12. September 2019 / 09:27 Uhr

Erik Schmidt nach seiner Beurlaubung: "Schiebock war fast schon ein Lebenswerk"

Erik Schmidt nach seiner Beurlaubung: "Schiebock war fast schon ein Lebenswerk"

Jürgen Schwarz
Dresdner Neueste Nachrichten
Ex-Trainer Erik Schmidt wurde beurlaubt.
Ex-Trainer Erik Schmidt wurde beurlaubt. © Steffen Manig
Anzeige

Nach dem Fehlstart in die neue Saison waren die Tage von Schmidt beim Bischofswerdaer FV gezählt. Im SPORTBUZZER-Interview blickt der Ex-Trainer auf seine Zeit bei den Schiebockern zurück.

Anzeige
Anzeige

Dresden. Erik Schmidt stand jahrelang für erfolgreichen Fußball beim Bischofswerdaer FV. Doch nach dem Fehlstart in die neue Saison musste der Trainer der Schiebocker gehen. Nach ein paar Tagen Abstand stand er Rede und Antwort.

Sie wurden während Ihres Urlaubs von der Beurlaubung informiert. Hatten Sie damit gerechnet?

Nein, wir hatten wenige Tage zuvor in Babelsberg 3:3 gespielt, dann zu Hause 0:2 gegen Fürstenwalde verloren. Zwei Tage später bekam ich die Information, dass ich beurlaubt sei. Bedenkt man, dass ich während meiner Trainerzeit pro Jahr immer nur eine Woche Urlaub gemacht habe, fand ich den Zeitpunkt nicht optimal.

Haben Sie selbst mal an Rücktritt gedacht?

Ja, erstmals 2013 und auch noch einmal in der Vorsaison. Hätten wir den Klassenerhalt nicht geschafft, wäre Schluss gewesen. Da war ich mir mit Co-Trainer Mirko Ledrich einig. Und hätten wir aktuell die nächsten beiden Punktspiele verloren, wäre der Schlussstrich durch uns als Trainerduo sicher auch gekommen.

Mehr zu Erik Schmidt

Angeblich hätte es Stimmen aus der Mannschaft gegeben. Dass die Chemie zwischen Spieler und Trainer nicht mehr stimmt. Was sagen Sie dazu?

Generell gibt es immer unzufriedene Spieler, auch bei erfolgreichen Mannschaften. Wir hatten erst kurz zuvor mit dem Mannschaftsrat zusammengesessen und haben uns angehört, was die Spieler gern anders haben wollen. Das waren alles keine schlimmen Sachen. Unser Ziel war es immer, die vielen jungen Spieler zu entwickeln. Und dazu gehört hartes und intensives Training. Natürlich macht man als Trainer auch Fehler und kommt nicht immer bestens gelaunt zum Training. Ich bin früh um sechs aus dem Haus auf Arbeit gegangen und abends 22 Uhr nach dem Training war ich wieder zu Hause. Ich war nun mal der einzige Regionalliga-Coach, der diese Tätigkeit als Nebenjob ausgeübt hat.

Der sportliche Fehlstart mit nur zwei Punkten aus sieben Spielen ist nicht von der Hand zu weisen. Haben Sie die falschen Spieler geholt?

Ich persönlich habe gar keine Spieler geholt, das war immer eine Entscheidung der sportlichen Leitung. Es gibt einen Etat und in diesem Bereich müssen wir handeln. Natürlich hätte ich gern einen Tony Schmidt oder Mateusz Ciapa aus Bautzen geholt. Aber das war finanziell einfach nicht möglich.

Vermissen Sie die Trainerbank schon oder ist es einfach nur schön, mehr Zeit für das kleine Töchterchen zu haben?

Ich genieße die Zeit mit der Familie schon, aber meine Gemütslage schwankt. Schiebock war fast schon ein Lebenswerk, da stecken mehr als sechs Jahre Herzblut und unglaublich viel Arbeit drin. Ich weiß noch genau, als ich das erste Mal von der Regionalliga sprach, haben mich alle ungläubig angeschaut und gemeint, die Oberliga wäre doch ausreichend.

Würden Sie noch einmal als Nachwuchstrainer arbeiten, vielleicht sogar für Dynamo Dresden?

Ja. Aber mein Vertrag mit dem Bischofswerdaer FV läuft noch bis Juni 2020, also muss ich nichts überstürzen. Erst einmal bin ich froh, dass ich einen festen Job habe und nicht in ein Loch falle.

Mehr zum BFV

Was bleibt nach mehr als sechs BFV-Jahren?

Viele schöne Erlebnisse. Wir sind zweimal aufgestiegen, haben 2019 den Klassenerhalt in der Regionalliga geschafft. Den bewerte ich noch höher, als den Viertliga-Aufstieg ein Jahr zuvor. Enttäuscht bin ich über das Ende und die Tatsache, dass sich seit meiner Beurlaubung niemand mehr vom Verein gemeldet hat - abgesehen von Mirko Ledrich, mit dem mich eine Freundschaft verbindet. Ich denke, die Tatsache, dass Mirko den Verein aus eigenen Stücken verlassen hat, ist für den BFV noch viel schmerzhafter. Er war eine Integrationsfigur, wie man sie nur ganz selten findet.

Interview: Jürgen Schwarz

ANZEIGE: 50% auf dein Spieler-Set! Der Deal des Monats im SPORTBUZZER-Shop.

Die aktuellen TOP-THEMEN
Anzeige
Sport aus Dresden
Sport aus aller Welt