04. November 2021 / 15:29 Uhr

"Erinnerte an Massentierhaltung": RB Leipzig entschuldigt sich bei Fans für Einlass-Probleme

"Erinnerte an Massentierhaltung": RB Leipzig entschuldigt sich bei Fans für Einlass-Probleme

Antje Henselin-Rudolph
Leipziger Volkszeitung
Hunderte Fans standen noch vor der Red-Bull-Arena, da lief die Partie zwischen RB und PSG bereits. Einige wussten sich zu helfen.
Hunderte Fans standen noch vor der Red-Bull-Arena, da lief die Partie zwischen RB und PSG bereits. Einige wussten sich zu helfen. © Thomas Lieb
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Im Amateurfußball wird schon mal mit dem Anpfiff gewartet, wenn am Einlass noch viele Fans stehen. In der Champions League ist das undenkbar. Deshalb erlebten Hunderte Teile der ersten Halbzeit zwischen RB Leipzig und Paris Saint-Germain auch lediglich akkustisch beim Warten vor den Stadiontoren. Der Frust bei den "Ausgesperrten" saß tief. Der Bundesligist reagiert mit einer Entschuldigung und ersten Maßnahmen.

Leipzig. Ein volles Stadion war im Vorfeld angekündigt worden. Kein Wunder: Schließlich empfing RB Leipzig am Mittwochabend die Superstar-Auswahl von Paris Saint-Germain (2:2) und die Verantwortlichen hatten die 2G-Option gezogen. Von einer vollen Red-Bull-Arena konnte beim Anpfiff um 21 Uhr aber keine Rede sein. Zahlreiche Plätze waren leer. Voll war es dagegen vor den Toren des Runds: Dort drängten sich die Fans dicht an dicht, ohne Corona gerechte Abstände und zum größten Teil ohne Masken, an den Einlässen. Vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklung der Corona-Pandemie waren das verstörende Bilder.

Teilweise eine Stunde Wartezeit

Als klar war, dass es Hunderte wohl nicht pünktlich auf ihre Plätze schaffen, ertönten Sprechchöre: "Wir wollen rein" und "Macht die Tore auf". Für die temporär Ausgesperrten besonders tragisch: RB legte eine klasse Anfangsphase hin, drückte die Franzosen minutenlang in deren eigene Hälfte. "Dass Leipzig da schon einen Elfmeter bekommen und André Silva den verschossen hat, habe ich erst mitbekommen, als ich heute Morgen die Zeitung aufgeschlagen habe", erzählte Ulrich Stein am Tag danach. Während Viele wie er geduldig verharrten, zückten andere ihre Handys, erlebten die 1:0-Führung durch Christopher Nkunku (7. Minute) und auch den tragischen Silva-Moment so via DAZN wenigstens auf einem Mini-Bildschirm. Erst rund eine halbe Stunde nach Anpfiff wirkte die Arena, abseits des nicht ausverkauften Pariser Blocks, schließlich wirklich voll.

So sah es unmittelbar vor Anpfiff in Teilen des Stadionrunds aus: reichlich freie Plätze.
So sah es unmittelbar vor Anpfiff in Teilen des Stadionrunds aus: reichlich freie Plätze. © Privat

In den sozialen Netzwerken entlud sich schon während der Partie und auch im Nachgang der Unmut der Anhängerinnen und Anhänger, die teilweise über eine Stunde am Einlass zubrachten, mit voller Wucht. "Statt live aus dem Stadion, berichte ich live aus der Schlange. T-1 min der Stresspegel steigt exponentiell mit dem Spielbeginn (und den Ansteckungen)", schrieb beispielsweise Justgroovy auf Twitter. "Da hat jemand den Kopf nur das es nich rein regnet", schimpfte Tomsen LE ebenfalls beim Kurznachrichtendienst. Patrick Klatte schrieb auf Facebook: "Es erinnerte an Massentierhaltung. Für was dort 2G sein soll, damit am Ende die Leute 30-45 min wild im Gedränge kuscheln?"

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Die RB-Verantwortlichen reagierten am Donnerstagmittag mit einer öffentlichen Erklärung, teilten zudem gegenüber dem SPORTBUZZER mit: "Wir möchten uns zunächst bei allen, die durch die erhöhte Wartezeit vor dem Einlass zu spät im Stadion waren, nachdrücklich entschuldigen." Bis 45 Minuten vor Spielbeginn sei alles reibungslos gelaufen. "Jedoch gab es ab 45 Minuten vor Anpfiff ein sehr intensives Zuschauer-Aufkommen an den Einlässen der Red-Bull-Arena, was eine Drucksituation auf die Drehkreuze und eine entsprechende Staubildung zur Folge hatte." Offenbar hatten zahlreiche Besucherinnen und Besucher den vorab durch den Club und den Fanverband mehrfach veröffentlichten Hinweis, doch bitte frühzeitig anzureisen, nicht ganz so ernst genommen.

Früherer Einlass und "Happy Hour"

Für die Verzögerungen sorgte nach Aussage einiger Fans auch die Tatsache, dass RB das Einlassprozedere ausgerechnet vor dieser Partie umgestellt hatte. Bis dato war es so, dass zunächst der Gesundheitsnachweis kontrolliert wurde, im Anschluss ein paar Meter weiter das Ticket. Am Mittwoch erfolgte beides gemeinsam. Das Problem hierbei: Wie vom Verein bevorzugt, liegen Eintrittskarte und der Impf- bzw. Genesenen-Nachweis elektronisch in zwei verschiedenen Handy-Apps vor. Nach Vorzeigen des Einen muss die andere gefunden und geöffnet werden. Da verrinnen Sekunden, die sich bei knapp 40.000 Zuschauerinnen und Zuschauern schnell stark summieren. Doch warum überhaupt die Änderung? Der Hintergrund sein gewesen, "durch den Scan von Ticket und Gesundheitsnachweis am gleichen Drehkreuz noch zuverlässiger die Impf- und Genesungsnachweise zu kontrollieren", hieß es seitens RB. Die jeweiligen Ablaufschritte sollen nun "optimiert" werden. Denn am Samstag wartet mit dem Bundesliga-Topspiel gegen Borussia Dortmund (18.30 Uhr, Sky), die nächste stark besuchte Partie unter 2G-Bedingungen.

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"Als eine von verschiedenen Maßnahmen haben wir bereits beschlossen, die Einlasszeit um 30 Minuten auf 16 Uhr nach vorne zu ziehen, um das Zuschauer-Aufkommen zu entzerren", teilten die Verantwortlichen mit Blick auf eben diese Veranstaltung mit. Für diejenigen, die frühzeitig eintreffen, wird es ein besonderes Angebot geben. "Von 16 bis 17 Uhr werden wir unseren Gästen eine ‚Happy Hour‘ an den Kiosken im Stadion anbieten." RB setzt damit neben möglichen Änderung beim Einlassprozedere auch weiterhin auf die aktive Mithilfe der Fans. "Wir appellieren weiterhin an alle, möglichst frühzeitig zum Stadion zu kommen. Eine Auslastung mit über 40.000 Zuschauern – darunter viele Besucherinnen und Besucher, die zum ersten Mal im Sonderspielbetrieb ins Stadion kommen; dem notwendigen 2G-Check am Einlass sowie die erschwerte Anreisesituation durch die vielen Baustellen im Stadtgebiet sind Herausforderungen, die es gemeinsam zu bewältigen gilt."