16. Mai 2020 / 13:09 Uhr

"Es wird Zeit für mich": Scheidender Recke Joshua Thiele will mehr Spielpraxis sammeln

"Es wird Zeit für mich": Scheidender Recke Joshua Thiele will mehr Spielpraxis sammeln

Stefan Dinse
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Recken-Kreisläufer Joshua Thiele schließt sich zur kommenden Saison GWD Minden an.
Recken-Kreisläufer Joshua Thiele schließt sich zur kommenden Saison GWD Minden an. © imago images/wolf-sportfoto
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Der scheidende Recke Joshua Thiele will bei GWD Minden "mehr Spielpraxis sammeln". Nach sieben Jahren bei der TSV Hannover-Burgdorf zieht es den 21-Jährigen weiter.  Die Wohngemeinschaft mit Teamkollege Jannis Krone gehört somit der Vergangenheit an.

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Joshua Thiele kann richtig fest zupacken. Das ist sein Job als Kreisläufer. Nun wird es aber langsam Zeit, wieder loszulassen. Der Profihandballer packt allmählich seine Sachen, er zieht demnächst nach Minden. Er wechselt von der TSV Hannover-Burgdorf zu Ligakonkurrent GWD. Nach sieben Jahren ist zunächst Schluss bei den Recken. „Es wird Zeit für mich, ich will mehr Spielpraxis sammeln“, sagt der 21-Jährige. Vorrangiges Ziel ist es, ein „gestandener Bundesliga-Spieler zu werden“.

Aus Buxtehude war das Talent zur TSV gekommen, arbeitete sich geduldig in die Junioren-Nationalmannschaft und ins Männerteam hoch. In dieser Saison brachte er es auf sechs Tore, kam vornehmlich in der Abwehr zum Einsatz – 13 Zeitstrafen belegen das. Offensiv war an den starken Routiniers Evgeni Pevnov und Ilija Brozovic aber kein Vorbeikommen. Daher ist der Vereinswechsel sinnvoll, bei GWD hat Thiele mit Lucas Meister (23 Jahren) einen ebenfalls jungen Mitstreiter am Kreis. Einige weitere Spieler wie Felix Staar und Juri Knorr kennt Thiele aus dem DHB-Nachwuchsteam. „Da werden wir erst mal sehen, wie es passt“, sagt der scheidende Recke gelassen.

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„Und man weiß eben nicht, wie es weitergeht.“

In Hannover hat es in der abgebrochenen Saison jedenfalls bestens gepasst, sagt Thiele. „Wir können auf das schöne Ergebnis stolz sein. Das Verhältnis in der Mannschaft war noch einen Tick besser als im Jahr zuvor, das war schon besonders und cool.“ Und das Vereinsgefüge bei den Recken sei vielleicht einzigartig in der Liga. Jeder habe mit jedem gekonnt. Besonders gut konnte und kann der 1,93 Meter große und 105 Kilogramm schwere Athlet mit Linkshänder Jannis Krone. Mit ihm lebte er in den letzten drei Jahren in einer WG in der Calenberger Neustadt. Die beiden trainierten in der Corona-Krise oft gemeinsam. „Das macht es leichter“, sagt Thiele, der ein eher zurückhaltender Typ ist.

Auch mit Freundin Carolin übt er, sie ist Trapezkünstlerin im hannoverschen Zirkus Circo, tanzt Ballett und macht Modern Dance. Das eröffnet neue Möglichkeiten für die Fitnessprogramme daheim. Da darf es schon mal ein Handstand an der Wand sein – als eine der leichteren Übungen, wohlgemerkt. Thiele fühlt sich jedenfalls wohl und fit: „Es war gut, längere Zeit frei zu haben, die Pause war schön.“ Auf der anderen Seite fehle ihm die Bindung zur Mannschaft schon. „Und man weiß eben nicht, wie es weitergeht.“ Dass die nächste Spielzeit regulär und mit Zuschauern ausgetragen werden kann, da ist Thiele „eher skeptisch“.

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Platz 1: Timo Kastening mit 144 Toren (50 Siebenmeter) Zur Galerie
Platz 1: Timo Kastening mit 144 Toren (50 Siebenmeter) ©

Den Traum vom Profihandballer leben und genießen

Nun kommt viel Neues auf ihn zu. Eine Wohnung direkt an der Weser hat Thiele bereits gefunden. Sein Energietechnikstudium bricht er ab, beginnt dafür ein Fernstudium zum Wirtschaftsingenieur (Schwerpunkt Industrie 4.0). Die Zugverbindung nach Minden ist schnell, nur etwa 45 Minuten dauert die Reise. Der vielseitige Hobbysportler und passionierte Taucher betont: „Minden ist echt nicht aus der Welt.“

Nicht aus der Luft gegriffen sind die sportlichen Ziele von Joshua Thiele. Das gesicherte Mittelfeld soll es mit GWD werden, am besten ein einstelliger Tabellenplatz. Und sonst noch? „Ich habe, seit ich Handball spiele, nie ein festes Ziel vor Augen gehabt“, sagt Thiele. Den Traum vom Profihandballer leben und genießen, so ließe es sich wohl zusammenfassen. Alles Weitere sei schon wegen der Corona-Krise „einfach nicht greifbar“. Auch nicht für einen Sportler, der so kräftig zupacken kann.