05. Februar 2015 / 10:50 Uhr

Erst verprügelt, dann gesperrt: 18-jähriger Schiedsrichter schmeißt hin

Erst verprügelt, dann gesperrt: 18-jähriger Schiedsrichter schmeißt hin

Christian Purbs und Paul Berten
Göttinger Tageblatt
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Der Schiedsrichter Mohammed El Idrissi, der bei einem C-Junioren-Spiel des Mühlenberger SV in Hannover krankenhausreif geprügelt worden war, tritt nun doch zurück. Der Grund dafür ist, dass das Sportgericht ihm eine Mitschuld an der Eskalation anlastet.

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„Schiedsrichter zu sein, das ist eine schöne Sache. Es hat mir viel Spaß gemacht.“ Das sagt Mohammed El Idrissi. Ausgerechnet El Idrissi. Vor ein paar Wochen stand der 18-Jährige selbst noch gerne als Referee auf dem Platz, doch am 6. Dezember wurde er bei der C-Junioren-Partie zwischen dem SV Arminia Hannover III und dem Mühlenberger SV Opfer einer Prügelattacke.

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Weil das Sportgericht des Fußballkreises Hannover-Stadt nach den Ausschreitungen nicht nur den Mühlenberger SV bestrafte, sondern auch El Idrissi für drei Monate sperrte und ihn dazu verdonnerte, ein Drittel der Verfahrenskosten zu tragen, schmeißt der 18-Jährige hin. „Die Sache ist vorbei, ich habe mich abgemeldet. Das war’s“, sagt El Idrissi, dem das Gericht eine Mitschuld an der Eskalation gegeben hatte.

El Idrissi hat kein Verständnis für das Urteil

Nach Informationen des Sportbuzzers wird ihm vorgeworfen, die Kabine nach dem Spielabbruch noch einmal verlassen und die Mühlenberger Spieler angesprochen zu haben. Für den jungen Schiedsrichter sind die Vorwürfe nicht nachvollziehbar. „Die Spieler von Mühlenberg haben gesagt, dass ich mich nicht vernünftig verhalten habe, dass ich zurück beleidigt haben soll. Das haben auch ein paar andere Leute bestätigt. Aber das stimmt nicht, das habe ich gar nicht gemacht“, sagt El Idrissi.


Auch wenn er in Zukunft keine Spiele mehr leiten wird, aufgeben und die Sache auf sich beruhen lassen will er nicht. „Das war nur das Sportgericht, es gibt auch ein Zivilgericht. Dort habe ich Anzeige erstattet“, sagt der 18-Jährige, der vor etwa einem Jahr als Schiedsrichter angefangen hat. Für ihn ist es immer noch unverständlich, wie es am 6. Dezember zu den brutalen Szenen kommen konnte. „Ich habe in dieser Zeit mehr als 40 Spiele gepfiffen, aber so extrem wie in diesem Spiel war es noch nie.“ Es falle ihm zwar nicht leicht, sagt El Idrissi, „aber es ist leider so, dass ich aufhören soll“.

El Idrissi zu allen Schiedsrichtern: Macht weiter!

Noch Ende Dezember war er vom Niedersächsischen Fußballverband geehrt worden, Bundesliga-Referee Florian Meyer überreichte ein Trikot mit den guten Wünschen und Autogrammen zahlreicher Spitzenschiedsrichter. Der 18-Jährige hatte versichert, in jedem Fall weitermachen zu wollen. Deutschlandweit wurde seine Geschichte verfolgt, man lobte sein Durchhaltevermögen.

Gut einen Monat später ist davon keine Rede mehr. Die Außenwirkung des Schuldspruchs und des darauf folgenden Rücktritts könnten bei den Schiedsrichter-Verbänden im Nachwuchsbereich für Probleme sorgen. Doch genau das will El Idrissi nicht. „Ich wünsche allen jungen Schiedsrichtern viel Spaß, sie sollen unbedingt weitermachen.“