30. Juli 2020 / 14:51 Uhr

ESV Lok Döbeln: „Sind ein Verlierer der Corona-Krise"

ESV Lok Döbeln: „Sind ein Verlierer der Corona-Krise"

Heiko Henschel
Leipziger Volkszeitung
Symbolbild
Einige ESV- Spieler sind während der Zwangspause endgültig abgesprungen. © Imago/Ralph Peters
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Personeller Aderlass: Der ESV Lok Döbeln muss starke personelle Verluste verkraften. Trainer und Verein basteln momentan an einer schlagkräftigen Truppe für die nächste Saison.

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Döbeln. Auf freier Strecke stehen geblieben ist die Lokomotive zum Glück dann doch nicht, aber die Geschwindigkeit musste noch vor dem nächsten Bahnhof spürbar gedrosselt werden. Die Fußballer des ESV Lok Döbeln haben sich zwar aus der Kreisliga A, aber nicht wie zwischenzeitlich befürchtet komplett aus dem Spielbetrieb zurück gezogen.

Wenngleich die Eisenbahner nach wechselnden Haltestellen in verschiedensten höherklassigen Ligen eben nicht mehr im ICE oder im Schnellzug oder im Personenzug, sondern mittlerweile in der Bimmelbahn unterwegs sind. Der Vereinsvorsitzende Olaf Junges erklärt sachlich-nüchtern die Hintergründe für den Umstieg: „Wir sind im Grunde genommen ein Verlierer der Corona-Krise. Einige bereits vorher wankelmütige Spieler sind während der Zwangspause endgültig abgesprungen.

ESV setzt auf Neuanfang

Alle Bemühungen zum Auffangen der personellen Verluste sind fehlgeschlagen, so mussten wir die Reißleine ziehen.“ Oder die Notbremse betätigen, um im Jargon der Eisenbahner zu bleiben. Der ESV-Präsident lässt auch durchblicken, dass er keine Wetten auf das Aufgehen der Rechnung eingeht. Wenigstens sieht er einen kleinen Lichtblick am Ende des Tunnels: „Wir sind froh darüber, überhaupt noch dabei zu sein. Und wir hoffen natürlich auf zeitnahe Besserung der Lage hinsichtlich der Besetzung des Kaders.“ Dabei standen die Großbauchlitzer bereits vor einem Jahr vor einer ähnlich schwierigen Situation. Damals verabschiedete sich mehr als die halbe Mannschaft in Richtung Niederstriegis.

Ein mächtiger Schlag ins Kontor, welchen die Rot-Schwarzen nach anfänglichen Schwierigkeiten im weiteren Verlauf der Saison allerdings erstaunlich gut weg steckten. Immerhin landete die Mannschaft von Trainer Frank Domaniecki - welcher im kommenden Spieljahr als Lokführer weiterhin den Kurs bestimmt - einen respektablen 7.Tabellenplatz. Mit dem 15 Treffer erzielenden Toni Jörg Beyersdorf (damit Dritter der Torschützenliste in der Staffel) kristallisierte sich nach dem Abgang von Steven Kaulich sogar ein neuer Goalgetter heraus. Nun jedoch steht der nächste Neuanfang ins Haus. Dass die Verantwortlichen der Muldestädter dem Frieden noch nicht so richtig trauen, ist aber unübersehbar.

Truppe muss durchhalten

Als einziges Herrenteam im Kreisverband hat man auf die Teilnahme am Pokalwettbewerb verzichtet und Testspiele sind bislang auch noch keine ausgehandelt worden. Kommt Zeit, kommt Rat? Mit Sicherheit wird der amtierende Coach nach seinem Kuraufenthalt zusammen mit der Clubleitung sofort an einer schlagkräftige Truppe für die nächste Saison basteln. Und vielleicht können die Döbelner auch nach dem jüngsten personellen Aderlass für eine positive Überraschung hinsichtlich ihrer Positionierung im Klassement sorgen. Selbst wenn es nun lediglich in der 10. Liga um Punkte geht.

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Am Ende des Tages ist es besser als gar nichts. In der größten Not frisst der Teufel bekanntlich Fliegen. Und ein späterer Aufschwung ist schließlich keineswegs Utopie. Wenngleich noch einiges Wasser durch die Mulde fließen wird, ehe die intensive Nachwuchsarbeit Früchte tragen kann. Denn die zahlreichen jungen Lok-Kicker sind längst noch nicht in dem Alter, um die Reihen der Erwachsenen zu verstärken. Zu mindestens bis dahin muss die zuletzt immer wieder geschrumpfte aktuelle Garde noch durchhalten.