30. April 2018 / 15:52 Uhr

Erfurter und Chemnitzer Misswirtschaft bedroht Regional- und Oberligisten

Erfurter und Chemnitzer Misswirtschaft bedroht Regional- und Oberligisten

Matthias Puppe, LVZ.de
Leipziger Volkszeitung
Fans der BSG Chemie Leipzig im Alfred-Kunze-Sportpark.
Fans der BSG Chemie Leipzig im Alfred-Kunze-Sportpark. © Sportbuzzer-Archiv
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Die Schuldenberge in der Dritten Liga haben auch Auswirkungen auf die Abstiegsregeln der Ligen darunter.

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Acht Punkte Vorsprung auf einen regulären Abstiegsplatz und dennoch akut abstiegbedroht: Für Chemie Leipzig gerät die Premierensaison in der Fußball-Regionalliga immer mehr zur Farce. Weil sowohl Rot-Weiß Erfurt als auch der Chemnitzer FC angesichts horrender Schuldenberge in der dritten Liga Insolvenz angemeldet haben, müssen die Leutzscher eine Klasse tiefer auch um den Klassenerhalt fürchten – trotz erkämpftem Punktepolster nach unten. Und nicht nur Chemie bangt: Die Misswirtschaft der beiden Ost-Traditionsclubs wird sich letztlich sogar bis in die Oberliga durchschlagen und auch dort noch unbeteiligte Dritte den Klassenerhalt kosten.

Nach ihrem Insolvenzantrag werden Erfurt und Chemnitz in Liga drei neun Punkte abgezogen und die beiden Clubs stehen damit als Absteiger fest, sollen laut Nordostdeutschem Fußballverband (NOFV) künftig in der Regionalliga eingeordnet werden. Dort ist für zwei Absteiger aus dem Osten allerdings nicht genug Platz, weshalb andere Regionalligisten für die beiden Verschuldeten weichen müssten. Die Abstiegszone wird kurzerhand um mindestens einen, vielleicht sogar auf zwei Absteiger ausgeweitet – je nachdem ob Spitzenreiter Cottbus seine Relegationsspiele gewinnt. Zusätzliche Regionalliga-Absteiger hätte dann nicht zuletzt auch Auswirkungen auf die Oberliga darunter, aus der statt der üblichen drei letzten Teams sogar vier in die Landesligen abstürzen würden.

Chemnitzer FC
Der Chemnitzer FC hat Insolvenz angemeldet. Foto: Thomas Eisenhuth © Sportbuzzer-Archiv
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Grundsätzliche Ungerechtigkeit

Nicht nur bei Chemie sorgt das aktuell für Argwohn. „Das ist doch unfassbar! Teams wie Erfurt oder Chemnitz verbrennen Gelder und gehen einfach in die Insolvenz. Und wegen denen, die nicht mit dem Geld haushalten können, müssen andere Vereine wie wohlmöglich Chemie Leipzig zwangsabsteigen“, schrieb Mehmet Ali Han, Ehrenpräsident des Berliner AK am Wochenende. Han mutmaßt, Erfurt und Chemnitz wöllten sich ihrer Schuldenberge einfach durch die Insolvenz entledigen und in der Regionalliga neu starten. Vereine wie Chemie Leipzig, die im Gegensatz zu Chemnitz und Erfurt solide arbeiten und bei denen viele Ehrenamtliche einen großen Teil der Arbeit stemmen, hätten das Nachsehen, so Han weiter.

Mehr zur 3. Liga

Die Leutzscher selbst sehen sich nicht als Alleinbetroffener: „Wenn wir es nicht werden, erwischt es jemand anderes. Es geht hier um die grundsätzliche Ungerechtigkeit, dass Vereine, die in ihrer übergroßen Mehrheit mit viel Engagement, ehrenamtlicher Arbeit und kleinem Etat vernünftig und mit Augenmaß wirtschaften, massiv angeschissen werden“, sagte Vereinssprecher Jörg Augsburg am Montag gegenüber LVZ.de. Zudem werde durch die Eingliederung von Chemnitz und Erfurt auch das bestehende Gefüge in der Regionalliga gefährdet: „Da verbrennt jemand Millionen, stürzt damit andere in den Abstieg und stellt sich gleichzeitig einem Aufstieg von bisher chancenreichen Vereinen mit dann neuem – vermutlich wieder – Millionen-Etat in den Weg. Das lässt einen zu Recht am Sinn der derzeitigen Regelungen zweifeln“, so Augsburg weiter.

Der Verband müsse mindestens eine Auffanglösung entwickeln, die allen Vereinen in der Liga Planungssicherheit geben – und nicht erst im Juni, wenn die Insolvenzverfahren in Chemnitz und Erfurt Konturen annehmen. „Da wäre die eventuelle Aufstockung, wie schon von unserem Trainer Dietmar Demuth vorgeschlagen, eine praktikable und sehr einleuchtende Möglichkeit“, so Augsburg weiter.

Aufstockung der Regionalliga gefordert

Bisher finden die Betroffenen beim Nordostdeutschen Fußballverband (NOFV) aber wohl kein Gehör. Auf der Präsidiumstagung des NOFV Mitte April wurde der Abstiegsfall bereits besprochen und den Regionalligisten in der Folge mitgeteilt, dass es keine Ligaaufstockung geben werde. Der Verband erinnerte auch daran, dass bei Insolvenzen von Vereinen der Erhalt vor einer Zerschlagung stehe – auch unabhängig davon, ob sich die insolventen Vereine zuvor Wettbewerbsvorteile verschaffen wollten, die eigentlich gar nicht finanzierbar gewesen waren.

Mehr zur Regionalliga Nordost

In der Regionalliga stehen Luckenwalde und Neustrelitz auf den Plätzen 17 und 18 praktisch als Absteiger fest. Durch die Insolvenzen in Chemnitz und Erfurt müssen dort nun neben Chemie Leipzig auch Altglienicke und Budissa Bautzen noch um den Absturz fürchten. In der Oberliga Süd sind Merseburg und Kamenz bereits abgestiegen. Den regulär dritten als auch möglichen vierten Abstiegsplatz versuchen aktuell noch Stendal, Krieschow, Gera, Sandersdorf, Schott Jena und der VfL Halle zu vermeiden.

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