pandemie. Ob der einst so magische Budenzauber diese Krise übersteht und im kommenden Winter wiederaufersteht? Zumindest im Männerbereich hat die Tradition vieles an Strahlkraft verloren – und zwar bei Spielern und Zuschauern gleichermaßen.

Anzeige

Hallenfußball verzichtbar

Ein Kern des Problems: Eigentlich soll nach dem Willen des großen Bruders DFB längst kein Hallenfußball, sondern nur noch Futsal gespielt werden. „Wir sollten das nicht dramatisieren. Wir haben einen Zustand erreicht, mit dem man gut umgehen kann. Man darf dabei nicht vergessen, dass einige Vereine die Halle konsequent ablehnen. Einerseits aus Angst vor Verletzungen, andererseits weil sie eben keine eigene Halle haben“, sagt Volkmar Beier, Vorsitzender des Spielausschusses beim Sächsischen Fußballverband.

Mehr zu Fußball

Diese Einschätzung trifft offenbar den Zahn der Zeit. Volkmar Beier glaubt, „der Fußball in der Halle hat sich auf ein anderes Niveau heruntergeschraubt, was zum derzeitigen Interesse passt. Vor 15, 20 Jahren hat der Markt nach mehr geschrien. Das ist heute nicht mehr so. Wir müssen mit dem mitgehen, was gewünscht ist.“ Gewünscht und sehr gut frequentiert sind die Futsal-Jugendturniere. „Für den Nachwuchs ist es wichtig, dass wir in den Wintermonaten ein Wettkampfangebot haben. Wir bieten eine umfangreiche Turnierserie an, die sich der Verband durchaus etwas kosten lässt, weil sie von den Vereinen gewollt ist“, erklärt Beier. Und so könnte womöglich die Bude auch bei den Herren bald wieder ein Stück des alten Zaubers entfalten – wenn man ihr etwas Zeit gibt. Beier ergänzt: „Es normalisiert sich, vielleicht können wir in ein paar Jahren bei den Männern wieder eine Schippe drauflegen.“



Auch die Vereins-Funktionäre aus der Region haben ihre eigene Sicht auf die Dinge. So redet Rico Meister als verantwortlicher Trainer des Männer-Kreisoberligisten VfB Leisnig überhaupt nicht um den heißen Brei herum und gibt unumwunden zu verstehen, nicht der ganz große Freund der Filz-Kugel zu sein: „Ich kann wirklich nicht unbedingt behaupten, dem fehlenden Hallenfußball eine große Träne nachzuweinen, zu mindestens was unseren Herrenbereich betrifft.“

Bequemlichkeit nicht siegen lassen

Allerdings lässt der VfB-Coach ebenfalls durchblicken, dass sein unverblümtes Zeigen der kalten Schulter auch gewisse Grenzen hat: „Was unser vereinsinternes Turnier – welches wir traditionell immer nach den Weihnachtsfeiertagen organisiert und ausgetragen haben – betrifft, habe ich die Absage natürlich zweifellos als sehr schade empfunden. Und für die zahlreichen Kinder und Jugendlichen ist es mit Sicherheit ein äußerst herber Verlust, dass diesmal keine derartigen Wettkämpfe stattfinden können.“

In eine etwas andere Kerbe schlägt Katrin Schuhmann, die beim SV Klinga-Ammelshain für die Frauen und den weiblichen Nachwuchs zuständig ist: „Unsere Mädels sind in der Halle stets sehr aktiv gewesen, wir haben diesbezüglich in unserem Stammquartier in Naunhof optimale Voraussetzungen. Im Moment fehlt das absolut, wie derzeit halt nahezu alles fehlt. Das ist mehr als ärgerlich und tatsächlich nicht einfach, die Spielerinnen bei Laune zu halten. Jetzt geht es in erster Linie darum, der Bequemlichkeit keinen Vorschub zu leisten. Wenn wir hoffentlich bald wieder loslegen können, gilt es dann den inneren Schweinehund zu überwinden. Und irgendwann freuen wir uns dann auch auf die kommende Hallensaison, denn die diesjährige dürfte bis zum Restart wahrscheinlich so gut wie gelaufen sein.“

Hallenturniere auf hohem Niveau halten

Eine gehörige Portion Wehmut über den ungewollten Verzicht schwingt ebenfalls bei Kevin Kutzner (Nachwuchsleiter und Landesklasse-Kicker beim Bornaer SV) mit: „Die Hallenturnierserie spielt bei uns alljährlich eine große Rolle, da kann es an manchem Wochenende schon mal von Samstag 8 Uhr bis Sonntag 21 Uhr gehen. Natürlich vermisst man dies momentan, denn es ist immer eine willkommene Abwechslung zum Geschehen unter freiem Himmel. In der Halle gibt es zumeist knackige, temporeiche und unterhaltsame Begegnungen zu erleben. Gerade die Kinder und Jugendlichen haben daran echten Spaß und nicht zuletzt aus diesem Grund hat der Hallenfußball meiner Meinung nach eine echte Zukunft. Die technische Ausbildung steht im Vordergrund und ich persönlich favorisiere ohnehin die Vollbande, die auch wir als Ausrichter bevorzugen. Weil schnelle Spiele schnelle Entscheidungen erfordern und die Akteure kognitiv voran bringen.“

Rasches Reagieren ist aktuell überall gefragt, der BSV-Jugendchef verweist auf die vielen anderen derzeit wichtigen Dinge in der Gesellschaft und bleibt dennoch optimistisch: „Wir werden definitiv versuchen, in den kommenden Jahren unsere Hallenturniere auf einem hohen Niveau zu halten.“ In diesem Jahr bleiben Hallenfußbälle und Futsal-Spielgeräte jedoch ohnehin eingeschweißt. Selbst über den Neustart unter freiem Himmel kann man derzeit nur mutmaßen.

Tipp: Die komplette SPORTBUZZER-Berichterstattung zur EM 2021 findest Du auch in der superschnellen EM-App von Toralarm. Und folge gerne @sportbuzzer auf Instagram!