29. Oktober 2020 / 11:00 Uhr

Nach Wildschwein-Attacke: Viel Unterstützung für den ESV Kirchmöser

Nach Wildschwein-Attacke: Viel Unterstützung für den ESV Kirchmöser

Maximilian Krone
Märkische Allgemeine Zeitung
Jörg Leich schaut auf den zerstörten Rasenplatz des ESV Kirchmöser.
Jörg Leich schaut auf den zerstörten Rasenplatz des ESV Kirchmöser. © André Großmann
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Nach der Zerstörung des Rasenplatzes erhielt der ESV Kirchmöser (Kreis Havelland) Unterstützung von Vereinen aus der Nachbarschaft. Doch auch ein Verein, dessen Heimat mehr als 30 Kilometer entfernt ist, zeigte sich solidarisch: der FC Deetz.

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"Wie heißt es immer so schön: In den Farben getrennt, in der Sache vereint", sagt Dennie Rufflett, Vereinspräsident des FC Deetz, mit Blick auf das vergangene Ligaspiel der Reserve gegen den ESV Kirchmöser. Das hatte der Verein nämlich kurzerhand zum Benefizspiel erklärt. Die Partie ging aus Sicht der Deetzer zwar mit 2:3 verloren, doch das Ergebnis sollte dabei nicht im Vordergrund stehen.

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Ende September erwischte es den ESV Kirchmöser (Brandenburg) hart. Eine Rotte Wildschweine hatte den Fußballplatz "Am Seegarten" umgepflügt und ihn unbespielbar gemacht. "Du verlierst plötzlich jegliche Lust und Motivation", sagt Jörg Leich, stellvertretender Abteilungsleiter des ESV. "Du arbeitest ein ganzes Jahr lang, damit dieser Platz bespielbar ist, und von einem auf den anderen Tag ist der Rasen komplett zerstört."

Dabei spricht der 49-Jährige auch von "Existenzängsten, da dein kompletter Spiel- und Trainingsbetrieb gefährdet ist."

In Bildern: Der FC Deetz II unterliegt dem ESV Kirchmöser mit 2:3.

Der FC Deetz II (blaue Trikots) unterliegt dem ESV Kirchmöser mit 2:3. Die Einnahmen des Spiels gingen vollständig an den ESV, zugunsten der Reparatur seines Rasens, der von Wildschweinen zerstört wurde. 1293,50€ gingen dabei in die Vereinskasse der Kirchmöser Kicker. Zur Galerie
Der FC Deetz II (blaue Trikots) unterliegt dem ESV Kirchmöser mit 2:3. Die Einnahmen des Spiels gingen vollständig an den ESV, zugunsten der Reparatur seines Rasens, der von Wildschweinen zerstört wurde. 1293,50€ gingen dabei in die Vereinskasse der Kirchmöser Kicker. © Verein

Nachbarvereine helfen in der Not

Dass diese Ängste jedoch nicht lange anhielten, haben die Kirchmöser Verantwortlichen auch den Nachbarvereinen zu verdanken. "Empor Brandenburg bot uns sofort deren Sportplatz an, und auch der SV Blau-Weiß Wusterwitz, mit denen wir im Jugendbereich in einer Spielgemeinschaft sind, gab uns diese Möglichkeiten. Das bietet sich aufgrund der Lage natürlich an", sagt Leich.

Besonders erfreut sind Leich und seine Kollegen über das Engagement des FC Deetz, der eine 45-minütige Autofahrt entfernt sein Zuhause hat. "Da herrscht ja schon eine gewisse Entfernung zwischen beiden Vereinen, das ist wirklich nicht selbstverständlich." Doch wie kamen die Deetzer, die mit ihrer ersten Herrenmannschaft in der Kreisoberliga an den Start gehen, auf diese Idee?

"Ich habe die Meldung gesehen und da war mir klar, dass wir helfen müssen. Ich habe dann in den Spielplan geschaut und gesehen, dass wir in zwei Wochen gegeneinander spielen", erklärt Rufflett. "Dann habe ich mich mit den Verantwortlichen aus Kirchmöser in Verbindung gesetzt und das Heimrecht getauscht. Im Vorstand waren wir dann einstimmig dafür, dass die kompletten Einnahmen zugunsten des ESV gehen."

