18. April 2020 / 15:54 Uhr

Erfolgsstory auf Deutsch und Kurdisch: TuS Röddensen hofft auf Aufstieg zum 70-jährigen Jubiläum

Erfolgsstory auf Deutsch und Kurdisch: TuS Röddensen hofft auf Aufstieg zum 70-jährigen Jubiläum

Dirk Drews
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Die beschauliche Anlage des TuS Röddensen an der Bahnstrecke Lehrte-Celle - oben der 1. Vorsitzende Manfred Rust.
Die beschauliche Anlage des TuS Röddensen an der Bahnstrecke Lehrte-Celle - oben der 1. Vorsitzende Manfred Rust. © Michael Plümer / Nils Oehlschläger
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Der TuS Röddensen ist in diesem Jahr 70 Jahre alt geworden - die Party ist aber auf unbestimmte Zeit verschoben. Der 1. Vorsitzende Manfred Rust hofft, dass die starke Saison der ersten Mannschaft trotz der Corona-Pause mit dem Aufstieg belohnt wird. Neben der sportlichen Erfolgsgeschichte ist auch die integrative Leistung der Röddenser bemerkenswert.

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„Der Spielbetrieb kann nicht stattfinden“ – so steht es in großen Lettern auf einem Schild, das Manfred Rust zu Ostern am Vereinsheim des TuS Röddensen angebracht hat. Der 1. Vorsitzende des rührigen Sportvereins aus dem 250 Seelen-Dorf bedauert es, dass der Ball auf dem idyllisch gelegenen Sportplatz – direkt an der Bahnlinie Lehrte-Celle gelegen – nicht rollen kann.

Dabei hätte es in diesem Jahr doppelten Grund zum Feiern gegeben: Der 1950 gegründete TuS ist 70 Jahre alt geworden und passend zum Geburtstag winken Meisterschaft und Aufstieg.

Makellose Bilanz: Spitzenreiter in der 4. Kreisklasse

Doch nicht nur dem FC Liverpool, der souverän in England in der Premiere League Platz eins belegt und nach etlichen Jahren vor dem Titelgewinn steht, auch dem in der tiefsten Klasse kickenden TuS Röddensen könnte der Coronavirus einen Strich durch die Meisterschaftsrechnung machen.

"Wenn die Saison annulliert werden würde, wäre das schlimm für uns"

„Es wäre schön, wenn wir im Sommer das 70-jährige Bestehen und zugleich den Aufstieg in die 3. Kreisklasse feiern könnten. Im Moment ist allerdings nichts geplant. Wir warten die Entwicklung ab und hoffen, dass der NFV die richtigen Entscheidungen trifft“, sagte Manfred Rust, der hinzufügt: „Wenn die Saison aufgrund der Corona-Pandemie annulliert werden würde, fände ich das schlimm für uns.“

In der Tat. Denn der TuS Röddensen, der die makellose Bilanz mit 12 Siegen in 12 Spielen aufweist, im Schnitt mehr als ein halbes Dutzend Tore erzielte und ein tolles Torverhältnis von 76:10 besitzt, steht mit eineinhalb Beinen vor dem Titelgewinn in der 4. Kreisklasse, Staffel 6. Das von Mustafa Duran gecoachte Team um Torjäger Adnan Khery Saleem Aldanany (16 Treffer), den ehemaligen türkischen Zweitligaspieler Bisar Duran und Rusts Sohn Jan Tolle als Abwehrchef distanziert den ersten Verfolger MTV RW Eltze gleich um elf Punkte.

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Harte Landung: Sarstedts Torschütze zum 3:1, Christian Schäfer, prallt hart auf den Boden.  ©

Großer Anteil an jesidischen Spielern

„Wir haben eine sehr gute Mannschaft, in die zu Saisonbeginn viele jesidische Spieler des Azadi-Vereins in Lehrte integriert wurden“, betont Rust. Tahsin Ipek, geistliches Oberhaupt des Azadi-Lehrte e.V., einem demokratischen Gesellschaftszentrum für Kurdinnen und Kurden in Lehrte, fungiert auch als 2. Vorsitzender des TuS. „Wir haben uns gesucht und gefunden, Tahsin ist als Stellvertreter auch meine rechte Hand“, sagt Rust, der selbst als „Mädchen für alles“ aber noch unersetzlich ist.

Seit nunmehr 30 Jahren führt er die Geschicke des kleinen Klubs, der auch überregional bekannt wurde. „Wir waren der erste Verein in Deutschland, der eine Flüchtlingsmannschaft zum Spielbetrieb angemeldet hatte. Das Projekt mit dem so genannten Mandela-Team ging 2014 und 2015 bei uns über die Bühne“, sagt der 65-Jährige.

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Spielfeld soll in der Pause planiert werden

Rust, der selbst noch bei der Ü40 des TuS gegen das runde Leder tritt, als Abwehrspieler keinem Zweikampf aus dem Wege geht und einst wegen seines furchtlosen Einsatzes auch „Kamikaze-Rusti“ genannt wurde, kann während der Spiel-Zwangspause erst einmal andere wichtige Aufgaben ins Visier nehmen. „Wir haben noch viel vor. Nach der Installation von LED-Flutlichtmasten muss der Sportplatz jetzt weiter renoviert werden. Eine totale Planierung des Spielfeldes ist nötig“, unterstreicht der Klubvorsitzende.

Ein größeres Ballfangnetz für den direkt an die Bahnlinie angrenzenden kleinen Platz sei jedoch nicht eingeplant. So wird auch künftig das runde Spielgerät - wenn denn TuS Röddensen vielleicht sogar als Meister und Aufsteiger in der 3. Kreisklasse zum Einsatz kommen sollte - wieder einmal auf einem vorbeifahrenden Güterzug Richtung Hamburg landen. Aber zurzeit ruht wegen des Coronas-Virus ja erst einmal der Spielbetrieb.