15. November 2020 / 14:41 Uhr

Erschöpfung schlägt Euphorie: Turbine Potsdam feiert Sieg bei Eintracht Frankfurt

Erschöpfung schlägt Euphorie: Turbine Potsdam feiert Sieg bei Eintracht Frankfurt

Mirko Jablonowski
Märkische Allgemeine Zeitung
Melissa Kössler kehrte nach einem Jahr in den USA im Sommer zu Turbine zurück.
Melissa Kössler kehrte nach einem Jahr in den USA im Sommer zu Turbine zurück. © Saskia Nafe
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Frauen-Bundesliga: Turbine Potsdam festigt dritten Tabellenplatz durch einen Auswärtssieg bei Eintracht Frankfurt.

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Am Ende war die Erschöpfung größer als die Euphorie des Sieges. „In der Kabine und am Anfang der Busfahrt war ziemlich gute Stimmung, ab einer gewissen Zeit sind wir aber alle eingeschlafen“, verrät Melissa Kössler mit einem Lachen. Die 20 Jahre alte Offensivspielerin feierte mit dem 1. FFC Turbine Potsdam am Freitagabend in der Frauenfußball-Bundesliga einen wichtigen 1:0 (0:0)-Erfolg bei Eintracht Frankfurt und hatte auf der langen Rückfahrt vom Main an die Havel drei Punkte im Gepäck.

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„Wir haben nie aufgehört zu kämpfen und uns in jeden Zweikampf geschmissen – es war ein echtes Kampfspiel“, findet Kössler nach dem prestigeträchtigen Erfolg bei Dauerregen im Stadion am Brentanobad. Die Bedeutung der Partie sei im Vorfeld allen bewusst gewesen, sagt die Turbine-Spielerin mit der Rückennummer 25, die im Sommer nach einem Auslandsjahr in den USA an der University of Massachusetts in die Brandenburger Landeshauptstadt zurückgekehrt war. „Es sind zwei Traditionsvereine, die bisher viel Geschichte geschrieben haben“, ordnet sie ein und hebt neben der historischen Dimension vor allem die sportliche Bedeutung im Kampf um den dritten Tabellenplatz – der erstmals auch zur Teilnahme an der Champions League berechtigt – hervor. „Das hat dem Spiel noch einmal einen besonderen Reiz gegeben.“

In Bildern: Turbine Potsdam gewinnt Klassiker in Frankfurt.

Turbine Potsdam gewinnt Premierenduell mit Eintracht Frankfurt 1:0 (0:0) und festigt Rang 3 in der Frauenfußball-Bundesliga. Die eingewechselte Gina Chmielinski erzielte in der 76. Minute das Tor des Abends im Stadion am Brentanobad. Zur Galerie
Turbine Potsdam gewinnt Premierenduell mit Eintracht Frankfurt 1:0 (0:0) und festigt Rang 3 in der Frauenfußball-Bundesliga. Die eingewechselte Gina Chmielinski erzielte in der 76. Minute das Tor des Abends im Stadion am Brentanobad. © Saskia Nafe

Den einzigen Treffer des Abends erzielte in Minute 76 die eingewechselte Gina Chmielinski. Die 20-jährige Ludwigsfelderin sprach im Nachhinein von einem „besonderen Moment“, als sie das Leder von der Strafraumkante sehenswert im Frankfurter Kasten versenkte und anschließend in einer Jubeltraube ihrer Mitspielerinnen unterging. „Da hat man gemerkt, wie sich alle gefreut haben und was wir für ein cooles Team sind.“

Trotz der deutlichen Punktspielniederlagen gegen Bayern München (0:3) und den VfL Wolfsburg (0:5) zeigten die Potsdamerinnen bei der vor dieser Saison vom traditionsreichen 1. FFC zur Eintracht übergesiedelten Frankfurter Vertretung einen couragierten Auftritt. „Die Situation vor dem Spiel war schwierig für uns, da man mit nicht so viel Selbstbewusstsein aus den Spielen gegen Bayern und gegen Wolfsburg rausging“, gab Gina Chmielinski zu. Nach einer in München zugezogenen Fußverletzung musste sie sich zunächst wieder mit der Jokerrolle zufrieden haben. „Ich bin zumindest so weit, dass ich sage, ich kann dem Team wieder helfen und 100 Prozent geben. Ich werde mich jetzt wieder reinkämpfen“, hofft die Torschützin, für Trainer Sofian Chahed bald wieder eine Alternative für die Startelf zu sein.


Der Turbine-Coach hatte nach der deutlichen Heimniederlage gegen den Doublesieger aus Wolfsburg davon gesprochen, dass er seine Mannschaft mit Frankfurt deutlich mehr auf Augenhöhe sieht – und wurde am Freitag bestätigt. „Wir waren zum Großteil die bessere Mannschaft, sind über Zweikämpfe ins Spiel gekommen und haben uns schon in der ersten Halbzeit gute Möglichkeiten erspielt. Wir fahren meiner Meinung nach als verdienter Sieger zurück nach Potsdam“, berichtete der 37-Jährige am späten Freitagabend aus dem Turbine-Mannschaftsbus – in dem nach anfänglichem Jubel dann Ruhe eingekehrt war.