05. November 2021 / 06:00 Uhr

Erstes Saisondrittel der Verbandsliga: Oben ist es eng, Kellerteams chancenlos

Erstes Saisondrittel der Verbandsliga: Oben ist es eng, Kellerteams chancenlos

Johannes Weber
Ostsee-Zeitung
Nicklas Klingberg will mit viel Dynamik am Kühlungsborner Hannes Mietzelfeld (r.) vorbeiziehen.
Während Nicklas Klingberg (l.) und die SG Dynamo Schwerin für Furore im ersten Saisondrittel gesorgt haben, kommen Hannes Mietzelfeld und der FSV Kühlungsborn noch nicht so richtig in die Gänge. © Johannes Weber
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Die Verbandsliga verspricht vor allem in den vorderen Tabellenregionen viel Spannung. Anders sieht es in der Abstiegszone aus. 

Spannung an der Spitze und viele packende Partien - die Fußball-Verbandsliga hält bislang das, was vor der Saison prophezeit wurde. Das erste Saisondrittel ist bereits rum. Die Ergebnisse zeigen, dass bis auf die beiden Kellerkinder SG Aufbau Boizenburg und SV Waren alle Teams in der Lage sind, sich die Punkte zu wegzunehmen. Nach den ersten zehn Spieltagen zieht der SPORTBUZZER eine Zwischenbilanz.

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SV Pastow (1. Platz/23 Punkte/28:8 Tore)

Nach gutem Start mit sieben Punkten gab es eine kurze Delle bei den Pastowern. Die Rand-Rostocker zeigten darauf eine starke Antwort und gewannen alle folgenden fünf Partien. Damit gehören sie zu den Teams der Stunde und verdienen sich Platz eins. Vor allem die Defensivstärke ist ein großes Pfand des Vorstadt-Klubs. Mit nur acht Gegentoren hat der SVP die beste Defensive. Aber auch offensiv sind die Kicker von Trainer Heiner Bittorf variabel und verfügen über viele treffsichere Optionen mit Karg, Siegmund, Rudlaff, Schumski und Klöckner.

Das sind die besten Torjäger in MV auf Landesebene (Stand: 25. April 2021):

1. Platz: Tobias Barachini (SV 90 Lohmen) - 24 Tore Zur Galerie
1. Platz: Tobias Barachini (SV 90 Lohmen) - 24 Tore ©

FC Anker Wismar (2. Platz/22 Punkte/34:11 Tore)

Als einer der großen Favoriten wurde der FC Anker nach der Transferoffensive im Sommer angepriesen. Die Hafenstädter befinden sich nach zehn Spieltagen auch in einer guten Ausgangsposition. Zu Beginn der Saison zeigten die Wismarer Probleme in den Topspielen gegen den SV Pastow (1:2) und 1. FC Neubrandenburg (1:4). Dass sie ein Topteam schlagen können, bewiesen sie am vergangenen Sonnabend beim FSV Einheit Ueckermünde (3:2). Die Mannschaft des FC Anker hat bislang gezeigt, dass sie sich trotz der vielen Veränderungen im Kader schon weitestgehend gefunden hat. Wenn der Angriff der FCA-Elf ins Rollen kommt, dann richtig. Mit 34 erzielten Toren haben die Wismarer ligaweit den besten Sturm.

SG Dynamo Schwerin (3. Platz/22 Punkte/31:13 Tore)

Von allen drei Aufsteigern haben die Dynamos bislang am meisten überzeugt. Die Schweriner brauchten zu Beginn zwei Spiele, um richtig in der Verbandsliga anzukommen. Danach folgte eine beeindruckende Serie von sechs Erfolgen am Stück. Die Landeshauptstädter etablierten sich tabellarisch in der Topgruppe - sehr zur Freude der treuen SGD-Fans. Nun folgt am Sonnabend das Topspiel beim Tabellenführer SV Pastow. In dieser Partie kann der Neuling zeigen, wie reif er für ganz vorne schon ist. Mit Johannes Ernst (zwölf Tore) haben sie übrigens den treffsichersten Angreifer ligaweit in ihren Reihen.

FSV Einheit Ueckermünde (4. Platz/21 Punkte/28:10 Tore)

Ein Team, dass man nicht unbedingt zu diesem Zeitpunkt in der Spitzengruppe erwartet hätte, ist der FSV Einheit Ueckermünde. Die Haffstädter bestätigten ihren guten Start und holten konstant ihre Zähler. Vor allem in der Offensive sind die Vorpommern mit Dachner, Sledz (beide sechs Tore) und Bylicki (fünf) schwer ausrechenbar. Ziel der Ueckermünder war vor der Saison ein einstelliger Tabellenplatz. Wenn sie am Ende der Spielzeit dort stehen, wo sie sich jetzt befinden, hätte im FSV-Lager wohl keiner etwas dagegen einzuwenden. Das würde dann auch in Richtung bester Verbandsliga-Runde der Vereinsgeschichte gehen. Der FSV ist übrigens ligaweit das einzige Team, das bisher alle seine fünf Auswärtsspiele gewonnen hat.

