09. Juni 2021 / 23:04 Uhr

"Er braucht jetzt mal eine Pause": Wolfsburg-Sportdirektor Schäfer bremst EM-Held Baku

"Er braucht jetzt mal eine Pause": Wolfsburg-Sportdirektor Schäfer bremst EM-Held Baku

Engelbert Hensel, Marcel Westermann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Hat Baku nach dem Gewinn des EM-Titels sofort gratuliert: Marcel Schäfer (r.), der Sportdirektor des VfL Wolfsburg.
Hat Baku nach dem Gewinn des EM-Titels sofort gratuliert: Marcel Schäfer (r.), der Sportdirektor des VfL Wolfsburg. © dpa
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Der Verzicht auf Wolfsburg-Talent Ridle Baku im Kader der deutschen A-Nationalmannschaft stößt bei Lothar Matthäus auf Skepsis. VfL-Sportdirektor Marcel schäfer freut sich, dass der U21-Europameister jetzt mal eine Pause bekommt.

Nach dem EM-Triumph mit der U21-Nationalelf hatte VfLer Ridle Baku gesagt, dass er heiß auf Olympia-Gold ist. Dass der ehrgeizige Flügelspieler des Wolfsburger Fußball-Bundesligisten so denkt, kann Marcel Schäfer gut verstehen, zumal er als Profi nicht anders war. Für Schäfer gab es immer nur eines: Vollgas. Gleichwohl sei jetzt aber die Zeit, um mal abzuschalten, betont der VfL-Sportdirektor, der Baku nach dem EM-Titel "sofort gratuliert" hat. Auch Lothar Matthäus gefiel, wie Baku bei der EM aufspielte. Der Fußball-Weltmeister von 1990 kann nicht verstehen, warum Bundestrainer Jogi Löw auf den VfLer bei der EM verzichtet.

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Baku denkt schon ans nächste Turnier... "Für den Fußball würde ich meinen Urlaub auch opfern. Wenn ich jetzt direkt ins nächste Turnier gehen müsste, würde ich das auf jeden Fall machen", hatte der Flügelflitzer bei Sky gesagt. Schäfer mag derlei Aussagen, er weiß jedoch auch, dass es für Baku nun gut ist, wenn er nach einer intensiven Saison mit dem VfL und der gerade absolvierten U21-EM zur Ruhe kommt. "Wenn man ihn fragt, würde er noch weiterspielen. Aber ich glaube, dass Ridle jetzt mal eine Pause braucht, um die Seele baumeln zu lassen und sich zu erholen", so der VfL-Sportdirektor. "Es war ein eine intensive Saison. Und es dauert nicht lange, dann startet die Saisonvorbereitung und es warten neue Herausforderungen auf ihn."

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Der VfL steht vor einer Saison mit Bundesliga, Pokal und dem Highlight Champions League, in der er einen Baku im Top-Zustand benötigt. Und so ist es nicht sicher, ob sich Baku am Ende den Traum von Olympia in Tokio erfüllen kann, zumal das olympische Fußball-Turnier (22. Juli bis 7. August) in der VfL-Vorbereitung auf die neue Saison liegt. Und möglicherweise würde Baku, je nachdem, wie weit das deutsche Team in Tokio käme, dann auch im ersten Pflichtspiel der neuen Saison Anfang August im Pokal fehlen.

Baku hatte sich nach seiner tollen VfL-Saison und seinem Nationalelf-Debüt Ende des vergangenen Jahres auch Hoffnungen gemacht, mit der A-Nationalmannschaft zur EM reisen zu dürfen, aber Löw verzichtete auf den Ex-Mainzer, worüber TV-Experten und Ex-Profis den Kopf schüttelten. Sky-Experter Didi Hamann hatte nach Bekanntgabe des deutschen EM-Kaders ordentlich Kritik geübt. Deutschlands Rekord-Nationalspieler Lothar Matthäus hat das in seiner Sport-Bild-Kolumne nun auch gemacht. "Mir persönlich ist es ein Rätsel, warum Baku im Kader von Jogi Löw keine Berücksichtigung gefunden hat", so Matthäus. "Er hat eine hervorragende Saison hinter sich, bringt Schnelligkeit und Dynamik mit, ist zudem flexibel einsetzbar. In meinem Kader wäre Baku auf jeden Fall dabei gewesen, stattdessen fuhr er zur U21-EM."

Dort war der Ex-Mainzer ein wichtiger Baustein in der Mannschaft von Stefan Kuntz - und mit seinem Offensivdrang stets ein Gefahrenherd auf einer Position, die in der A-Nationalelf schon seit längerem zur Problemzone gehört. Baku war im vergangenen Oktober von seinem Jugendklub aus Mainz 05 nach Wolfsburg gewechselt und hatte beim Tabellenvierten der abgeschlossenen Bundesliga-Saison in 35 Spielen sechs Tore geschossen sowie acht weitere vorbereitet. Statt mit dem DFB-Team bei der EM anzutreten, hofft der 23-Jährige nun auf eine Berufung in den deutschen Olympia-Kader.

Philipp-Wechsel rückt näher

Das Tauziehen um Maximilian Philipp dürfte bald ein Ende haben. Bis zum Saisonende ist der Spielmacher noch von Dinamo Moskau an den VfL ausgeliehen, doch die Wolfsburger würden den Offensivmann gern fest verpflichten. In den kommenden Tagen könnten die Wolfsburger den Wechsel des 27-Jährigen nach AZ/WAZ-Infos bekannt geben.


Der VfL hatte die Kauf-Klausel für Philipp nicht gezogen, um statt 11 Millionen Euro deutlich weniger Ablöse zu zahlen. Die Moskauer spielen offenbar mit, für etwa 7 Millionen Euro kann der Profi beim VfL bleiben. „Wir brauchen vielleicht noch ein bisschen Zeit“, hatte Manager Jörg Schmadtke jüngst gesagt, „aber es sieht gut aus.“ Nun steht eine Einigung an.

Wie unter anderem die russische Tageszeitung „Sport-Express“ berichtet, soll der VfL zudem Interesse an Jordan Larsson von Spartak Moskau und sich bereits mit einem Angebot an dessen Berater gewandt haben. Doch dem ist nach AZ/WAZ-Infos nicht so. Zwar sei der 23-Jährige (Marktwert 15 Millionen Euro) interessant, ist aber in erster Linie auf derselben Position wie Philipp zu Hause und daher keine Top-Option.