30. Juni 2020 / 09:03 Uhr

Es geht nach oben! So haben Hannovers Kreisligisten ihren Aufstieg gefeiert

Es geht nach oben! So haben Hannovers Kreisligisten ihren Aufstieg gefeiert

Nicola Wehrbein und Tobias Kurz
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Der TSV Dollbergen feiert die Meisterschaft in der Kreisliga 1 mit ihren Aufstiegsshirts.
Der TSV Dollbergen feiert die Meisterschaft in der Kreisliga 1 mit ihren Aufstiegsshirts. © privat
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Die Kreisligasaison ist beendet, die Tabellenführer und Teams auf dem Relegationsrang zwei steigen auf, Absteiger gibt es nicht. Normalerweise ist ein Aufstieg immer eine Riesensache, gerade im „kleinen“ Fußball steht meist der ganze Ort Kopf. In Corona-Zeiten ist alles jedoch etwas anders.

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Lars Bischoff hielt sich am Samstagvormittag im Garten auf, als das Handy klingelte. Es war die erwartete Nachricht vom Verbandstag. Der TSV Dollbergen ist offiziell Meister der Kreisliga 1. Wie vorab verabredet, machten sich der Trainer und seine Spieler auf den Weg zum Vereinsgelände. Dort ging im Laufe des Tages und einer langen Nacht die Post ab. T-Shirts mit dem Aufdruck „Kreisliga war so schön – Aufstieg 2020 – Zeit für uns zu geh’n!“, eine Poolparty inklusive Wasserrutsche, Bierduschen und Havanna-Meisterzigarren – die Fußballer des TSV Dollbergen, vorneweg Johann Ridtschenko, Torhüter und gute Seele des Vereins, zogen alle Register.

„Okay, keine große Feier auf dem Rathausbalkon, aber viel Spaß in kleiner Runde mit dem nötigen Abstand“, sagt Bischoff lachend. Anfangs habe es sich noch wie Freude auf Knopfdruck angefühlt, aber mit fortschreitender Dauer sei die Stimmung immer ausgelassener geworden. „Corona-Meister und erstmalig im Bezirk. Und erstmalig eine Liga über unserem Rivalen vom SV Uetze“, sagt der Coach.

Erst zum Griechen, dann Frühschoppen

Die Tische beim Griechen hatten sie in weiser Voraussicht frühzeitig reserviert. „Ich bin fest davon ausgegangen, dass sich der Vorschlag des NFV durchsetzen wird und somit der Relegationsplatz zum Aufstieg berechtigt“, erklärt Matthias Salzmann, Coach des zweitplatzierten TSV 03 Sievershausen. „Es ist eine merkwürdige Situation, dass man seine Freude nicht auf dem Platz ausleben und anschließend richtig feiern kann. Aber wir sind glücklich und nehmen das Abenteuer Bezirksliga gern an.“ Der Trainer vertraut dabei auf seinen bewährten Kader: „Das sind die Jungs, die es geschafft haben. Und ein Großteil der Akteure kommt sogar aus Sievershausen. Jetzt dürfen sie mit ihrem Verein in der Bezirksliga ran, das hat etwas Romantisches.“ Auf den griechischen Abend folgte übrigens tags darauf ein Frühschoppen im Sportheim mit ein paar eingefleischten Fans.

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Nur ein entspanntes Bierchen

Wer hätte den Mellendorfer TV auf dem Weg zum Titel noch aufhalten können? Der Aufstieg ist der absolut verdiente Lohn für den unangefochtenen Primus der Kreisliga 2. Die ganz große Feierlust wollte bei Trainer Matthias Henning und seinem Team allerdings nicht aufkommen. „Eine Aufstiegsfeier, wie wir sie uns gewünscht hätten, ist derzeit eben nicht möglich. So haben wir uns abends getroffen, entspannt ein Bierchen getrunken – und gut“, sagt Henning. „Wir sind total heiß auf die nächste Saison. Unser Kader ist gut und groß und bleibt zusammen.“ Von den A-Junioren der JSG Wedemark stoßen Fynn Bartholomäus und Tim-Jonas Schiewe dazu. „Jetzt trainieren wir in abgespeckter Form weiter und hoffen, dass es so schnell wie möglich losgeht.“

Sachlich über WhatsApp erhielt Edis Bajrovic die frohe Kunde. Eine spontane Aufstiegsfeier habe es am Wochenende nicht gegeben, sagt der Coach des MTV Engelbostel-Schulenburg. „Ein paar Spieler haben sich getroffen und angestoßen. Die offizielle Feier auf unserer Sportanlage wird zurzeit noch geplant“, sagt er. Mit Torhüter Yannick-Christopher Poppe, Marcel Rack und Cedric Parbs schließt sich ein Trio des TuS Garbsen II dem MTV an. Hendrik Göhr (TSV Burgdorf) steht ebenfalls als Neuzugang fest.

