02. Dezember 2021 / 18:40 Uhr

Epidemiologe fordert bei Corona-Verstößen: "Zur Not muss ein Fußballspiel gestoppt werden"

Epidemiologe fordert bei Corona-Verstößen: "Zur Not muss ein Fußballspiel gestoppt werden"

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Epidemiologe Hajo Zeeb bringt eine drastische Strafe für Missachten der Corona-Regeln in Fußball-Stadien ins Spiel.
Epidemiologe Hajo Zeeb bringt eine drastische Strafe für Missachten der Corona-Regeln in Fußball-Stadien ins Spiel. © IMAGO/Herbert Bucco/dpa/Montage
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Die Politik hat entschieden: Fußball-Vereine dürfen bis auf Weiteres keine Heimspiele vor mehr als 15.000 Zuschauern austragen. Für Hajo Zeeb kommt dieser Beschluss keine Sekunde zu spät. Der Epidemiologe des Leibniz-Instituts für Präventionsforschung und Epidemiologie bringt auch Spiel-Unterbrechungen bei Nichteinhaltung der Corona-Maßnahmen ins Spiel.

Die Bilder dieses Spiels machten viele Beobachter stutzig: Trotz Rekord-Inzidenzen in Deutschland durfte das rheinische Derby zwischen dem 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach (4:1) am vergangenen Samstag vor 50.000 Fans im Rheinenergiestadion ausgetragen werden. Das sorgte für heftige Debatten, vor allem in der Politik. Diese Bilder hätten viele Bürger auch angesichts einer "ganz dramatischen Situation auf den Intensivstationen" bewegt, sagte der designierte Bundeskanzler Olaf Scholz am Donnerstag. Und die Politik greift durch: Volle Fußballstadien wird es vorerst nicht mehr geben. Höchstens 15.000 Zuschauer sind an den kommenden Spieltagen in den Arenen zugelassen - darauf einigten sich Bundesregierung und Länderchefs. Von Epidemiologe Hajo Zeeb gibt es nun Lob für den Beschluss.

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"Es darf nicht noch einmal Bilder geben, in denen Fans dicht an dicht gedrängt im Stadion stehen"

Im Gespräch mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland, zu dem der SPORTBUZZER als Sportportal gehört, stellte der Epidemiologe des Leibniz-Instituts für Präventionsforschung und Epidemiologie in Bremen fest: "Eine Deckelung auf 30 bis 50 Prozent Auslastung in Fußballstadien ist zwingend notwendig gewesen. So können vernünftige Abstände eingehalten werden". Allerdings nimmt Zeeb gleichzeitig auch die Klubs als Veranstalter in die Pflicht: "Jetzt müssen die Vereine aber auch dafür sorgen, dass diese Abstände eingehalten werden", fordert der Epidemiologe.

Zeeb geht sogar noch einen drastischen Schritt weiter und bringt Abbrüche ins Spiel, sollten die Verordnungen in den Stadien wie die Maskenpflicht oder Abstände offensichtlich nicht eingehalten werden: "Klare Kontrollen sind notwendig, zum Beispiel durch das Ordnungsamt, und zur Not muss auch ein Fußballspiel gestoppt werden." Fest steht für den Forscher auf jeden Fall: "Es darf nicht noch einmal Bilder geben, in denen Fans dicht an dicht gedrängt im Stadion stehen."

Virologe Streeck: "Stadionauslastung vom allgemeinen Infektionsgeschehen abhängig machen"

Wo Zuschauer zugelassen sind, gilt eine Maskenpflicht und die 2G-Regel, nach der nur Geimpfte und Genesene Einlass erhalten. Möglich ist, dass zudem noch ein aktueller Coronatest nachgewiesen werden muss. Die Vorgaben seien "dem Grunde nach verständlich", sagte Christian Seifert, Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga (DFL). Scholz sagte mit Blick auf bis zuletzt noch volle Fußballstadien: "Dass man gesagt hat, das kann nicht so bleiben, wie das jetzt ist, und da eine sehr drastische Entscheidung getroffen hat, das ist gut."

Eine einheitliche Linie der Bundesländer gibt es aber noch nicht. Während in Bayern bis Jahresende keine Fans mehr in den Stadien erlaubt sind, dürfen in Nordrhein-Westfalen 15.000 Zuschauer das Topspiel zwischen dem BVB und FC Bayern in Dortmund verfolgen. "Jede starke Minimierung von Kontakten ist derzeit vor allem in den südlichen Bundesländern sinnvoll", sagt Virologe Hendrik Streeck im RND-Gespräch. Noch sinnvoller sei es allerdings, "die Stadionauslastung vom allgemeinen Infektionsgeschehen abhängig zu machen".