13. April 2021 / 17:22 Uhr

Etablierte und Drängler: Potsdams Kanuten vor der zweiten Sichtung

Etablierte und Drängler: Potsdams Kanuten vor der zweiten Sichtung

Tobias Gutsche
Märkische Allgemeine Zeitung
Martin Hiller überzeugte zuletzt – trotzdem wird es für den Youngster schwer im Kampf um Tokio.  
Martin Hiller überzeugte zuletzt – trotzdem wird es für den Youngster schwer im Kampf um Tokio.   © Ute Freise
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In Duisburg kämpfen die Paddler um Tickets für den Weltcup - und damit um ihren Traum von Olympia in Tokio. Während Top-Leute wie Sebastian Brendel gut auf Kurs liegen, machen Youngster wie Martin Hiller Druck.

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Ralph Welke sieht die Kanu-Flotte des KC Potsdam im OSC auf gutem Kurs in Richtung Olympia in Tokio. Der langjährige Erfolgstrainer und jetzige Potsdamer Bundesstützpunktleiter findet, dass die KCP-Athleten bei der ersten nationalen Sichtung vor eineinhalb Wochen in Duisburg „schon ein ordentliches Pfund“ vorgelegt haben. „Jetzt sind aber keine Nachlässigkeiten erlaubt“, sagt er vor der zweiten und damit abschließenden Runde, die ab Donnerstag an gleicher Stelle ausgetragen wird.

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Rauhe darf zu Hause bleiben

Bei der Regatta werden die Startplätze für den Weltcup nächsten Monat vergeben, der dann wiederum als letzte Qualifikationshürde auf dem Tokio-Weg genommen werden muss. Bereits sicher im Weltcup-Team ist Sprint-Routinier Ronald Rauhe, der nach zwei Siegleistungen vom Auftakt im Kajak gesetzt ist und nun nicht noch mal starten muss. Auch Mittelstreckenspezialist Jacob Schopf könnte mit sicherem Gefühl eigentlich pausieren, „will aber trotzdem mitpaddeln, weil er einfach will“, sagt Welke.

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Bei den Kajak-Herren, Deutschlands derzeit stärkster Disziplingruppe, sorgte zudem ein weiterer KCP-Athlet für Aufsehen. Der erst 21 Jahre alte Martin Hiller fuhr bei der ersten Sichtung mit an der Spitze, ließ etliche Etablierte wie die Olympiasieger Max Hoff und Tom Liebscher, der sich nach einem fünffachen Wirbelsäulenbruch im Herbst zurückkämpft, hinter sich. „Ich hatte zuvor schon ein gutes Gefühl und wusste, dass ich vorne dabei sein kann“, sagt der vierfache Nachwuchs-WM-Medaillengewinner, der 2019 auch bereits Bronze bei den Welttitelkämpfen der Elite geholt hatte – auf einer nicht-olympischen Strecke.

Brendel: „Es läuft alles nach Plan"

Nun hat er sich mit Top-Fahrten in Duisburg für die Olympia-Mannschaft ins Gespräch gebracht. Allerdings wird es für ihn schwer, die bisherigen Spitzenathleten noch zu verdrängen, weil diese im Nominierungsprozess aufgrund ihrer Vorleistungen kleine Boni haben. „Ich versuche jetzt einfach, noch mal einen rauszuhauen. Und dann gucken wir weiter“, sagt Hiller. „Ich habe ja noch ein paar Jahre und andere Olympische Spiele vor mir.“

Dreifach-Olympiasieger Sebastian Brendel will auch bei Spielen in Tokio erfolgreich sein. 
Dreifach-Olympiasieger Sebastian Brendel will auch bei Spielen in Tokio erfolgreich sein.  © Andreas Gora/dpa

Sebastian Brendel hat schon zwei Olympia-Teilnahmen und drei Goldmedaillen zu verbuchen. Mit seinem Sichtungssieg Anfang April über die 1000 Meter arbeitet der Canadierfahrer an der Fortsetzung seiner Erfolgsgeschichte. Knapp setzte er sich vor seinem Berliner Kontrahenten Conrad Scheibner durch, der ihm in den Vorjahren auch Niederlagen zugefügt hatte. „Es läuft alles nach Plan“, ist Brendel mit dem derzeitigen Stand zufrieden.

Fokus auf den Zweier

Für die zweite nationale Selektion und den Weltcup habe nun der Zweier Priorität, sagt der Brandenburger. „Wir sind guter Dinge. Unsere Einer-Leistungen haben gepasst, das ist die beste Voraussetzung.“ Nach der Trennung von seinem Rio-Gold-Partner Jan Vandrey paddelt der 33-Jährige seit 2020 gemeinsam mit Tim Hecker aus Berlin. Ihre größte Konkurrenz im eigenen Land dürfte das Duo Scheibner und Michael Müller (Magdeburg) sein. Derweil bereits aus dem Rennen, bevor es überhaupt los geht, sind die Weltmeister von 2017 und 2018 in dieser Konstellation. Weil Yul Oeltze (Magdeburg) im Einer enttäuschte, muss der Ex-Potsdamer und 2012-Olympiasieger Peter Kretschmer (Leipzig) stattdessen mit Nico Pickert (Bochum) das Zweier-Kräftemessen aufnehmen.

Zum Weltcup stellt Deutschland dann traditionell zwei Boote pro Wettkampfklasse, um endgültig die Nummer eins für den Saisonhöhepunkt zu ermitteln. „Es ist spannend und es bleibt spannend“, sagt Welke, der bei den Canadier-Frauen Annika Loske und vor allem Ophelia Preller „unter Zugzwang“ sieht, um in der Rangliste die Verhältnisse zugunsten seines Stützpunktes zu verbessern. Bei den Kajak-Damen hat sich der KCP bislang nicht hervorgetan. Die Disziplingruppe gilt als deutsches Paddel-Problemfeld. In Abwesenheit der Potsdamer Frontfrau Franziska John, die nach ihrer Zwillingsgeburt pausiert, und die Rio-Zweite Steffi Kriegerstein aus Dresden, die nach Corona-Infektion aussetzt, fehlt es derzeit an nachkommender Leistungsstärke. Ganz anders also im Vergleich zu den Männern, wo beispielsweise Martin Hiller zunehmend drängelt.