06. Februar 2019 / 00:43 Uhr

BVB-Debüt zwischen Genie und Wahnsinn: Eric Oelschlägel wird zur tragischen Figur

BVB-Debüt zwischen Genie und Wahnsinn: Eric Oelschlägel wird zur tragischen Figur

Sönke Gorgos
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Spitzenparaden und ein krasser Patzer: Eric Oelschlägel wurde beim BVB zur tragischen Figur der DFB-Pokal-Niederlage gegen Werder Bremen.
Spitzenparaden und ein krasser Patzer: Eric Oelschlägel wurde beim BVB zur tragischen Figur der DFB-Pokal-Niederlage gegen Werder Bremen. © imago/Jan Huebner/Kirchner-Media
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Nur wenige Stunden vor dem DFB-Pokal-Krimi gegen Werder Bremen erfuhr der Ex-Bremer Eric Oelschlägel, dass er im Tor von Borussia Dortmund stehen wird. Der BVB-Torwart, eigentlich nur dritte Wahl, erlebte einen Pokalabend mit Licht und Schatten - der am Ende in einer Enttäuschung endete.

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Irgendwie war ja klar, dass er am Ende der entscheidende Mann sein würde - für Sieg oder Niederlage. Nur wenige Stunden vor dem Spiel erfuhr Eric Oelschlägel, dass er beim DFB-Pokal-Achtelfinale von Borussia Dortmund gegen Werder Bremen zum ersten Mal überhaupt das Tor des BVB hüten würde. Zuvor hatten sich Roman Bürki und Marwin Hitz krank abgemeldet. Also musste Oelschlägel ran - der eigentlich in einem Test des BVB II gegen Preußen Münster spielen sollte. Für den 23-Jährigen war diese unendlich bittere 5:7 (3:3, 1:1)-Niederlage nach Verlängerung in vielerlei Hinsicht ein besonderes Spiel.

Es ging nicht nur gegen seinen Ex-Klub (2012 bis 2016), Oelschlägel feierte auch sein Profidebüt für den BVB. Die Partie wurde für den jungen Torwart, der sonst in Regionalliga West zum Einsatz kommt, nicht nur deshalb zu einer emotionalen Achterbahnfahrt: Er parierte mehrfach stark und rettete Dortmund gegen Kruse und Klaasen mit überragenden Rettungsaktionen vor Gegentoren - um dann im entscheidenden Moment doch zu patzen und Werder in der Schlussminute das Elfmeterschießen zu ermöglichen. Da war er dann (auch wegen mangelnder Routine?) chancenlos. "Klar ist die Enttäuschung da, der Ausgang des Spiels ist natürlich ärgerlich", sagte der Schlussmann in der ARD.

BVB in Noten: Die Einzelkritik zum Pokal-Krimi gegen Werder Bremen

Borussia Dortmund ist raus: Der BVB unterlag im DFB-Pokal-Achtelfinale nach einem irren Spiel im Elfmeterschießen gegen Werder Bremen. Der <b>SPORT</b>BUZZER zeigt, welche Spieler gut in Form waren - und wer nicht. Zur Galerie
Borussia Dortmund ist raus: Der BVB unterlag im DFB-Pokal-Achtelfinale nach einem irren Spiel im Elfmeterschießen gegen Werder Bremen. Der SPORTBUZZER zeigt, welche Spieler gut in Form waren - und wer nicht. ©
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BVB-Trainer Favre über Oelschlägel: "Es war nicht einfach für ihn"

Sein unerfahrener Schlussmann habe seine Sache "ganz okay" gemacht, sagte Trainer Lucien Favre. In Klammern: Mehr aber auch nicht? Der Schweizer kurz: "Es war nicht einfach für ihn." Minuspunkt: Im Gegensatz zu seinem ehemaligen Mitspieler Jiri Pavlenka war er im Elfmeterschießen gar kein Faktor. Vielleicht war dann doch alles ein bisschen viel - Einsatz, starke Paraden und der Patzer in der letzten Szene. Oelschlägel: „Es war recht emotional. Klar ist ein Traum in Erfüllung gegangen ein Stück. Kurz nach dem Spiel ist die Enttäuschung da, aber es wird später sicher die Freude über den Einsatz überwiegen.“

Wer ist Oelschlägel eigentlich? Der talentierte Torwart wurde im September 1995 in Hoyerswerda im Freistaat Sachsen geboren und begann seine Karriere im Alter von fünf Jahren bei Dynamo Dresden, wo er bis 2012 ausgebildet wurde. Wie viele Torhüter war er in der Jugend teilweise auch als Feldspieler im Einsatz. "Da habe ich sogar mal ein Tor geschossen", erklärte der 23-Jährige in einem Interview von torwart.de. Aber Tore verhindern war Oelschlägel wichtiger - also blieb es bei gelegentlichen Ausflügen ins Feld.

