11. April 2020 / 12:19 Uhr

„Es ist die Hölle“: DHfK-Leipzig-Sprinter schuften am Völkerschlachtdenkmal

„Es ist die Hölle“: DHfK-Leipzig-Sprinter schuften am Völkerschlachtdenkmal

Anton Kämpf
Leipziger Volkszeitung
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Roy Schmidt (oben) und Marvin Schulte (unten) wären eigentlich in Florida. Nun trainieren sie an den Treppen des Völkerschlachtdenkmals. © Christian Modla
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Mit dem Völkerschlachtdenkmal in Probstheida gibt es in Leipzig den perfekten Ort für Treppensprints und -sprünge. So unbeliebt die 37 Stufen bei den Leipziger Sprintern Marvin Schulte und Roy Schmidt auch sind - durch sie kommen die beiden Leichtathleten an ihre Grenzen. 

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Leipzig. Eigentlich, ja, eigentlich wären sie jetzt in Florida. 35 Grad, Pool am Haus, optimale Trainingsbedingungen und ein Entkommen aus dem Leipziger Alltag, es ist ein jährliches Highlight für die Leichtathletik-Sprinter des Leipziger Bundesstützpunkt. Selbstverständlich musste der Amerika-Trip zum großen Bedauern der Sprintgruppe um Marvin Schulte und Roy Schmidt vom SC DHfK abgesagt werden. Stattdessen schuften die Olympia-Kandidaten in Leipzig – neuerdings einmal die Woche am Völkerschlachtdenkmal.

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aCH3_4968 © Christian Modla

„Klar, die letzten Stufen tun weh“

„Ich kenne keine Einheit, die intensiver ist. Das macht eher weniger Spaß, aber da muss man durch“, klingt der 21-jährige Schulte nach den harten Treppensprints am Karsamstag nicht unbedingt euphorisch, auch wenn er mit dem Spruch ein wenig übertreibt: „Es ist die Hölle.“ Sein acht Jahre älterer Kollege Schmidt, der 2016 in Rio olympische Luft atmete, weiß: „Da musst du den puren Willen aufbringen.“

Gemeint sind Treppenläufe und -sprünge. In zwei Serien mit drei Steigerungen meistern die Athleten mit verschiedenen Sprungarten die 37 Stufen, zum Abschluss wird noch einmal hoch gesprintet. Die Olympia-Verschiebung auf nächstes Jahr zählt nicht als Ausrede, wobei Schmidt einräumt: „Mit dem Ziel vor Augen ist es wesentlich einfacher, alles herauszukitzeln.“ Und Schulte gibt zu: „Als das alles feststand, bin ich kurz in ein Motivationsloch gefallen und habe gedacht: Wofür macht man das?“

Treppensprint-Training der Sprintgruppe des LAZ SC DHfK am Völkerschlachtdenkmal

Anmerken lassen sich das die Profis nicht. Ihr Trainer Alexander John kann kein Motivationstief seiner Schützlinge ausmachen. „Wir haben versucht, den Jungs klarzumachen, an ihren Defiziten und Potenzialen zu arbeiten.“ Und bislang besteht ja noch die Hoffnung auf eine späte Freiluftsaison, womöglich sogar mit der EM in Paris. Dass die Stufen des „Völki“ hoch und lang sind, ist dem Coach bewusst: „Klar, die letzten Stufen tun weh, aber da muss jeder Sprinter auf die Zähne beißen.“

„Es ist mein einziger sozialer Kontakt“

An den beiden folgenden Osterfeiertagen heißt es, sich individuell fit zu halten. Andere Spitzensportler wie Radsport-Ass und DHfK-Klubkollege Felix Groß ziehen sogar voll durch. Ab Dienstag trainieren die Sprinter wieder täglich mit Ausnahmegenehmigung des Freistaates Sachsen im Sportforum – mit neuem Trainingsplan und veränderten Methoden. „Es ist nichts im Sinne von Bewegungstherapie, alles muss seinen Mehrwert haben“, spricht der Coach aus Alexander John. Um alle bei Laune zu halten, werde auch mal zur Erwärmung Fußball gespielt.

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Die täglichen Einheiten unter Einhaltung aller Abstandsregeln, sind eine Abwechslung zur Ausgangssperre, wie Roy Schmidt erzählt. „Es ist mein einziger sozialer Kontakt, darüber bin ich sehr froh.“ Traurig ist er über das ausgefallene Trainingslager: „Ich reise sehr gerne und habe oftmals Fernweh, wenn ich länger in Leipzig bin.“

Corona machte Marvin Schulte nicht nur in Sachen Reisen einen Strich durch die Rechnung, auch sein Auszug aus dem Elternhaus im Frühsommer muss verschoben werden. „Dieses Jahr ist es aber noch geplant“, so der DHfK-Sprinter, der schon lange schnelle Beine hat, nun aber auch generell im Leben auf eigenen Füßen stehen will.