09. Februar 2021 / 17:57 Uhr

"Es ist zum Verzweifeln": Wolfsburg so gut wie lange nicht, aber Fans schieben Frust

"Es ist zum Verzweifeln": Wolfsburg so gut wie lange nicht, aber Fans schieben Frust

Marcel Westermann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Müssen momentan ohne Fans jubeln: Die Profis des VfL Wolfsburg.
Müssen momentan ohne Fans jubeln: Die Profis des VfL Wolfsburg. © Darius Simka/VfL Wolfsburg
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Der VfL Wolfsburg ist derzeit so erfolgreich wie lange nicht. Doch feiern muss der Fußball-Bundesligist seine Siege ohne Fans. Das Stadion ist wegen der Corona-Pandemie zu - den Anhängern schmerzt das Herz. 

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Tabellenplatz drei, zu Hause noch ungeschlagen, insgesamt nur zwei Niederlagen in der Fußball-Bundesliga (bei Bayern München und bei Borussia Dortmund) - der VfL spielt eine bärenstarke Saison und ist so erfolgreich wie lange nicht. Und ausgerechnet jetzt, wo es so gut läuft, können die Fans nicht dabei sein, die VW-Arena ist aufgrund der Corona-Pandemie geschlossen. Und so fiebern die Anhänger des Wolfsburger Fußball-Bundesligisten vorm Fernseher mit.

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Sechs Jahre ist es her, dass der VfL zuletzt so richtig gut drauf war. Mit Ausnahmespieler Kevin De Bruyne und den Leistungsträgern Ivan Perisic, Bas Dost, Naldo, Maximilian Arnold, Marcel Schäfer und Co. spielten die Wolfsburger oben mit, landeten am Saisonende hinter dem FC Bayern auf Platz zwei und gewannen den DFB-Pokal. Was folgte, waren Spielzeiten des Leidens. In zwei Fastabstiegs-Saisons in Folge rettete sich der VfL erst in der Relegation - 2017 gegen Eintracht Braunschweig, 2018 gegen Holstein Kiel. Und jetzt, wo es wieder bergauf geht, Wout Weghorst und Co. ansehnlichen und sehr erfolgreichen Fußball spielen, dürfen die Fans nicht dabei sein.

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Am 7. März 2020, also vor fast einem Jahr, hatten die Wolfsburger beim 0:0 gegen RB Leipzig zum bisher letzten Mal vor vollen Rängen gespielt. Rund 27.000 Anhänger peitschten ihre Jungs in der VW-Arena nach vorn. Fünf Tage später, beim Achtelfinal-Hinspiel der Europa League gegen Schachtar Donezk war wegen Covid erstmals gähnende Leere auf den Rängen. Dass zwischenzeitlich 500 bis 6000 Fans zu Heimspielen durften - ein Tropfen auf den heißen Stein. Seit Monaten muss der VfL ohne Zuschauer jubeln. "Es ist momentan leider nicht möglich, die Erfolge mit den Fans zu feiern", bedauert Sportdirektor Schäfer. "Man hat gesehen, dass wir die Situation auch so händeln können, aber schön ist es trotzdem nicht."

Nicht schön - weder für den Verein noch für die Anhänger. "Für uns ist es brutal, dass wir nicht ins Stadion dürfen. Das fällt sehr schwer", sagt VfL-Fan Michael Günterberg, der bei VW arbeitet und normalerweise in seiner Freizeit auch gern am Trainingsplatz steht. "Die Situation lässt es gerade halt nicht zu. So fiebert man jetzt vor dem Fernseher mit, ärgert sich bei Fehlpässen und Gegentoren oder freut sich bei Siegen mit der Mannschaft. Aber du hast das Gefühl, du bist 1000 Kilometer entfernt." Gabriel Schomburg, seit 1997 Wolfsburg-Fan, sieht es ähnlich: "Es ist zum Verzweifeln. Da spielt unser VfL zum Teil wirklich ansehnlichen Fußball und fährt auch noch Punkte am laufenden Band ein und wir Fans sind zum stillen Genießen abseits des Geschehens verdammt."

Gern würden die Fans der Mannschaft die Anerkennung zeigen, die sie verdient hat. "Es ist sehr schade, dass wir die Spiele nicht live verfolgen können", sagt Lothar Hilmer (Vorsitzender der „Aller-Ohre-Wölfe“). "Die Leistung ist top, das Team harmoniert zusammen. Es tut in der Seele weh, nicht dabei sein zu dürfen." Für Philip Henkel, Chef des VfL-Fan-Dachverbandes Supporters, ist es ebenfalls "blöd, nicht ins Stadion zu können", weil er es in erster Linie genießt, "dort meine Leute zu treffen". Aber wenn es nach ihm ginge, würde die Bundesliga wegen der aktuellen Pandemie-Lage "gar nicht stattfinden".

Doch die Realität sieht anders aus, es darf gespielt werden, der Profi-Fußball genießt eine Sonderstellung - aber eben ohne Fans. Lars „Lenny Nero“ Vollmering, VfL-Fan-Blogger und Buchautor, findet es "schade für die Anhänger. Die Saison plätschert voll an einem vorbei. Es berührt einen alles nicht so wie sonst, das ist total schade. Die Erfolge werden nicht so gewürdigt wie es sein sollte." Das bedauern auch die Spieler und Verantwortlichen des VfL. "Nicht nur für die Fans, sondern auch für uns ist es hart. Wir wünschen uns alle nichts sehnlicher, als dass wieder Normalität einkehrt und wir vor Fans spielen und gemeinsam feiern dürfen", betont Schäfer und - da dürften sich alle einig sein - er sagt: "Denn gerade das macht den Fußball aus."