01. Februar 2020 / 08:03 Uhr

Salzburg-Sportchef Freund über das "Phänomen" Erling Haaland, DFB-Youngster Karim Adeyemi und die Altersgrenze

Salzburg-Sportchef Freund über das "Phänomen" Erling Haaland, DFB-Youngster Karim Adeyemi und die Altersgrenze

Roman Gerth
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Salzburg-Sportdirektor Christoph Freund spricht über den Transfer von Erling Haaland und die deutsche Nachwuchs-Hoffnung Karim Adeyemi.
Salzburg-Sportdirektor Christoph Freund spricht über den Transfer von Erling Haaland und die deutsche Nachwuchs-Hoffnung Karim Adeyemi. © imago images/GEPA images
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Sportdirektor Christoph Freund erlebte bei Red Bull Salzburg mit den Abgängen von Erling Haaland zu Borussia Dortmund und Takumi Minamino zum FC Liverpool einen turbulenten Transfer-Winter. Im Gespräch mit dem SPORTBUZZER blickt er auf den Hype um Haaland und das deutsche Nachwuchs-Talent Karim Adeyemi.

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In diesem Transfer-Winter stand besonders ein Klub im Fokus: Red Bull Salzburg. Das lag allen voran am Wechsel von Mega-Talent Erling Haaland zu Borussia Dortmund – aber auch am Verkauf von Takumi Minamino an Champions-League-Sieger FC Liverpool und Trainer Jürgen Klopp. Für die beiden Offensivspieler kassierte der österreichische Klub dem Vernehmen nach insgesamt rund 30 Millionen Euro.

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Trotz der öffentlich viel beachteten Transfers wirkt Salzburg-Sportdirektor Christoph Freund gelassen, als er zum Gespräch in sein Büro einlädt. Der 42-Jährige will die zurückliegende Transfer-Phase nicht überbewerten. "Es ist nicht so eine riesengroße Verkaufsphase. Es sind drei Spieler gegangen, zwei davon waren absolute Stammspieler", sagt Freund dem SPORTBUZZER: "Takumi Minamino war fünf Jahre bei uns – und dann ist es eine besondere Geschichte, wenn der Champions-League-Sieger anfragt, die derzeit wohl beste Mannschaft der Welt. Das erfüllt uns natürlich mit Stolz, wenn ein Spieler von uns dorthin wechselt. Und bei Erling Haaland ist es eine außerordentliche Story, was mit ihm in den vergangenen sechs Monaten bei uns passiert ist."

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Vor allem der Wechsel von Haaland, der beim BVB zum Start der Rückrunde zwei Gala-Vorstellungen hingelegt und mit fünf Treffern in 56 Minuten einen neuen Start-Rekord aufgestellt hat, überstrahlte alles. "Es war der vielleicht spektakulärste Winter-Transfer in ganz Europa. Über den Wechsel ist sicherlich am meisten berichtet worden, was diese Transferphase uns betreffend dann medial so groß erscheinen ließ", meint Freund.

BVB-Start von Haaland für Freund keine Überraschung

Von einem derart starken Einstand des 19 Jahre alten Norwegers in Dortmund ist der Sportchef der Roten Bullen nur teilweise überrascht. "Dass Erling beim BVB gleich fünf Tore in den ersten beiden Spielen macht, das war nicht zu erwarten. Aber dass er in Dortmund einschlägt, überrascht mich nicht wirklich, weil seine Art und Weise, sein unglaublicher Wille und seine positive Mentalität dafür stehen, dass er außergewöhnliche Geschichten schreibt – er ist ein Phänomen."


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In seiner Zeit in Salzburg hat Freund stets einen fokussierten Haaland erlebt. "Man sieht seine Einstellung schon im Training: er freut sich wie ein kleines Kind, wenn er ein Tor schießt. Und vor 80.000 Zuschauern in Dortmund genauso, das macht für ihn keinen Unterschied. Er liebt das, was er macht", erklärt der ehemalige Mittelfeldspieler. Freund, der seit 2006 in verschiedenen Funktionen die sportlichen Geschicke von Red Bull Salzburg verantwortet, traut Haaland in den kommenden Monate bei den Schwarz-Gelben viel zu.

