21. November 2021 / 16:04 Uhr

Es pfeffert im Derby: 1. FC Lok Leipzig bezwingt tapfere Chemiker

Es pfeffert im Derby: 1. FC Lok Leipzig bezwingt tapfere Chemiker

Rainer Kelch
Leipziger Volkszeitung
Riesenjubel: Lok Leipzig gewinnt durch ein Tor von Sascha Pfeffer das Derby.
Riesenjubel: Lok Leipzig gewinnt durch ein Tor von Sascha Pfeffer das Derby. © PICTURE POINT
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Zum 104. Mal kreuzten Lok Leipzig und die BSG Chemie die Klingen. Bei leichtem Regen sahen die Fans ein umkämpftes Derby, bei dem die Probstheidaer ihre eigentlichen Stärken nicht wie gewohnt ausspielen konnten. Die Gäste aus Leutzsch standen gut und konnten immer wieder Nadelstiche setzen, nutzten aber ihre Möglichkeiten nicht. Zum Schluss reichte den Blau-Gelben eine Torchance, die Sascha Pfeffer zum 1:0-Endstand verwandelte.

Leipzig. Einen Tag vor Beginn des Quasi-Lockdowns, bei dem sportliche Großveranstaltungen in Sachsen vorerst wieder ohne Zuschauer stattfinden, war am Sonntag in Leipzig noch einmal Derby-Zeit. Blau-Gelb gegen Grün-Weiß, „Club“ gegen BSG, Lok gegen Chemie. Der Gastgeber aus Probstheida gewann dank des Treffers von Sascha Pfeffer in der 76. Minute mit 1:0 und schaffte die Revanche für das 0:2 vor zwei Jahren in Leutzsch. Für Chemie war es nicht nur die dritte Niederlage in Folge, sondern eine ganz besonders bittere. Denn die Gäste hatten teilweise optische Vorteile und bis zum Gegentreffer die besseren Möglichkeiten.

Lok in Bestbesetzung

Dieses ewig junge Duell der Traditionsclubs zieht auch unter 2G-Bedingungen: 4.764 Zuschauer waren beim Kracher dabei – einer davon Sachsens Fußballboss Hermann Winkler. Inklusive wie immer viel Polizei und einige spezielle Sicherheitsvorkehrungen – oder wie Ex-Lok-Torwart Benny Kirsten sagte: „Wenn der Hubschrauber kreist, weißt Du, dass Derby-Zeit ist.“

DURCHKLICKEN: Die Bilder zum 104. Leipziger Derby

Der 1. FC Lok Leipzig konnte am Sonntag das 104. Derby für sich entscheiden. Die Blau-Gelben gewannen knapp mit 1:0 gegen aufopferungsvoll kämpfende Leutzscher. Zur Galerie
Der 1. FC Lok Leipzig konnte am Sonntag das 104. Derby für sich entscheiden. Die Blau-Gelben gewannen knapp mit 1:0 gegen aufopferungsvoll kämpfende Leutzscher. ©

Eine gute Nachricht für die Lok-Fans gab es schon vor Beginn der Partie: Dem Einspruch der Blau-Gelben beim NOFV wegen der gelben Karte von Mittelfeld-Abräumer Zak Piplica war kurzfristig noch stattgegeben worden. Weil Video-Aufnahmen belegten, dass Eric Voufack statt Piplica bei der 1:3-Niederlage gegen Energie Cottbus geschubst hatte, wurde dessen Verwarnung und damit auch die Sperre nach dem fünften gelben Karton gestrichen.

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Weil auch Farid Abderrahmane nach (leichter) Covid-Erkrankung wieder fit war, konnte Lok so in Bestbesetzung auflaufen. Auch bei den Chemikern stand ein Spieler von Beginn an auf dem Feld, mit dem man nicht unbedingt rechnen musste: Florian Brügmann, der bei der 0:1-Heimniederlage gegen die VSG Altglienicke vom Platz getragen werden musste, war rechtzeitig fit. So fehlte nur Benjamin Boltze (Mittelhandbruch), Mittelstürmer Stephane Mvibudulu saß nach überstandener Achillessehnenverletzung erstmals wieder in einem Punktspiel auf der Bank.

Gastgeber phasenweise sehr ungenau

Angepfiffen werden konnte nicht pünktlich 14:05 Uhr, weil noch einige Rauchschwaden aus beiden Fanlagern abziehen mussten. Anschließend entwickelte sich eine Partie, bei der beide Teams anfangs sehr nervös und zurückhaltend agierten. Lok mit mehr Ballbesitz und Kombinationsfußball, Chemie zog sich weit zurück und lauerte auf Konter. Zu sehen waren in den ersten zwanzig Minuten aber vor allem viele Abspiel- und Stockfehler.

Die erste gefährliche Aktion kam von Lok in der 25. Minute: Abderrahmane zog im zentralen Mittelfeld drei Gegenspielern davon, legte nach links auf Bogdan Rangelov, dessen Schuss von der Strafraumgrenze aber einen halben Meter am Chemie-Tor vorbei strich. Nun wurde das Spiel minütlich besser, kam auch Chemie stärker in die Partie. Bei einem Konter hatten die Grün-Weißen eine Riesenmöglichkeit, als Wajer mutterseelenallein im Strafraum einen Ball annehmen konnte – aber Lok-Torwart Sievers hatte aufgepasst und klaute dem Chemiker die Kugel vom Fuß (32.). Danach noch einige kleinere Möglichkeiten auf beiden Seiten, aber vor allem ein harter Kampf um jeden Ball und jeden Meter Rasen.


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Thomas Löwe (Präsident Lok Leipzig): Es war ein schweres Spiel mit wenig Torraumszenen. Am Ende haben wir durch einen schönen Spielzug gewonnen. Wir sind überglücklich! Zur Galerie
Thomas Löwe (Präsident Lok Leipzig): "Es war ein schweres Spiel mit wenig Torraumszenen. Am Ende haben wir durch einen schönen Spielzug gewonnen. Wir sind überglücklich!" ©

Zu Beginn der zweiten Halbzeit waren es zunächst die Chemiker, die wacher waren, mehr Biss zeigten, sich ein optisches Übergewicht erkämpften. Lok agierte in dieser Phase sehr ungenau, mit ungenügender Körpersprache und zu großen Abständen zwischen den einzelnen Mannschaftsteilen. Wirklich zwingende Torchancen waren jedoch nach wie vor Mangelware. Mit einem Doppelwechsel Mitte der zweiten Hälfte gewann Lok zumindest in der Defensive die Kontrolle zurück, offensiv ging jedoch weiter wenig. Bis zur 76. Minute: Endlich einmal kam Sascha Pfeffer halbrechts an der Strafraumgrenze relativ frei zum Schuss, zirkelte den Ball ins rechte Eck, ehe er in einer Jubeltraube begraben wurde und bei seiner Auswechslung von den blau-gelben Fans gefeiert wurde. In der Nachspielzeit hatte Chemie noch eine dicke Chance zum Ausgleich. Doch der glückliche Derby-Sieger heißt 1. FC Lok.

Mit: Anton Kämpf