„Und dann sind da noch unsere Winter-Transfers Timo Sandrock, Kadir Sahin und Louis Trollmann, die noch gar nicht richtig zum Zuge kamen. Ich denke, wir sind für die Bezirksliga gut aufgestellt, die Mischung aus jungen und erfahrenen Spielern passt“, sagt Bajrovic. Einziger Wermutstropfen sei der Weggang von Moussa Coulibaly zum TSV Stelingen. „Zweifellos ein herber Verlust, aber Moussa möchte sich in der Landesliga versuchen, wir wünschen ihm alles Gute für seine sportliche Zukunft“, sagt Bajrovic.

Der TSV Godshorn II geht als Erster der Kreisliga 4 mit einer Bilanz von 13 Siegen, zwei Remis und einer Niederlage hoch in die Bezirksliga. „Endlich ist es offiziell“, sagt Trainer Amir Jusufovic. Eigentlich sind die Godshorner bekannt für ihre ausgelassenen Kabinenpartys. „Wir haben uns stattdessen mit ein paar Spielern am Sportplatz getroffen, nichts Großes“, so Jusufovic – „aber wir werden sicher noch mehrmals nachfeiern.“ Der Trainer plant mit einem Kader von 24 Spielern. „Aktuell sind wir bei 20 Leuten aus dem bisherige Team, noch vier Neue, dann passt es schon. Und wir müssen abwarten, was aus der Ersten zu uns kommt.“ Die Godhorner trainieren momentan einmal die Woche. Wenn der Ball wieder richtig laufen darf, will Jusufovic auf drei Übungseinheiten pro Woche hochschrauben.

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Treckerfahrt soll noch folgen

Für den SV Ihme-Roloven geht es direkt wieder hoch in den Bezirk. „Wir haben uns natürlich gefreut. Feiern tun wir aber erstmal nicht. Das wäre mit den aktuellen Abstandsregeln unvernünftig“, sagt Trainer Mario Geric. In ein paar Wochen will der Meister der Kreisliga 3 die Situation noch einmal neu bewerten. „Im Moment können wir ja auch unsere berühmte Treckerfahrt nicht machen“, ergänzt der Coach. „Ich glaube, wir sind verdient aufgestiegen und hätten es auch sportlich geschafft.“

Für Geric wird die kommende gleichzeitig die letzte Saison als Trainer sein, in einem Jahr will er aufhören. „Dann bin ich fast 50, irgendwann ist auch mal Schluss“, sagt er schmunzelnd. Defensive Disziplin statt Hurra-Fußball soll das Rezept für den Klassenerhalt sein. Geric ist optimistisch, sein Kader bleibt komplett zusammen. „Die Jungs wollen es alle auch noch mal beweisen, dass sie gut genug für die Bezirksliga sind“, weiß der Ihmer Übungsleiter. Verstärkt wird das Team trotzdem, „zum Namen nennen ist es noch zu früh“, so Geric.

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Hagenburg ist zurück im Bezirk

„Es war ein ganz besonderer Tag und sehr emotional – für die Spieler, den Verein und auch für mich“, sagt Felix Dyck. Die Rede ist vom offiziellen Aufstiegstag, der zwar anders verlaufen ist, als es sich das Trainerduo Dyck/Thomas Siemann und die Spieler des Kreisligisten TSV Hagenburg zu Saisonbeginn ausgemalt hatten. Doch sei’s drum: Der TSV Hagenburg ist zurück im Bezirk, das allein zählt.

„Nach dem Abstieg 2017 wusste niemand, wie es in Hagenburg mit dem Fußball weitergeht. Was wir hier in den letzten drei Jahren aufgebaut haben, ist der Wahnsinn und macht mich stolz“, sagt Dyck, dessen Team als Meister der Kreisliga Schaumburg den angestrebten Sprung mit Bravour schaffte. „Natürlich hätten wir den Aufstieg gern mit Bierduschen auf dem Platz und im größeren Kreis gefeiert, aber das lässt Corona nun mal nicht zu. Also haben wir uns mit der Mannschaft am Klubheim getroffen und angestoßen.“

Der Coach setzt nächste Saison auf seinen bewährten und erfolgreichen Kader: „Alle bleiben. Und ich bin mir sicher, da steckt noch Steigerungspotenzial in unserer jungen Truppe, wir sind noch nicht am Limit angekommen.“ Eine Neuverpflichtung steht mit Timo Kuhnert (SSG Halvestorf/Herkendorf) bereits fest, weitere Gespräche laufen.