28. Dezember 2020 / 12:00 Uhr

100 Jahre Alfred-Kunze-Sportpark: Erster Leutzscher Derbysieg nach 23 Jahren hat begrenzten Wert

100 Jahre Alfred-Kunze-Sportpark: Erster Leutzscher Derbysieg nach 23 Jahren hat begrenzten Wert

Jens Fuge
Leipziger Volkszeitung
Bela Virag feiert mit den Fans seinen Treffer zum 2:0 (l.). Almir Filipovic jubelt mit.
Bela Virag feiert mit den Fans seinen Treffer zum 2:0 (l.). Almir Filipovic jubelt mit. © Klaus-Dieter Gloger
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In diesem Jahr feiert der Alfred-Kunze-Sportpark seinen 100. Geburtstag. Der SPORTBUZZER stellt in einer zehnteiligen Reihe die spannendsten und denkwürdigsten Spiele vor. Folge neun: Der FC Sachsen siegt im September 1999 erstmals wieder gegen den VfB Leipzig – und ist kurz darauf pleite.

Leipzig. Es ist Spätsommer 1999. In Leipzig-Leutzsch haben sie nach etlichen Querelen und einer erneuten Fast-Pleite plötzlich Geld wie Heu: Manager Gerd Achterberg darf einkaufen mit der Kohle von Film-Gigant Michael Kölmel. Zwölf Millionen Mark sollen in den kommenden vier Jahren fließen, so hat es sich Kölmel gedacht. Dass dieser Fakt nicht sonderlich ernst genommen wird und das Geld nach zwei Jahren alle ist, weiß zu diesem Zeitpunkt natürlich noch niemand.

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Ein Dutzend neue Spieler

Es wird investiert, dass es nur so kracht: Trainer Edy Stöhr wird verpflichtet, mit ihm kommt ein Dutzend Spieler. Twardzik, Poviser (beide Budweis), Stantchev, Georgiev (beide Varna), Höche, Zieme, Schiemann (alle Spandau), Eilenberger (Oldenburg), Santl (Stuttgarter Kickers), Bergner (Union), Wentzel (Jena), Zimmerling (Klagenfurt) und Houle (Rathenow) sind die Neuen. 19 (!) weitere neue Spieler sollten in den kommenden anderthalb Jahren folgen.

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01.12.1984: Oberligaderby zwischen dem 1. FC Lok Leipzig und der BSG Chemie Leipzig. Endstand 4:0. Im Bild: P. Schöne. Zur Galerie
01.12.1984: Oberligaderby zwischen dem 1. FC Lok Leipzig und der BSG Chemie Leipzig. Endstand 4:0. Im Bild: P. Schöne. © LVZ

Zunächst kommt die neue, aufgepeppte Mannschaft auch gut ins Rollen. Es geht um den Aufstieg in die neue Regionalliga, wofür man den sechsten Platz belegen muss in der Endabrechnung. Nach drei Spieltagen ist der FC Sachsen Tabellenführer, es folgen Remis gegen Jena und Union, die Top-Favoriten der Staffel. Doch dann hakt es, eine 0:1-Niederlage in Eisenhüttenstadt sowie eine 0:4-Klatsche gegen den Dresdner SC lassen Zweifel aufkommen. Ausgerechnet nun kommt es zum Ortsderby gegen den ewigen Rivalen aus Probstheida. Im Jahr zuvor gab es das erste Aufeinandertreffen nach langen Jahren, die man in unterschiedlichen Ligen zugebracht hatte. Ein rassiges 3:3 in Leutzsch sowie eine 0:5-Pleite für Sachsen standen zu Buche.

Am 25. September 1999 also ein neuer Versuch der Leutzscher, endlich wieder einen Derbysieg zu erringen. 23 Jahre zuvor, 1976, hatte Grün-Weiß dem damaligen hohen Favoriten mit 1:0 ein Bein gestellt, Torschütze vor 17.000 Fans im Zentralstadion war ein gewisser Helmut Lück. Seither gelang den Leutzschern in 14 Derbys kein Sieg mehr.

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Verlierer des Tages heißt Rose

10.784 Zuschauer bevölkern den Alfred-Kunze-Sportpark, 500 Polizisten sichern die Veranstaltung ab. Anfangs ist der VfB stärker, doch dann drehen die Leutzscher auf. David Bergner stochert den Ball ins Tor, dann schlägt die Stunde des Ungarn Bela Virag. In einen Eckball von Lucic läuft er punktgenau ein und köpft das 2:0. Beim Jubeln verletzt sich der drahtige Verteidiger beinahe: „Ich bin zu den Fans an den Zaun gesprungen und habe beinahe meine Kronjuwelen eingebüßt, weil ich abgerutscht bin“, erzählt er in der Rückschau lachend.

Nach 23 Jahren ist der Bann gebrochen. Die ernsthafteste Konsequenz des Tages trägt VfB-Spieler Marco Rose. Der heutige Gladbach-Trainer zieht im Duell mit Sachsen-Kapitän Frank Rietzschel den Kürzeren und wird ausgewechselt.

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Jimmy Hartwig (FC Sachsen Leipzig): 1990. Zur Galerie
Jimmy Hartwig (FC Sachsen Leipzig): 1990. ©

Für Leipziger Verhältnisse bleibt es ruhig – der Einsatz einer Reiterstaffel und ein gewaltsamer Durchbruch von 150 VfB-Hooligans durch den Kassenbereich, ein demoliertes Kassenhäuschen sowie drei Verletzte sind die Bilanz. Zuvor war (noch) Schlimmeres befürchtet worden.

Erfolg mit kurzer Halbwertzeit

Den Leutzschern gibt dieser Sieg Auftrieb, sie gewinnen im weiteren Verlauf der Saison gegen den 1. FC Magdeburg, gegen Erfurt und sogar bei Dynamo Dresden, ehe sie das Rückspiel beim VfB Leipzig dank eines Schiemann-Tores und des Supports von 4000 Chemikern noch 1:0 gewinnen. Das Saisonziel gerät trotzdem noch in Gefahr, denn es folgt eine Schwächephase. Trainer Stöhr muss seinen Hut nehmen. Im letzten Spiel entscheidet ein gegen den Pfosten geschossener Elfmeter von Dynamo Dresden über den Einzug des FC Sachsen in die neue Regionalliga. Haarscharf wie immer…

Von der denkwürdigen Saison sind beide Derbysiege am deutlichsten in Erinnerung geblieben. Ein Jahr später ist das Kölmel-Geld verprasst und der FC Sachsen pleite. Die Halbwertzeit der starken Saison 1999/2000 war also enorm kurz.

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