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Er sagt: "Man sieht, dass es passt, weil der BVB einen solchen Spielertypen vorher nicht gehabt hat. Darum hat sich Erling wohl auch für Dortmund entschieden. Und ich bin mir sicher, er wird in der Rückrunde dort eine Schlüsselrolle einnehmen." Die Gefahr, dass der Torjäger abheben könnte, sieht der Salzburger Sportchef indes nicht. "Glücklicherweise hat er ein gutes Umfeld, das genau auf ihn schaut und verhindert, dass er überdreht. Und er selbst ist keiner, der dazu neigt, sondern einer, der ehrgeizig, aber auch selbstreflektiert ist. Wenn einer es verkraften kann, trotz seiner erst 19 Jahre europaweit als große Hoffnung zu gelten, dann Erling."

Der Abgang von Haaland reißt in der Offensive der Salzburger eine große Lücke. Die beeindruckende Bilanz in Liga, Pokal und Champions League: 28 Tore in 22 Spielen! Große Hoffnungen liegen nun auf dem deutschen Nachwuchstalent Karim Adeyemi. Der 18-Jährige kam vor anderthalb Jahren aus der Jugend der SpVgg Unterhaching nach Salzburg, spielte dort bislang beim Kooperationsteam FC Liefering in der 2. Liga und für die Jugend des Klubs in der UEFA Youth League. Zur Rückrunde stößt der gebürtige Münchner zu den Profis um Trainer Jesse Marsch.

Freund schwärmt von Adeyemi - aber "kein Haaland-Ersatz"

Freund will die Erwartungen an den jungen Stürmer allerdings nicht zu hoch ansetzen. "Für uns ist er nicht der Haaland-Ersatz. Karim bekommt Zeit, aber es steht außer Frage, dass er richtig viele Qualitäten und außergewöhnliche Waffen hat", sagt der Österreicher. "Er hat sich in den vergangenen anderthalb Jahren sehr gut entwickelt. Jetzt ist er erst einmal fix bei uns, dort hat er sich im Trainingslager und den Testspielen sehr gut präsentiert."

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Afonso Alves wechselte am Deadline Day im Januar 2008 für Unsummen zum FC Middlesbrough - und floppte kolossal. Auch in der Bundesliga gibt es genügend Beispiele, bei denen Spieler und Klubs gleichermaßen Pech hatten. Der SPORTBUZZER wirft einen Blick auf die größten Transfer-Flops am letzten Transfertag des Winters. ©

Der Vertrag mit Adeyemi wurde jüngst bis 2024 verlängert. Dabei soll der deutsche U17-Nationalspieler konkrete Angebote des FC Barcelona ausgeschlagen haben. In Salzburg ist man "froh, ihn bei uns zu haben und dass er sich dazu entschieden hat, den Vertrag beim FC Red Bull Salzburg zu verlängern", sagt Freund. "In den nächsten anderthalb Jahren wird er eine ganz wichtige Rolle bei uns einnehmen, da bin ich mir sicher." Der Salzburg-Sportchef lobt vor allem Adeyemis "extremen Speed und seine Unbekümmertheit. Er spielt nicht nach Schema F, ist ein richtiger Instinktfußballer."

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Adeyemi gilt in Deutschland neben Youssoufa Moukoko als vielversprechendstes Offensiv-Talent. Wegen des erst 15 Jahre alten BVB-Youngsters überlegt man in der Bundesliga, die Altersgrenze zu senken. Aus Sicht von Salzburg-Manager Freund ist dieser Ansatz richtig. "Für die Entwicklung der Spieler ist es extrem wichtig, frühzeitig gegen Ältere zu spielen. Es gibt Statistiken, die belegen: Je jünger jemand schon im Erwachsenen-Bereich gespielt hat, desto größer sind die Erfolgschancen im späteren Karriere-Verlauf.", erklärt der Österreicher.