02. März 2021 / 09:26 Uhr

Erinnerungen an Dynamo Dresdens Derby gegen Aue: Bilder wie aus längst vergangener Zeit

Erinnerungen an Dynamo Dresdens Derby gegen Aue: Bilder wie aus längst vergangener Zeit

Jochen Leimert
Dresdner Neueste Nachrichten
Abpfiff der Partie gegen Erzgebirge Aue am 8. März 2020 und Jubel bei den Dresdner Fans im Rudolf-Harbig-Stadion.
Als das Derby unter dem Jubel der Dresdner Fans abgepfiffen wurde, ahnte noch keiner der 30 753 Zuschauer, dass es bis heute das letzte Spiel vor vollen Rängen im Harbig-Stadion sein würde. © imago images/Dennis Hetzschold
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Am 8. März 2020 war das Harbig-Stadion beim Zweitliga-Sachsenderby Dynamo gegen Aue letztmals voll – das Coronavirus war auch schon da. Wann die Fans endlich wieder ins Stadion zurückkehren können, ist weiterhin unklar.

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Dresden. Es ist nun fast ein Jahr her, dass sich die Dresdner Fußball-Liebhaber das letzte Mal ungehemmt und in großer Zahl in die Arme fielen, ohne Maske jubelten und sich nach dem Spiel in den Kneipen der Stadt dicht an dicht zuprosteten. Nach dem spektakulären 2:1-Sieg im Sachsenderby gegen den Kumpelverein aus dem Erzgebirge war bei allen, die es mit Dynamo halten, die Zuversicht riesengroß, den Klassenerhalt in einer aus ihrer Sicht bis dahin ernüchternden Zweitliga-Saison noch zu packen. Bis auf die Auer Gäste im mit 30.753 Fußballverrückten pickepackevollen Harbig-Hexenkessel genossen am 8. März 2020 alle Derby-Feeling pur.

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Der Fallrückzieher vom Dresdner Patrick Schmidt landet im Tor der Auer, wodurch Dynamo 2:1 gewinnt.
Das Tor des Monats März in der ARD-Sportschau: Patrick Schmidt (M.) trifft per Rückfallzieher zum 2:1 für Dynamo. © imago images/Jan Huebner

Als der in der Winterpause aus Heidenheim ausgeliehene Patrick Schmidt Dynamo mit zwei Treffern (44./58.) die Partie drehte und mit dem zweiten per Fallrückzieher auch noch das Tor des Monats März erzielte, da ballte der vom Krebs längst schwer gezeichnete Kultreporter Gert Zimmermann ein letztes Mal in „seinem“ Stadion die Faust, ehe er im Juni starb. Um den ehemaligen Stadionsprecher herum flippten am Frauentag auch noch unzählige andere männliche Anhänger aus. Hygiene- und Abstandsregeln waren im Moment des Triumphes über die „Schachter“ kein Thema, die Freude musste raus, mit Hinz und Kunz im Block geteilt werden. Was im Vorfeld des Spieles an Empfehlungen seitens der Behörden und des Gastgebervereins ausgegeben worden war, beschäftigte bei den Jubel-Eruptionen kaum noch einen.

DURCHKLICKEN: Ein Blick auf vergangene Derbyduelle

8. Oktober 1999: Dynamo Dresden - FC Erzgebirge Aue 1:4, Goran Skeledzic (l.) mit Udo Tautenhahn im Zweikampf Zur Galerie
8. Oktober 1999: Dynamo Dresden - FC Erzgebirge Aue 1:4, Goran Skeledzic (l.) mit Udo Tautenhahn im Zweikampf ©

So richtig ernst wollte und konnte die Gefahr, die aus China, Italien oder aus dem Tiroler Hotspot Ischgl unsichtbar einsickerte, keiner nehmen. Die Leipziger Buchmesse war zwar nach dem ersten bekannten Infektionsfall in Sachsen schon abgesagt worden, doch in Dresden schätzte man das Ansteckungsrisiko noch als sehr gering ein. Dynamos damaliger Finanz-Geschäftsführer Michael Born, von Haus aus weder Viro- oder Epidemiologe, vertraute den Behörden und der Liga. Auf SPORTBUZZER-Anfrage am 2. März 2020 erklärte Born, dass das Derby gegen Aue nicht gefährdet sei.

Dresdens Marco Hartmann nach Abpfiff der Partie gegen Erzgebirge Aue bei den Fans der SG Dynamo Dresden.
Marco Hartmann (l.) und Chris Löwe klatschen die Fans ab - heute undenkbar. © imago images/Dennis Hetzschold

Born sagte damals: „Die Deutsche Fußball-Liga hat uns über die Hinweise aus dem Bundesgesundheitsministerium informiert. Wir stehen auch in Kontakt mit dem Dresdner Gesundheitsamt, haben mit der Abteilung Infektionsschutz telefoniert. Bis jetzt hat man uns keine Empfehlungen außer den allgemein üblichen zur Vermeidung von Infektionen wie gründliches Händewaschen gegeben.“ So fand der Sachsenknaller statt wie geplant.

Keine Fans mehr im Stadion

Anderswo dachte man ähnlich und ließ den Ball auch vor vollem Haus rollen: In München spielten die Bayern am gleichen Tag vor 75.000 Fans 2:0 gegen den FC Augsburg. In Old Trafford schlug ManU den Lokalrivalen ManCity vor 73.288 Zuschauern im Derby 2:0. Nur in Italien hatte man schon reagiert: Der Hit Juventus Turin gegen Inter Mailand (2:0) fand ohne Anhänger statt – wie erstmals auch alle anderen Spiele der Serie A.

Wie weit das Virus aber auch schon in Sachsen auf dem Vormarsch war, das zeigte sich erst nach dem Derby im Harbig-Stadion. Bei mindestens zwei Fans, die in der Arena an der Lennéstraße dabei waren, wurde eine Corona-Infektion festgestellt. Jetzt war alles anders. Aues Präsident Helge Leonhardt empfahl kurz darauf, die Meisterschaft abzubrechen. Der Unternehmer aus dem Osten wurde nicht gehört, der Spielbetrieb ging nach dem ersten Lockdown Mitte Mai in den nunmehr leeren Stadien weiter.

Als Dynamo Dresden am 8. März 2:1 gegen Erzgebirge Aue gewann saß Gerd Schädlich (r.) mit Christoph Franke, der mit Dynamoschal kam, auf der Tribüne.
Die Ex-Trainer Christoph Franke (76/l.) und Gerd Schädlich (68) gelten heute als Risikogruppe. © imago images/Hentschel

Dynamo, nach mehreren positiven Tests innerhalb der Mannschaft vom Gesundheitsamt komplett in Quarantäne geschickt, durfte erst am 31. Mai in Stuttgart wieder ran und verlor gleich 0:2. Ohne echte Vorbereitung in einem enorm verdichteten Restprogramm chancenlos, stieg das Team von Markus Kauczinski Ende Juni ab und kämpft nun in Liga 3 um Auferstehung – noch immer ohne Fans im Stadion. Wann die wieder reindürfen, ist offen. Jürgen Wehlend, Borns Nachfolger als Dynamo-Geschäftsführer, gibt sich keinen Illusionen hin: „Normalität werden wir wohl frühestens in der Rückrunde der nächsten Spielzeit beziehungsweise ab der Saison 2022/23 erleben“, sagte er jüngst in einem Interview auf der Dynamo-Homepage.