Eric Oelschlägel spielte sechs Jahre bei Werder - und kassierte ein Gegentor aus 80 Metern

Im Sommer 2012 verließ er Sachsen und wechselte zu Werder Bremen, wo er unter anderem von Ex-SVW-Torwart Christian Vander trainiert wurde. Unfreiwillige Schlagzeilen machte er als U23-Keeper der Bremer im April 2018, als er von Jena-Torwart Jo Coppens düpiert wurde und ein Gegentor aus 80 Metern Entfernung kassierte - der peinlichste Moment seiner Profikarriere. "Ich habe die Situation einfach falsch eingeschätzt", bekannte Oelschlägel. "Der Platz wurde gewässert und hat daher einen anderen Effekt auf den Ball gehabt. Aber auch solche Situationen gehören dazu."

Eric Oelschlägel gewann 2016 mit Deutschland Olympia-Silber

Oelschlägel hat mit 1,93 Meter Gardemaß und gilt als großes Torwart-Talent. 2016 schaffte er es als Drittliga-Torwart in den deutschen Olympia-Kader und kämpfte in Rio de Janeiro an der Seite von etablierten Bundesliga-Stars wie den Bender-Zwillingen Sven und Lars, Julian Brandt, Niklas Süle oder Serge Gnabry um Olympia-Gold. Zum Einsatz kam er nicht - Kölns Torwart Timo Horn war als Nummer 1 gesetzt. "Das war schon mein Highlight in meiner Karriere, Olympia als Sportler erleben zu dürfen, ist etwas Einzigartiges", sagte Oelschlägel dennoch. Am Ende gewann er nach packenden Finale gegen Brasilien (mit Superstar Neymar) die Silber-Medaille.

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2018 wechselte der 23-Jährige zum BVB, nachdem er 67 Mal für Werders Reserve in der 3. Liga zum Einsatz gekommen war. "Es ist ein neues Kapitel für mich und ein toller Verein", sagte Oelschlägel zum Start. "Ich möchte viel lernen, mich aber auch durch meine Leistungen anbieten." Beim BVB ist er dritter Torwart hinter den Schweizern Roman Bürki und Marwin Hitz. Zwei Mal stand er bereits im Bundesliga-Kader des BVB. Im Topspiel gegen den FC Bayern, das Bürki verletzt verpasste und gegen Mainz 05, als Hitz wegen Schulterproblemen nicht zum Einsatz kam.

BVB-Torwart Eric Oelschlägel: Das sind seine Stärken

Was sind die Stärken von Eric Oelschlägel? Das sagt er selbst: "Auf der Linie und Eins-Gegen-Eins sowie Reflexe aus naher Distanz." In Bremen habe er sich zudem viel bei Torwart-Legende Jaroslav Drobny (früher beim VfL Bochum und HSV, jetzt in Düsseldorf) und Werder-Stammtorwart Jiri Pavlenka abgeschaut. Von Drobny hat er die Ruhe in schwierigen Situationen gelernt. Pavlenka, der am Dienstagabend sein Gegner im DFB-Pokal war und am Ende das bessere Ende für sich hatte, lobt er bei torwart.de über den grünen Klee: "Er hat (neben seiner fußballerischen Stärke, d. Red.) eine überragende Reaktion und ist super im Eins-Gegen-Eins."

Internationale Pressestimmen zur BVB-Pleite gegen Werder Bremen

Die internationalen Pressestimmen zum unglaublichen Sieg von Werder Bremen im DFB-Pokal gegen Borussia Dortmund im Überblick. Das schreibt die internationale Presse. Zur Galerie
Die internationalen Pressestimmen zum unglaublichen Sieg von Werder Bremen im DFB-Pokal gegen Borussia Dortmund im Überblick. Das schreibt die internationale Presse. ©
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