14. Juli 2021 / 14:29 Uhr

Erstmals im Kreis Peine: Frauen-Trio leitet ein Herren-Fußballspiel

Erstmals im Kreis Peine: Frauen-Trio leitet ein Herren-Fußballspiel

Matthias Preß
Peiner Allgemeine Zeitung
Fenja Bookjans im klärenden Gespräch mit Vallstedts Phillip Walther (links) und Woltwiesches Ben Langemann.
Fenja Bookjans im klärenden Gespräch mit Vallstedts Phillip Walther (links) und Woltwiesches Ben Langemann. © ISABELL MASSEL
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Ein Schiedsrichterinnen-Gespann hat ein Herren-Fußballspiel geleitet – erstmals im Landkreis Peine. Zur Überraschung manch eingefleischten Machos lief die Partie ganz normal über die Bühne. Und die drei Frauen bekamen sogar Lob.

Premiere in Vallstedt: Am Wochenende hat dort zum ersten Mal im Kreis Peine ein Schiedsrichterinnen-Gespann ein Herren-Fußballspiel geleitet. Fenja Bookjans und ihre Assistentinnen Isabelle Anker und Louisa Plett waren für das Testspiel von Grün-Weiß Vallstedt gegen Viktoria Woltwiesche angesetzt. Hinterher gab es Lob: „Aus meiner Sicht haben sie es gut gemacht! Da gab es wenig zu meckern“, urteilte Dirk Viol. Und der hat als stellvertretender Vorsitzender des Kreis-Schiedsrichterausschusses einen kritischen Blick.

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„Das haben sie überragend gemacht. Durchweg positiv“, stellte Woltwiesches Coach Jerome Kuhlmann fest. „Und ich bin ja auch kein einfacher Trainer“, fügte er schmunzelnd aufgrund seines Temperamentes hinzu, das am Spielfeldrand schonmal hör- und sichtbar wird. Entscheidend sei weniger das Geschlecht, als vielmehr die Leistung, meint er. Und da brauche sich dieses Gespann nicht zu verstecken. Es habe sich zwar „nur“ um ein Testspiel gehandelt, aber auch die Leitung zum Beispiel eines Kreisliga-Punktspiels der Männer traue er ihnen „hundertprozentig zu“.

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Was das Frauen-Gespann sogar besser hinbekommen habe, als ein Männer-Trio: „Sie waren sehr deeskalierend. Selbst als es mal brenzlig wurde, hat die Schiedsrichterin gut durchgegriffen.“

Gepfiffen hat Fenja Bookjans vom VfL Woltorf, die seit 2015 Unparteiische ist und bei den Frauen bis zur Oberliga eingesetzt wird. Besonders aufgeregt war sie vor der Leitung ihres ersten Herren-Spiels nicht. „Anfangs dachte ich allerdings: Das geht ja vom Tempo her ordentlich zur Sache. Aber das hat sich dann gegeben und ich merkte, dass zum Ende hin beiden Mannschaften die Puste ausging. Das Spieltempo ließ sich vielleicht mit dem in der Frauen-Oberliga vergleichen. Ungewohnt war, dass für ein Freundschaftsspiel eine gewisse Härte in der Partie war.“ Überrascht hat sie, dass sie nur einmal Abseits pfeifen musste. „Das konnten beide Mannschaften gut einschätzen.“

Die Jura-Studentin freut sich über anerkennende Worte auch von Zuschauern nach dem Spiel – aber vor allem darüber, dass sie jetzt wieder auf dem Spielfeld für Gerechtigkeit sorgen kann. „Das Pfeifen hat mir in der Corona-Pause richtig gefehlt. Ich freue mich jetzt auf die nächsten Spiele.“

Assistentin Louisa Plett hat ihren Schiedsrichterschein erst Ende vergangenen Jahres bekommen, aber auch sie kennt sich in der Oberliga aus – schließlich spielt die einstige VfB-Peine-Kickerin in dieser Staffel für Pfeil Broistedt, und sie pfeift auch für die Pfeile. „Dass unser Schiedsrichterinnen-Gespann eine Premiere im Landkreis war, wusste ich vorher gar nicht“, sagt die 17-Jährige. Für sie war es erst das dritte Spiel an der Linie. „Ich hätte früher gar nicht gedacht, dass es so viel Spaß macht. Man entscheidet relativ viel. Als Spielerin nimmt man das gar nicht so wahr.“


Isabelle Anker ist seit 2018 beim TSV Eixe als Schiedsrichterin gemeldet und hat selbst schon einige Herren-Spiele – allerdings nicht mit Assisteninnen – geleitet. Die Reaktionen einiger Fußballer amüsiert die 37-Jährige: „Waaas? Du bist die Schiedsrichterin? Aha...“ Es gebe viel zu wenig Frauen im Schiedsrichterwesen, meint sie. Frauen würden grundsätzlich nicht besser, aber auch nicht schlechter pfeifen als Männer. „Ich finde, da gibt es keinen Unterschied.“ Auch das Verhalten beim Spiel in Vallstedt sei nicht ungewöhnlich gewesen. Die Trainer hätten wie immer ihre Meinung kundgetan – einen Frauen-Bonus gab’s da nicht. „Lob gab es allerdings von den Rentnern, die beim Spiel hinter mir standen.“

„Es wird jetzt öfter vorkommen, dass mal eine Frau ein Herren-Fußballspiel pfeift. Die Vereine müssen sich da Gedanken machen, wie man es mit dem Umkleiden und Duschen regelt“, sagt Viol. In Vallstedt wurde das Problem nach dem Motto „Ladies first“ gelöst. Die Heimmannschaft wartete im verschwitzten Fußball-Dress, bis das Schiri-Trio fertig war.

Von Matthias Press