04. Oktober 2019 / 13:01 Uhr

Erinnerungen an den Heider SV: Als der VfL vor 65 Jahren in die höchste Liga aufstieg

Erinnerungen an den Heider SV: Als der VfL vor 65 Jahren in die höchste Liga aufstieg

Andreas Pahlmann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
vfl wolfsburg heider sv
VfL-Helden 1954: Alfred Heider schoss das entscheidende Wolfsburger Tor gegen den Heider SV, Helmut Bräutigam (kl. Bild) stand zwischen den Pfosten.
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Der VfL beim Heider SV – das Regionalliga-Spiel der Wolfsburger U23 am Samstag (14 Uhr) im Kreis Dithmarschen weckt Erinnerungen, zumindest bei denen, die ein gutes Gedächtnis oder ein gutes Archiv haben. Denn der Heider SV war der VfL-Gegner bei der allerersten ganz, ganz großen Sternstunde des Wolfsburger Fußballs.

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Pfingstsonntag, 6. Juni 1954. Im letzten Spiel der Aufstiegsrunde zur Oberliga, der damals höchsten Spielklasse, braucht der VfL einen Sieg gegen den Heider SV, um sich im Fernduell mit ASV Bremen 1860 durchzusetzen. 1:1 steht es eine Viertelstunde vor Schluss, als ausgerechnet Alfred Heider, der Mann mit dem passenden Nachnamen („Ich habe den Ball gar nicht richtig getroffen“), per Flachschuss den Siegtreffer erzielt. 6000 Wolfsburger feierten anschließend auf den Straßen den Aufstieg, im Hotel Steimker Berg trugen sich die Spieler, die fast alle bei VW als Maschinenbauer, Schweißer oder im Büro arbeiteten, ins Goldene Buch ein. Heider starb im Juni 2016, insgesamt leben nur noch drei der damaligen Aufstiegshelden.

"Was wir erreicht haben, wissen viele gar nicht mehr"

Einer davon ist Helmut Bräutigam, gebürtiger Vogtländer, der über Minden und Braunschweig zum VfL und zu VW gekommen und in Wolfsburg geblieben ist. „Was wir 1954 erreicht haben“, so der Torwart, „wissen viele gar nicht mehr – weil einfach eine Menge seitdem passiert ist. Der VfL von heute ist mit dem von damals nicht mehr zu vergleichen.“ Aber: „Die Begeisterung der Leute im Stadion und das, was danach in der Stadt los war, das war wirklich etwas Besonderes.“

Regionalliga: VfL Wolfsburg II gegen Lüneburger SK Hansa

Regionalliga: VfL Wolfsburg II (grüne Trikots) gegen Lüneburger SK Hansa 3:0. Zur Galerie
Regionalliga: VfL Wolfsburg II (grüne Trikots) gegen Lüneburger SK Hansa 3:0. ©
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Die Oberliga war damals die höchste deutsche Spielklasse, gespielt wurde in den Staffeln Nord, Süd, West, Südwest und Berlin. In Niedersachsen war die Amateurliga Niedersachsen die zweithöchste Liga, hier wurde der VfL mehrmals Meister der Oststaffel, scheiterte aber 1951 und 1952 jeweils in der Aufstiegsrunde – ehe 1954 gegen Heide, Vizemeister der Schleswig-Holstein-Landesliga, der große Wurf gelang. „Es hätte am Ende auch das Torverhältnis wichtig werden können, jeder Treffer war entscheidend“, so Bräutigam. Dass er, der zumeist im auffälligen roten Pulli spielte, nur fünf Gegentore zuließ, war ein wichtiger Baustein für den Triumph.

Manfred Müller hieß nur „HSV-Müller“

Und so spielten Bräutigam und der VfL ab 1954 in der höchsten Liga, die damals vom Hamburger SV beherrscht wurde. Dass es den Wolfsburger Neulingen im Oktober tatsächlich gelang, den großen HSV um Torjäger Uwe Seeler und Weltmeister Jupp Posipal am Elsterweg mit 1:0 zu besiegen, ist immer noch eine der größten Sensationen der Wolfsburger Fußball-Geschichte, Siegtorschütze Manfred Müller hieß seitdem überall in Wolfsburg nur „HSV-Müller“.

HeideSV
Aufsteiger in die Regionalliga: Der Heider SV ist seit dieser Saison wieder viertklassig. ©

Die Oberliga-Zeit endete 1959 mit dem Abstieg, erst 38 Jahre später sollte eine VfL-Mannschaft wieder erstklassig werden – durch den Aufstieg in die Bundesliga. Zwei Jahre nach dem VfL-Aufstieg landete auch der Heider SV („der kleine HSV“) für zwei Jahre in der Oberliga, zwischen 1968 und 1972 sahen sich die Dithmarscher und der VfL dann in der Regionalliga – der dann zweithöchsten Spielklasse – wieder. Seitdem spielte keine VfL-Herrenmannschaft mehr gegen die Heider, die in der Vorsaison Vierter der Verbandsliga Schleswig-Holstein wurden und dank des Verzichts des NTSV Strand 08, des TSB Flensburg und des SV Todesfelde aufsteigen konnten. Dass die Wolfsburger U23 am Samstag beim Wiedersehen klarer Favorit ist, ergibt sich aus der Tabelle – und aus der Historie. Denn von den insgesamt 13 Spielen gegen ein Team des VfL hat der Heider SV keines gewonnen.

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