11. Mai 2019 / 08:59 Uhr

Erich Rutemöller im Interview über das Trainer-Geschäft: "Der Druck steigt schneller"

Erich Rutemöller im Interview über das Trainer-Geschäft: "Der Druck steigt schneller"

Roman Gerth
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Erich Rutemöller ist aktuell Sportvorstand bei Fortuna Düsseldorf. Im SPORTBUZZER-Interview spricht er über die neuen Anforderungen an Trainer.
Erich Rutemöller ist aktuell Sportvorstand bei Fortuna Düsseldorf. Im SPORTBUZZER-Interview spricht er über die neuen Anforderungen an Trainer. © imago images/Jan Huebner
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Der ehemalige Bundesliga-Profi, Trainer und DFB-Trainerausbilder Erich Rutemöller im SPORTBUZZER-Interview über die neuen Anforderungen an Profitrainer, den Umgang mit den Trainern bei Krisen und den daraus resultierenden Druck.

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Herr Rutemöller, das Trainerbild befindet sich im steten Wandel. Welche sind die zentralen Aufgaben eines Fußballlehrers in der heutigen Zeit?

Im Profifußball sind die Ansprüche an den Trainer sehr vielfältig. Sie müssen nicht nur Wissen besitzen, sondern vielmehr die Kompetenz haben, dieses transferieren und sehr gut vermitteln zu können. Und sie brauchen eine ausgeprägte Führungskompetenz. Das gilt nicht nur im Umgang mit den Spielern. Es ist eben auch wichtig, sich einen guten Trainerstab aufzubauen, denn Trainer sind heute keine Alleinunterhalter mehr. Die Fachleute sind in ihren Gebieten besser als der Chefcoach selbst, aber er muss die Leitung haben und die Entscheidungen treffen.

Wie wichtig ist in diesem Konstrukt die Fähigkeit eines Trainers, als Psychologe auftreten zu können?

Das spielt natürlich eine wichtige Rolle. Die tägliche Arbeit wird teilweise von Co-Trainern, Athletiktrainern, Torwarttrainern und anderen Experten gestaltet, während der Chef beobachtet und das Verbesserungspotenzial registriert. Dazu gehört auch, den großen Kader aus 25 bis 30 Spielern – alles unterschiedliche Typen aus mehreren Nationen – immer bei Laune zu halten. Daher ist es natürlich wichtig, immer ein Ohr an der Mannschaft und den einzelnen Charakteren zu haben.

Das sind die ältesten Trainer der Bundesliga-Geschichte

Fred Schulz ist bis heute der älteste Bundesliga-Trainer. Er war bis zum 29. April 1978 bei Werder Bremen tätig und bei seinem letzten Bundesligaspiel 74 Jahre und 184 Tage alt. Zur Galerie
Fred Schulz ist bis heute der älteste Bundesliga-Trainer. Er war bis zum 29. April 1978 bei Werder Bremen tätig und bei seinem letzten Bundesligaspiel 74 Jahre und 184 Tage alt. ©
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Arbeiten junge Trainer anders? Rutemöller: "Sie sind bestrebt, ihren eigenen Stil zu entwickeln"

Schlägt sich das auch in der Ausbildung der Fußballlehrer nieder?

Die Ausbildung im technisch-taktischen Bereich bleibt wichtig. Aber es ist so, dass dort das Potenzial schon sehr ausgereizt ist. Daher müssen mehr Fähigkeiten geschult werden, die Motivation, Willenskraft oder Willensausdauer betreffen. Das wird durchaus berücksichtigt.

Arbeiten junge Trainer wie Julian Nagelsmann oder Niko Kovac anders als ihre älteren Kollegen?

Bei den Trainern der neueren Generation geht es viel um Neugierde und Wissbegierde. Sie wollen selbst dazulernen, sich viele unterschiedliche Trainingsmethoden anschauen und daraus neue Möglichkeiten für sich ableiten. Sie sind bestrebt, ihren eigenen Stil zu entwickeln und diesen auf ihre Mannschaft zu übertragen.

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Rutemöller: "Nach zwei Niederlagen werden keine Spiele mehr analysiert, sondern es wird nur noch gefragt, ob der Trainer bleibt"

Es scheint zunehmend wichtiger zu werden, dass die Trainer auch Medienprofis sind. Teilen Sie diese Annahme?

Die Trainerausbildung beinhaltet unter anderem ein Rhetorikseminar. Dort kommen Experten aus allen Mediengattungen mit den Kursteilnehmern zusammen, um auf verschiedene Arten das Verhalten in den Medien zu proben. Es geht dabei unter anderem um den Umgang als Neuankömmling in einer Mannschaft und um das Verhalten nach Niederlagen oder in sportlichen Krisen.

Die durchschnittliche Amtszeit eines Bundesliga-Trainers beträgt heute 18 Monate, 2009 waren es noch knapp mehr als zwei Jahre. Immer mehr Coaches beschweren sich über den Umgang mit ihnen, einige brechen genervt Interviews ab.

Ich glaube nicht, dass das eine gänzlich neue Entwicklung ist. Das hat es schon immer gegeben, wandelt sich aber dadurch, dass die gesamte Arbeit medial immer intensiver begleitet wird. Sicherlich steigt der Druck dadurch schneller. Nach zwei Niederlagen werden keine Spiele mehr analysiert, sondern es wird nur noch gefragt, ob der Trainer bleibt oder rausfliegt.

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