25. Februar 2022 / 18:04 Uhr

Vom Wischer zum Spielverderber: Erik Röhrs erobert den Berliner Volleyball-Tempel

Vom Wischer zum Spielverderber: Erik Röhrs erobert den Berliner Volleyball-Tempel

Marius Böttcher
Märkische Allgemeine Zeitung
Am Mittwochabend fand Erik Röhrs selbst gegen den Berliner Zwei-Mann-Block immer wieder eine Lösung.
Am Mittwochabend fand Erik Röhrs selbst gegen den Berliner Zwei-Mann-Block immer wieder eine Lösung. © imago images/Andreas Gora
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Der 20-jährige Kyritzer fühlt sich bei dem SWD Powervolleys Düren mittlerweile sehr wohl - beim Auswärtssieg am Mittwoch in der Max-Schmeling-Halle bei den BR Volleys wurde er zum wertvollsten Spieler seines Teams gekürt.

Erik Röhrs kommt ins Grübeln. „Puh, das ist eine schwierige Frage“, gibt er zu. Er soll sich entscheiden – Berliner Max-Schmeling-Halle oder Arena Kreis Düren. „Wir hatten in Düren zuletzt keine volle Auslastung, sind unsere Fans aber zahlreich vor Ort und machen Stimmung, würde ich mich wohl für Düren entscheiden“, betont der Volleyballer, der seit dieser Saison für die SWD Powervolleys in der 1. Bundesliga auf der Platte steht. Erik Röhrs gibt aber zu: „Die Max-Schmeling-Halle ist schon eine Top-Halle, mit wenig zu vergleichen. Das macht auch was mit dir als Sportler, wenn du da unten stehst. Aber wir haben die Ränge ruhig halten können, es war recht leise.“

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Am Mittwochabend nämlich ließen die Gäste aus Nordrhein-Westfalen den Volleyball-Tempel unweit des Mauerparks weitgehend verstummen. Mit 3:1 (25:22, 25:22, 28:30, 25:17) siegte das Dürener Team von Trainer Rafał Murczkiewicz bei den Berlin Recycling Volleys. Mittendrin statt nur dabei: der gebürtige Kyritzer Erik Röhrs. Der 20-jährige Außenangreifer hatte einen großen Anteil daran, dass die Gäste drei Punkte aus der Hauptstadt entführen konnten. Dank krachender Aufschläge und einer „guten Leistung in allen Elementen“ holte sich Röhrs nach der Partie die goldene MVP-Medaille für den wertvollsten Spieler seiner Mannschaft ab: „Ich habe mich gefreut über diese Auszeichnung, war mit meinem eigenen Spiel aber nur bedingt zufrieden.“

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Diese Selbstkritik ist fast schon falsche Bescheidenheit – zeigt aber auch, dass der Mann mit der Rückennummer 6 immer Verbesserungspotenzial erkennt: „Ich bin kein Stammspieler, hatte anfangs kleinere Startschwierigkeiten, ohne dass ich in einem Leistungstief war. Nach vielen Jahren auf der Sportschule in Berlin, wo ich mich heimisch gefühlt habe, musste ich mich aber erst einmal an die neuen Gegebenheiten gewöhnen. Viele erwarten, dass ich mehr auf der Platte stehe.“ Nun, nach einem halben Jahr in Düren, spiele er laut eigener Aussage besser, trainiere er erfolgreicher und sammelt auch viel Spielzeit.

Erik Röhrs hat sich am Nordrand der Eifel gut eingelebt, wohnt mit Teamkollege Filip John in einer Wohngemeinschaft und innerhalb des Teams trifft man sich regelmäßig zum Kochen. „In Düren passt es, dieser positive Mix, von dem vorher gesprochen wurde, ist wirklich da. Die erfahrenen Jungs helfen jungen Spielern wie mir und wir geben unser Bestes und sind ambitioniert“, erklärt der 2,01-Meter-Mann, der in jenem Zusammenhang Björn Andrae hervorhebt. Den 40-Jährigen – vierfacher Volleyballer des Jahres, zweifacher Olympia-Teilnehmer und mit 280 Einsätzen in der Nationalmannschaft ausgestattet – bezeichnet Röhrs gar als Legende: „Er findet immer die richtigen Worte, ein toller Typ, ein Vorbild.“

Obwohl der U18-Europameister trotz seines jungen Alters selbst bereits viel erlebt hat, war die sportliche Premiere in der Schmeling-Halle besonders. „Die Anspannung war anders als sonst, mein Körper hat sich früh in den Spielmodus geschaltet. Ich war den ganzen Tag auf Strom“, verrät Röhrs, „früher war ich hin und wieder als Wischer bei Heimspielen der BR Volleys, später dann als Fan auf der Tribüne. Und plötzlich spielst du selbst gegen deine Idole.“ Die Anspannung wandelte er ab dem ersten Ballwechsel in positive Energie um, wurde zum Berliner Spielverderber und ließ damit zumindest einen kleinen Teil der Halle jubeln.

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Neben Mama Dörte, Papa Andreas, Opa Ulrich und Cousine Claudia drückten auch ehemalige Sportschulfreunde ihrem Erik von den Rängen aus die Daumen. Bruder Hannes, der mittlerweile selbst die Sportschule besucht und in die Fußstapfen des großen Bruders treten will, verfolgte die Partie dagegen aus dem Internat. „Er hat am nächsten Morgen eine Klausur geschrieben, das wäre zu spät geworden“, erklärt Erik Röhrs, der jüngst erst Besuch von Hannes erhielt: „Er war ein paar Tage bei mir, konnte das Training verfolgen und meine Kollegen kennenlernen.“


Entdecken durfte auch Erik Röhrs in den vergangenen Monaten so einiges – das Debüt in der deutschen A-Nationalmannschaft bei der Nations League in Rimini (Italien) oder Einsätze im internationalen CEV-Cup mit Düren (bei Galatasaray Istanbul in der Türkei) sind nur zwei Beispiele. Und erfolgreich will er auch in der nahen Zukunft sein, vielleicht sogar nach dem ganz großen Titel in der Bundesliga greifen: „Das Berlin-Spiel hat uns gut getan, jetzt fehlt uns gegen Frankfurt nur ein Punkt, um als Zweiter in die Playoffs zu gehen. Es wird davon gesprochen, dass Düren gegen Berlin das Traumfinale wäre, aber davon wollen wir nichts wissen, lieber von Spiel zu Spiel schauen“, betont Erik Röhrs. Der Kyritzer schiebt aber optimistisch nach: „Wir haben Selbstvertrauen getankt und wollen weiter konstant auftreten.“