13. Februar 2020 / 16:17 Uhr

Vortrag von Kickbox-Weltmeister: Güney Artak soll TSV Kleinburgwedel sensibilisieren

Vortrag von Kickbox-Weltmeister: Güney Artak soll TSV Kleinburgwedel sensibilisieren

Christoph Hage
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Schiedsrichter für Problemspiele: Güney Artak (2.von links) berät Kleinburgwedel in Sachen Fairness.
Schiedsrichter für Problemspiele: Güney Artak (2.von links) berät Kleinburgwedel in Sachen Fairness. © Michael Plümer
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Der TSV Kleinburgwedel belegt den Vorletzten Platz im VGH-Fairness-Cup und hat 31 Gelbe Karten vorzuzeigen, das will Trainer Budisa jetzt ändern. Ein Vortrag von Kickbox-Weltmeister und Schiedsrichter bei Problemspielen Güney Artak soll die Spieler nun sensibilisieren.

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Sonntag, 13 Uhr, Trainingsauftakt am Hornweg. Erst wird geschwitzt, anschließend rauchen die Köpfe. Die Kicker des TSV Kleinburgwedel sind als Spitzenreiter der 1. Kreisklasse 1 in die Winterpause gegangen – allerdings auch als Vorletzter der Fairness-Wertung ihrer Staffel. Ihre Liga wird beim VGH-Fairness-Cup zwar nicht erfasst, der geht nur bis zur Kreisliga, mit ihrem Quotienten von 3,66 würden die Kleinburgwedeler hier jedoch weit im hinteren Feld landen.

Schon in der vorigen Saison, als die Burgwedeler aus der Kreisliga abstiegen, waren sie mit einem Quotienten von 4,4 Letzter in dieser Wertung. In den ersten 15 Partien dieser Spielzeit sammelte die Mannschaft von Trainer Aleksandar Budisa 33 Punkte, aber auch 31 Gelbe Karten, vier Platzverweise und ein Sportgerichtsurteil. Jetzt soll ein Umdenken stattfinden, die Spieler sollen für den Umgang mit den Unparteiischen sensibilisiert werden – beginnend mit einem Vortrag von einem der bekanntesten hannoverschen Schiedsrichter: Güney Artak.

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Beim TSV Kleinburgwedel soll ein Umdenken stattfinden

„Ich sehe das als Projekt, ich will mit dem Verein etwas aufbauen“, sagt Budisa. Dazu gehöre die Rückkehr in die Kreisliga und, viel wichtiger, ein anderes Image. Mitte November hatte der 36-Jährige das Traineramt von Cevdet Dönmez übernommen, der kurz nach dem Abbruch der Partie bei Friesen Hänigsen aufgehört hatte. In gegenseitigem Einverständnis, wie es so schön heißt. Auch vom Keeper, der am 31. Oktober für den Abbruch verantwortlich gewesen sein soll, trennten sich die Kleinburgwedeler. „Wir reden über einen Spieler, der heute nicht mehr dabei ist“, stellt Budisa klar, „und nicht über die ganze Mannschaft. Das sind alles faire, korrekte Jungs.“

Natürlich gebe es im Fußball Emotionen, sie gehören dazu, sagt Budisa. „Mein Job als Trainer ist es, dafür zu sorgen, dass sie nicht außer Kontrolle geraten. Ich bin derjenige, der eingreifen muss, wenn die Spieler überpacen.“ Der respektvolle Umgang miteinander sei keine Einbahnstraße, vor allem auf dem Fußballplatz nicht. „Der Schiedsrichter hat eine andere Messlatte“, sagt Budisa. „Über den Fehlpass des Spielers wird nicht so lange gesprochen wie über den Fehler des Schiedsrichters. Er ist alleine und hat mindestens 22 Mann gegen sich.“

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Schiedsrichter bei Problemspielen

Über Deniz Pamuk entstand vor diesem Hintergrund der Kontakt zu Güney Artak. Kleinburgwedels Spieler ist der Cousin des Kickbox-Weltmeisters im Schwergewicht von 2018, der als Schiedsrichter im Kreis vor allem Problemspiele leitet. Der Vortrag im Klubhaus am Hornweg dauerte knapp anderthalb Stunden und sei mehr ein Dialog gewesen, sagt Budisa.

„Das war eine Mischung aus dem, was passiert war, Aufarbeitung und was man besser machen kann. Ich hatte grundsätzlich einen sehr guten Eindruck von der Mannschaft“, berichtet Artak. Der 31-Jährige fragte die versammelten Spieler unter anderem: „Was seid ihr bereit zu ändern?“ Artak gab Tipps, wie die Amateurfußballer auf dem Platz mit ihren Emotionen umgehen können, berichtete von eigenen Erlebnissen und verglich die verschiedenen Sichtweisen der Fußballer, des Trainers, der Zuschauer und des Schiedsrichters miteinander.

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"Er hat die Sprache der Spieler gesprochen"

„Wie kann ich den Unparteiischen, der vielleicht voreingenommen nach Kleinburgwedel kommt, korrekt abholen und ihm zu verstehen geben, dass wir alle an einem fairem Spiel interessiert sind?“, fragt Artak. Auf die beiden TSV-Kapitäne Evrem Eser und Elvis Mputu dürfte in diesem Punkt in Zukunft eine Sonderrolle zukommen. „Sie sollen vor dem Spiel das Gespräch mit dem Schiedsrichter suchen und ihm zeigen, dass er nicht alleine ist“, erzählt Budisa.

„Es ging uns darum, die Jungs zu sensibilisieren, das Spiel durch die Augen eines Schiedsrichters zu sehen und so ein anderes Verständnis zu entwickeln“, sagt Budisa. Und wer käme da besser in Frage als der kickboxende Referee? „Er hat die Sprache der Spieler gesprochen“, sagt er. Am 15. März im ersten Pflichtauftritt des Jahres beim TSV Krähenwinkel/Kaltenweide III können die Kleinburgwedeler zeigen, ob sie auch die Sprache des Referees beherrschen.

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