01. November 2020 / 20:43 Uhr

Erstes Tor für Wolfsburg: Bakus linke Klebe überrascht auch den Trainer

Erstes Tor für Wolfsburg: Bakus linke Klebe überrascht auch den Trainer

Andreas Pahlmann und Engelbert Hensel
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Torschütze Baku und  Vorlagengeber Philipp
Klatsch ab: Ridle Baku (l.) schoss sein Premieren-Tor für den VfL Wolfsburg, Maximilian Philipp, ebenfalls ein Spät-Zugang, bereitete vor. © 2020 Getty Images
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Co-Produktion zweier Spät-Verpflichteter, dazu der Torschütze nicht als Torjäger bekannt und dann noch mit dem falschen Fuß - dass der VfL Wolfsburg auch im sechsten Bundesliga-Spiel (1:1 bei Hertha BSC am Sonntagabend) in Folge ungeschlagen blieb, hatte einige bemerkenswerte Aspekte.

Er kann hinten rechts spielen, offensiv außen und auch in der Mittelfeld-Zentrale: Ridle Baku wurde nicht zuletzt wegen seiner Vielseitigkeit vom VfL Wolfsburg verpflichtet, die Niedersachsen überwiesen vor gut vier Wochen rund 9 Millionen Euro an Mainz 05. Eines aber stand in der Stellenbeschreibung für den Neuen eigentlich nicht drin: Tore schießen. Umso erstaunlicher, dass der deutsche U21-Nationalspieler mit einem wunderschönen Treffer dem VfL am Sonntagabend beim 1:1 den Punkt in Berlin sicherte - und das auch noch mit seinem schwachen Fuß.

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Beide Tore im Olympiastadion waren linke Dinger - Matheus Cunha rutschte bei seinem Führungstreffer für Hertha weg, traf dennoch mit links. Und Baku hämmerte den Ball wenige Minuten später unter die Latte, ebenfalls mit links. "Das ging alles sehr schnell", erzählte er nach dem Abpfiff. "Ich habe nur gesehen, dass ich wenig Zeit und wenig Platz habe, da habe ich einfach draufgehauen - und hätte im ersten Moment auch nicht gedacht, dass der reingeht."

Der VfL Wolfsburg bei Hertha BSC - Die Bilder

Trainer-Plausch: Bruno Labadia (l.) und Oliver Glasner vor Spielbeginn. Zur Galerie
Trainer-Plausch: Bruno Labadia (l.) und Oliver Glasner vor Spielbeginn. ©

Es war sein erstes Tor für den VfL, sei vierter Bundesliga-Treffer insgesamt. Seinen bisher letzten Treffer hatte er im Mai gemacht - ebenfalls in Berlin, ebenfalls mit links! Und auch das Mainzer Spiel bei Union ging vor einem knappen halben Jahr 1:1 aus.

"Ich bin ja kein Goalgetter, sondern in erster Linie Verteidiger", meinte er grinsend, "umso schöner, wenn ich mal ein Tor schieße." Auch für seinen Papa, der den VfLer und dessen Bruder nach Kalle Riedle und Rudi Völler "Ridle" und "Rudi" nannte. "Er war ja auch Stürmer", so Wolfsburgs Rechtsverteidiger, "er freut sich jetzt bestimmt."

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Für seinen Trainer war das Tor nur zum Teil überraschend. "Es war von der gesamten Entstehung gut", so Oliver Glasner, "Maximilian Philipp geht gut in den Strafraum, genau diese Räume wollten wir attackieren, dann hatten wir genug Spieler im Strafraum. Und wir trainieren immer wieder, dass die Ball-entfernten Außenverteidiger einrücken." So weit, so geplant. "Aber", gibt Glasner zu, "dass er so eine linke Klebe hat, habe ich vorher auch noch nicht gesehen..."

<b>Koen Casteels</b>: Beim Gegentor ohne Chance, kurz nach dem Seitenwechsel ganz starke Fußabwehr gegen Lukebakio, sehr aufmerksam. - Note: 2 Zur Galerie
Koen Casteels: Beim Gegentor ohne Chance, kurz nach dem Seitenwechsel ganz starke Fußabwehr gegen Lukebakio, sehr aufmerksam. - Note: 2 ©

Tor, starke Leistung - ist Baku schon jetzt die Top-Verpflichtung des Sommers? Glasner: „Ich denke, dass wir alle vorsichtig sein müssen mit Superlativen, aber Ridle hat schnell reingefunden, er macht das sehr gut, auch in der Offensive. Wie er den Abschluss gemacht hat, war natürlich toll. Aber obwohl es ein wichtiger Treffer war, möchte ich ihn heute nicht herausheben, er hat es, wie die anderen Spieler auch, sehr gut gemacht."

Weil es Philipp war, der die Vorlage gab, war das VfL-Tor in Berlin quasi eine Co-Produktion der Spät-Verpflichteten. Die Dinamo-Moskau-Leihgabe spielte diesmal in zentraler Position, bei seinem Startelf-Debüt gegen Bielefeld hatte er noch auf Außen agiert. "Die zweite Halbzeit war nicht so prickelnd, deswegen müssen wir mit dem Punkt zufrieden sein", meinte er. "Wir wollten einen Dreier holen, aber das war aufgrund der zweiten Halbzeit nicht möglich." Er selbst fühle sich "in zentraler Position etwas wohler" - und "wenn der Trainer dich im Zentrum spielen lässt, dann weißt du, du bist ein wichtiger Mann." Das sorge für Selbstvertrauen.

Dass ihm die Tor-Vorlage ausgerechnet gegen den Klub gelang, der ihn als Jugendspieler einst wegschickte ("Zu klein, zu schmächtig"), löst allerdings keine besondere Genugtuung aus. "Das ist ein paar Jahre her, damals war in angefressen - aber jetzt bin ich ja auch nicht mehr so klein und so schmächtig..."

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