1. FC Neubrandenburg (5. Platz/21 Punkte/22:9 Tore)

Die Rückkehr in die Oberliga ist das erklärte Ziel für die Zukunft. Ob dem FCN das schon dieser Saison gelingen wird, hängt vom weiteren Saisonverlauf ab. Starke Leistungen boten die Neubrandenburger in den Topspielen gegen den SV Pastow (3:1) und FC Anker Wismar (4:1). Hinzu kamen allerdings vor eigener Kulisse Punktverluste gegen den Güstrower SC (0:0), FC Förderkader (2:2) und FC Schönberg (1:1). Daher müssen sich die Vier-Tore-Städter daheim noch steigern. Das junge Team hat unter anderem mit Dennis Kühl und Daniel Nawotke zwei Aufstiegsexperten in ihren Reihen. Beide schafften 2017 mit dem Torgelower FC Greif den Sprung in die Oberliga. Sie wissen, dass ein langer Atem nötig sein wird.


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Penzliner SV (6. Platz/18 Punkte/21:23 Tore)

Furios legte der Penzliner SV als einziges Team mit vier Siegen los. Danach kamen personelle Schwierigkeiten auf die Blau-Gelben zu. Die Ausfälle konnte der PSV nicht kompensieren und verlor vier Mal in Serie. Zuletzt entspannte sich die Lage und die Penzliner lieferten wieder zwei Erfolge. Damit bleiben sie in Tuchfühlung zum vorderen Feld. Nach wie vor ist die Elf von Trainer Henry Stamm für ihr schnelles Umschalten im Offensivspiel bekannt. Hinten ist das Team allerdings nicht unverwundbar.

FC Förderkader René Schneider (7. Platz/17 Punkte/22:14 Tore)

Die Rostocker sind an vielen attraktiven Partien beteiligt - das ist bekannt. Der Förderkader schafft es dank seiner guten Nachwuchsarbeit immer wieder junge Talente in seiner Verbandsliga-Mannschaft einzubauen. Durch den Aufstieg der U 19 im Sommer in die A-Junioren-Regionalliga dürfte das Konzept für die Zukunft noch einen weiteren Qualitäts-Schub bekommen. In der Verbandsliga schwanken die Resultate noch. Das seit Jahren bekannte Problem, zu wenig Punkte in den Duellen mit den Spitzenteams zu holen, konnte der Förderkader noch nicht so wirklich ablegen. Sollten sich die Schneider-Kicker da steigern, könnte es in der Tabelle noch höher hinausgehen.

Malchower SV (8. Platz/16 Punkte/23:19 Tore)

Die Malchower gelten mit als die große Wundertüte in der Verbandsliga. Starke Auftritte wie gegen Dynamo Schwerin (3:2) stehen schwache Darbietungen wie gegen den SV Warnemünde (1:4) gegenüber. Der MSV befindet sich aber dort, wo er sich vor der Saison auch ungefähr gesehen hat. Nur nichts Abstiegskampf zu tun haben, lautete die Devise. Der Fall wird auch höchst wahrscheinlich bei der schwachen Punktausbeute der Kellerkinder nicht eintreffen. Wollen die Inselstädter in der Tabelle weiter klettern, müssen sie noch konstanter werden.

FC Schönberg (9. Platz/16 Punkte/19:19 Tore)

Ein ähnliches Hin und Her ist es beim FC Schönberg. Die Maurinekicker mühen sich ebenfalls, Konstanz in ihre Leistungen zu bekommen. Abhängig sind die Schönberger vor allem von den Treffern ihres Torjägers Jelto Reuter. Mit neun Toren erzielte der Neuzugang fast die Hälfte der 19 Treffer der Grün-Weißen. Tiefpunkt bislang war die 0:7-Klatsche im Derby beim FC Anker Wismar. Dass sich die Nordwestmecklenburger davon gut erholt zeigten, wurde im anschließenden Heimspiel gegen den FSV Kühlungsborn (4:2) deutlich. Dort holten sie einen 0:2-Rückstand auf. Zuletzt blieb die Elf von Thomas Manthey dreimal ungeschlagen - der Trend ist positiv.

Güstrower SC (10. Platz/13 Punkte/16:13 Tore)

Die Güstrower sind so ein wenig das Opfer der Leistungsdichte der Verbandsliga. Viele enge Spiele endeten zu ungunsten des GSC. Dass die Barlachstädter oft nah dran an Punktgewinnen sind, zeigt, dass sie nur 13 Gegentore hinnehmen mussten. Das ist zusammen mit Dynamo Schwerin ligaweit der vierbeste Wert. Das Spielglück ist aktuell nicht auf den Seiten des GSC. Spielerisch sieht Güstrows Coach Holger Scherz seine Mannschaft auf einem guten Weg, nur von den Punkten her nicht.