1293,50 Euro kamen dabei zusammen. Die zusätzlichen Einnahmen kamen zum einen durch einen Kuchenbasar zustande, zum anderen durch die Versteigerungen von zwei unterschriebenen Trikots von Robert Lewandowski sowie eines von der TSG Hoffenheim. Diese stellte die Berateragentur von Lewandowski zur Verfügung, die auch Maximilian Beier unter Vertrag hat - der jüngste Bundesligaprofi der TSG Hoffenheim, der aus der Kirchmöser Jugend stammt.

"In Zeiten von Corona hat jeder Verein mit seinen Einnahmen zu tun, und der ESV Kirchmöser hätte über längere Zeiten gar keine Einnahmen gehabt", erklärt Rufflett den vorbildlichen Einsatz seines Vereins. "Es ist wichtig, dass wir helfen konnten."

Der FC Deetz hat drei Trikots versteigert. Die Trikots, zwei von Robert Lewandowski und eines von der TSG Hoffenheim, wurden von der Beraterfirma EUROSPORTMANAGEMENT, die den polnischen Top-Stürmer und Maximilian Beier, ehemaliger Kicker des ESV, und Talent der TSG unter Vertrag haben.
Der FC Deetz hat drei Trikots versteigert. Die Trikots, zwei von Robert Lewandowski und eines von der TSG Hoffenheim, wurden von der Beraterfirma EUROSPORTMANAGEMENT, die den polnischen Top-Stürmer und Maximilian Beier, ehemaliger Kicker des ESV, und Talent der TSG unter Vertrag haben. ©

Auf dem Platz wird nichts geschenkt

Im Spiel ging es dann dennoch heiß her. "Es war brisant und hitzig und von der Spannung her sehr gut", sagt der Deetzer Vereinspräsident. "Das Spiel fand vor 112 Zuschauern statt, es war wirklich eine gute Stimmung und für die 2. Kreisklasse war es schon ein richtig gutes Spiel." Jan König brachte die Gäste in der 20. Minute in Führung, doch nur zwei Minuten später traf Christian Scholz zum Ausgleich (22.). Auch in der zweiten Hälfte gingen die Kicker des ESV durch Michael Neumann in Front, die Antwort der Hausherren kam, wenn auch ein wenig später als in Durchgang eins, durch Maurice Wenzig (76.). Den Schlusspunkt unter die unterhaltsame Partie setzte Leon Deparade mit dem 3:2-Siegtreffer für Kirchmöser.

Schon vor dem Spiel erhielt der Fußballverein aus Kirchmöser Unterstützung vom Rewe-Markt in Plaue. Der Chef des Marktes, Peter Koppenhagen, hat seine finanzielle Hilfe zugesagt und an den Abteilungsleiter Sigurd Glock einen 1000-Euro-Scheck übergeben. Von diesem Geld soll nun ein neuer Wildschutzzaun errichtet werden, der verhindert, dass erneut Wildschweine den Platz verwüsten.

Peter Koppenhagen (r.) überreichte Sigurd Glock einen Scheck über 1000 Euro. 
Peter Koppenhagen (r.) überreichte Sigurd Glock einen Scheck über 1000 Euro.  © Verein

Sportlich sieht es für den ESV deutlich besser aus, als es der Sportplatz derzeit tut. Mit 13 Punkten aus sechs Spielen rangieren die Schwarz-Roten auf dem dritten Tabellenplatz. Das Ziel ist klar: "Wir wollen, im zweiten Jahr nach Neugründung unserer Männermannschaft, den Aufstieg packen. Im letzten Jahr war es schon sehr knapp, aber diesmal wollen wir hoch", verrät Leich. Gefeiert werden sollte dann - natürlich - wieder auf dem heimischen Sportplatz und das auch ganz ohne tierischen Besuch.