19. Januar 2020 / 15:15 Uhr

Erster VfL-Auftritt: "Bad Boy" Pongracic und die Angst vor der Mannschaftskasse

Erster VfL-Auftritt: "Bad Boy" Pongracic und die Angst vor der Mannschaftskasse

Engelbert Hensel
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
An Pfeifferschem Drüsenfieber erkrankt: VfL-Innenverteidiger Marin Pongracic.
Durfte erstmals für den VfL Wolfsburg ran: Marin Pongracic. © Roland Hermstein
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Am Samstag drückte er vorm TV noch die Daumen, am Sonntag beim Geheim-Test gegen Hannover 96 durfte VfL-Neuzugang Marin Pongracic dann erstmals für den Wolfsburger Fußball-Bundesligisten ran. Beim 2:1 gegen den Zweitligisten spielte der Innenverteidiger, der für 10 Millionen Euro von Red Bull Salzburg kam, eine Halbzeit lang – und war hinterher bestens gelaunt.

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„Es war gut, nach längerer Zeit wieder Spielpraxis bekommen zu haben. Jetzt gilt es einfach, die alte Form und Fitness wieder zurückzubekommen – und dann greifen wir voll an", so der Neuzugang. Vor einer Woche war der 22-Jährige nach Wolfsburg gereist, am Mittwochmorgen gab der VfL den Transfer bekannt. „Es fühlt sich alles sehr gut an“, so der Kroate über seine ersten Tage in Wolfsburg. „Das Hotel ist gut, ich habe nur fünf Minuten bis zum Trainingsgelände, die Jungs haben mich super aufgenommen – ich fühle mich sehr wohl.“

Mit Xaver Schlager und Josip Brekalo kennt der Neue bereits zwei VfLer - Schlager aus Salzburg, Brekalo aus der kroatischen U21-Nationalmannschaft. „Es ist natürlich cool, dass die beiden da sind. Man kennt das ja: Es ist ein bisschen wie am ersten Schultag… Wenn man den einen oder anderen Freund schon kennt, macht es das einfacher.“ Schlager hatte jüngst erzählt, dass Pongracic und er zusammen mit anderen RB-Spielern bei Auswärtsfahrten im Bus gern mal gepokert hätten. Wer war der bessere Spieler? Schlager oder er? „Eindeutig ich“, so der Neuzugang grinsend. „Es gab sicher bessere als mich, aber ich war besser als der Xaver…“

Bilder vom Testspiel zwischen dem VfL Wolfsburg und Hannover 96

Der VfL Wolfsburg gewann das Testspiel gegen Hannover 96 mit 2:1. Zur Galerie
Der VfL Wolfsburg gewann das Testspiel gegen Hannover 96 mit 2:1. ©

Gleich bei seinem ersten Einsatz zeigte der gebürtige Landshuter, dass er auf dem Platz auch mal dazwischenhauen kann. Nach einer Ecke verteidigte Pongracic gegen Hannover-Neuzugang John Guidetti knallhart. „Das war nötig. Priorität ist es, das eigene Tor zu verteidigen“, so der Neuzugang. Da könne es auch mal härter zur Sache gehen. „Das ist Fußball – und nicht Schach“, so der 1,90 Meter große Innenverteidiger, der sich selbst nicht als „zurückhaltend“, sondern als „extrovertiert“ bezeichnet.

„Ich bin ein Spaßvogel. In Salzburg in der Kabine war ich der Spaßvogel Nummer 1.“ Schon in der Schule sei er für Späße zu haben gewesen. Pongracic: „Hier gibt es auch den einen oder anderen Spaßvogel - das wird sehr lustig, die Atmosphäre wird sehr gut sein. Aber das Wichtigste ist, sich auf den Fußball zu konzentrieren.“

Wer sind denn die anderen VfL-Spaßvögel? „Mir ist letztens in der Kabine mal das Handtuch weggenommen worden. Derjenige wird nun eine Woche lang ohne Handtuch duschen gehen“, so Pongracic grinsend. Und welcher VfL-Profi hat ihm das Handtuch geklaut? „Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich glaube, es war William...“

Die Spieler des VfL Wolfsburg nach dem Auftaktspiel gegen den 1. FC Köln in der Einzelkritik

Koen Casteels: Da, wenn er gebraucht wurde, bei den Gegentoren chancenlos. Note: 4 Zur Galerie
Koen Casteels: Da, wenn er gebraucht wurde, bei den Gegentoren chancenlos. Note: 4 ©

In Salzburg wurde Pongracic gern mal als „Bad Boy“ bezeichnet, weil er in der Vergangenheit Probleme mit der Disziplin hatte, zu spät kam und dafür in die Mannschaftskasse zahlen musste. „Als Bad Boy würde ich mich nicht bezeichnen. Vielleicht war ich das vor dem Profi-Fußball oder in meinem ersten Jahr in Salzburg“, sagt der Abwehrmann und fügt hinzu: „Der Prozess, Fußballprofi zu werden, hat bei mir vielleicht etwas länger gedauert als bei anderen Jungs. Ich denke, ich bin auf dem besten Weg.“

Aber: „Es kann immer noch mal vorkommen, dass ich mal eine Minute, oder mal fünf oder auch mal zehn Minuten zu spät komme. Ich versuche auf jeden Fall nicht, aus der Reihe zu tanzen und möchte nicht negativ auffallen.“ Den VfL-Strafenkatalog kennt er übrigens schon länger aus einem Gespräch mit Brekalo. In Salzburg müssen die Spieler für eine Minute Verspätung zehn Euro bezahlen. „Josip hat mir mal erzählt, dass es hier wesentlich mehr sind. Da habe ich mir gesagt: Falls ich mal nach Wolfsburg wechseln sollte, muss ich darauf aufpassen...“

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Jetzt ist Pongracic da. Auch die Bayern sollen interessiert gewesen sein. „Wenn es konkret gewesen wäre, hätten wir das gewusst. Ich mache mir aber auch nicht allzu viele Gedanken darüber", so Wolfsburgs neue Nummer 22. "Ich habe meine Ziele, ich lebe nicht im siebten Himmel, sondern im Hier und Jetzt.“ Das Hier und Jetzt heißt Wolfsburg. Was sprach am Ende für den VfL? „Wolfsburg macht es von der Philosophie ein bisschen so wie Salzburg, setzt auf junge Spieler. Im Spiel wird hoch gepresst, mit schnellen Innenverteidigern, die vorwärts verteidigen. Das liegt mir einfach. Ich denke, das hier ist der perfekte Ort, um den nächsten Schritt zu gehen.“

In Wolfsburg will er auch den Sprung in die Nationalelf schaffen. Pongracic: „Dafür muss ich mich aber erst mal hier beweisen, dann kommt alles andere von alleine.“ Übrigens: Mit Ivica Olic, dem ehemaligen VfLer und heutigen Co-Trainer der Kroaten, hat er noch bei 1860 München zusammengespielt. „Wir sind in Kontakt. Ich hoffe, dass wir uns mal bei der Nationalelf sehen.“