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FSV Bentwisch (11. Platz/13 Punkte/25:32 Tore)

Mit dem Niveau in der Verbandsliga musste sich der bislang zweitbeste Aufsteiger akklimatisieren. Nach einem Punkt aus den ersten fünf Spielen legten die Bentwischer den Schalter um. Die FSV-Kicker erarbeiteten sich das Glück und präsentierten sich auch mit mehr Aggressivität in den Zweikämpfen. Der Lohn waren vier Siege in Serie im Ligabetrieb. Damit konnten die Rand-Rostocker in sichere Tabellengefilde vorrücken. Die Bentwischer haben viel Qualität in ihrem Kader und sind jederzeit in der Lage jedem Topteam ein Bein stellen zu können. Arbeiten müssen die Bastian-Schützlinge am Defensivverhalten - 32 Gegentore sind zusammen mit dem SV Siedenbollentin der drittschlechteste Wert.

SV Warnemünde (12. Platz/10 Punkte/13:22 Tore)

Oberstes Ziel der Warnemünder war vor Anbruch der Spielzeit der Klassenverbleib. Die Reds wissen auch, warum sie das Ziel definiert haben. An den ersten Spieltagen sammelten die Kicker aus dem Ostseebad schon fleißig Punkte, darunter gegen die favorisierten SV Pastow (0:0) und FC Anker Wismar (0:0). Da hatte der SVW auch noch sein bestes Aufgebot beisammen. Dann kam der schwierige Herbst. Viele Akteure fehlen vor allem wegen Krankheit oder Verletzungen. Das Fehlen wichtiger Stammkräfte können die Rot-Weißen momentan nur schwer kompensieren. Es folgten drei deutliche Niederlagen zuletzt. Die Lage wird sich laut Trainer Eckerhard Pasch in diesem Jahr wohl nicht mehr bessern. Daher werden sich die Warnemünder in den verbleibenden fünf Spielen in die Winterpause schleppen und versuchen, noch den einen oder anderen Punkt zu holen. Immerhin geht es noch gegen direkte Konkurrenten wie den SV Siedenbollentin und SV Waren.

FSV Kühlungsborn (13. Platz/9 Punkte/15:22 Tore)

Die individuelle Qualität in den Reihen der Kühlungsborner ist unbestritten. Doch der FSV schafft es in dieser Saison größtenteils noch nicht so richtig, sich mit seinen Individualisten als verschworene Einheit zu präsentieren. Coach René Schultz muss seine Startelf Woche für Woche auf einigen Position immer wieder verändern. Abläufe können sich da kaum einspielen. Der Trend war beim FSV zuletzt negativ. Nur eins der vergangenen sieben Ligaspiele konnte gewonnen werden. Die Kühlungsborner können mehr - das haben sie schon gezeigt.

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SV Siedenbollentin (14. Platz/7 Punkte/18:32 Tore)

Viel Lehrgeld mussten die Siedenbollentiner zu Beginn der Saison zahlen. Mit dem 4:0-Heimsieg am 4. Spieltag gegen den SV Waren löste sich so ein wenig der Knoten. Offensiv spielen die SVS-Akteure oftmals ganz gefällig, hinten ließen sie aber noch zu viel zu. Bislang konnte der Dorfklub die Duelle gegen die direkten Konkurrenten gewinnen - unter anderem am vergangenen Sonnabend gegen die SG Aufbau Boizenburg (4:1). Nicht auszuschließen, dass der Aufsteiger in den nächsten Spielen noch zu dem einen oder anderen überraschenden Punktgewinn kommt.

SG Aufbau Boizenburg (15. Platz/0 Punkte/5:36 Tore)

Ein krasser Umbruch im Sommer und das macht sich auch in den Leistungen bemerkbar. Nur in wenigen Partien hatten die Boizenburger den Hauch einer Chance. Das junge Team braucht Zeit und dafür scheint die Verbandsliga nicht die Spielklasse zu sein. Nach acht Jahren droht im kommenden Sommer der Abstieg in die Landesliga. Schon sieben Zähler haben die punktlosen Elbestädter Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz. Es würde schon einem Wunder gleichen, wenn die SG Aufbau sich noch aus der Abstiegszone befreien würde. Im Kellerduell gegen Waren hat man am Sonnabend die Möglichkeit, die ersten Punkte in dieser Saison einzufahren.

SV Waren (16. Platz/0 Punkte/4:41 Tore)

Schlechteste Defensive, schlechtester Angriff - der SV Waren ist zusammen mit Aufbau Boizenburg das Sorgenkind der Verbandsliga. Woche für Woche stellen sich die Müritzstädter dem harten Verbandsliga-Geschäft und haben dabei in dieser Saison noch nichts zu lachen gehabt. Da wirkt das Aufeinandertreffen gegen die SG Aufbau Boizenburg am Sonnabend wie der letzte Strohhalm. Auch für den SVW heißt es: der Klassenverbleib wäre eine Sensation.