03. Februar 2021 / 10:48 Uhr

Er hätte am liebsten mit den Pferden gesprochen: Zum 100. Geburtstag von Leipzigs Galopp-Legende Siegel

Er hätte am liebsten mit den Pferden gesprochen: Zum 100. Geburtstag von Leipzigs Galopp-Legende Siegel

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Erich Siegel
Erich Siegel und Hans-Volkmar Gaitzsch (v.l.) vor der Kirchberger Erinnerungstafel für den Galopper. © Thomas Mayer
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Erich Siegel gehörte zu den unverzichtbaren Personen, die den Galopprennsport in der DDR populär machten. Der Fachmann hatte eine ganz besondere Beziehung zu den Vierbeinern. Am Mittwoch wäre die Galopp-Legende 100 Jahre alt geworden.

Leipzig. Vergangenes Jahr war Birkhahns 75. Geburtstag, am 3. Februar 2021 würde Erich Siegel 100. Der Vier- und der Zweibeiner gehören zusammen. Der Galopper Birkhahn war das, was man ein Wunderpferd nennt, in den Farben des Leipziger Antiquitätenhändlers Wieland gewann der dreijährige Hengst 1948 das Derby-West in Hamburg-Horn und das Derby-Ost in Hoppegarten. Nach seiner Rennlaufbahn bewährte sich Birkhahn als Deckhengst mit 280 direkten Nachkommen. Auf dem „Heldenfriedhof“ des Gestüts Schlenderhan erinnert noch heute ein Grabstein an den legendären Vererber.

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Ganz so unsterblich wurde Erich Siegel nicht. Die ostdeutsche Turfgemeinde vermisste diesen Fachmann aber schon, als er mit 89 Jahren in Leipzig gestorben war. Siegel gehörte zu den unverzichtbaren Personen, die den Galopprennsport in der DDR unter oft schwierigen Rahmenbedingungen förderten und populär machten.

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Jahrelang war er der sogenannte Handicapper, der für die Zusammenstellung der Rennen unverzichtbar ist, und er schrieb über seinen geliebten Rennsport für die hiesigen Zeitungen und fürs Fachblatt „Rennkurier“. Siegel war angesehen bei den Fachleuten, Trainer wie Jockeys schätzten sein Wissen, seinen Rat. Der viel zu früh verstorbene DDR-Spitzenjockey und spätere Trainer Martin Rölke sagte treffend: „Erich kannte sie alle. Er wusste Bescheid.“

Nie auf finanziellen Gewinn aus

Erich Siegel erlebte die Leipziger Rennbahn, als unter der Regentschaft des VEB Vollblutrennbahnen pro Jahr bis zu 30 Renntage stattfanden und zum 1. Mai vor auch schon mehr als 10.000 Besuchern der „Preis der Arbeit“ auf dem Programm stand. Jahrelang kommentierte Siegel die Rennen fachgemäß und wissend, wovon er sprach. Von seiner Wohnung im Leipziger Süden war es nicht weit ins Scheibenholz, wo er die Morgenarbeit der Rennpferde – es waren wirklich mal fast 100 – verfolgte und wichtige Hinweise für seine Tipps in den Zeitungen erhielt. Dass es in diesem Jahr nicht nur coronabedingt nicht mal eine Handvoll Renntage im Scheibenholz geplant sind, hätte Siegel nicht für möglich gehalten.

Er wusste wie die Pferde laufen und hätte am liebsten mit ihnen gesprochen. Verstanden hat er sie auch so. Im Jahr, als er 85 wurde, fand über sein „Wunderpferd“ anlässlich der Bad Harzburger Rennwoche sogar ein Turf-Symposium statt. Der Oldie hörte die Lobeshymnen auf den Galopper fast mit Tränen in den Augen: „Eine Ehrung für Birkhahn ist mir wichtiger als für mich.“

Als dann Professor Helmut Waibl von der Tierärztlichen Hochschule Hannover anhand des Birkhahn-Skeletts über die starke Nerven und den sehr guten Kreislauf des Galoppers referierte, meinte Siegel: „Vielleicht hat er ja viel gedacht, nur gesagt er es uns leider nicht.“ Auf finanziellen Gewinn war Siegel mit seiner Turf-Manie übrigens nie aus. Das lag daran, dass er sich vom Wettgeschäft nie verführen ließ: „Wetten ist gefährlich. Es gewinnen immer nur die Buchmacher.“


Thomas Mayer