30. April 2020 / 15:22 Uhr

Eugen Schellenberg: Der Leistungsträger vom BSK Seelze gibt das Box-Gen weiter

Eugen Schellenberg: Der Leistungsträger vom BSK Seelze gibt das Box-Gen weiter

Christian Purbs
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Eugen Schellenberg und Sohn Leon.
Eugen Schellenberg und Sohn Leon. © Florian Petrow/privat
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Beim BSK Seelze was Eugen Schellenberg lange Zeit Leistungsträger und Publikumsliebling. Sohn Leon steigt nun in die Fußstapfen des Vaters.

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Halbe Sachen sind nicht das Ding von Eugen Schellenberg. Schon gar nicht, wenn es ums Boxen geht. Jahrelang war er beim BSK Seelze Leistungsträger und Publikumsliebling, immer fit, wenn er in den Ring stieg, den er in den meisten seiner fast 200 Kämpfe in der 2. und 1. Bundesliga auch wieder als Sieger verließ.

Nur als es ums Aufhören ging, wurde sich der konsequente Kämpfer ein bisschen untreu. Zweimal hatte Schellenberg die Boxhandschuhe bereits an den Nagel gehängt und dann bei zwei Comebacks doch erneut die Fäuste geschwungen. Vor gut zwei Jahren war dann jedoch endgültig Schluss. Aber so ganz ohne Boxen geht’s auch heute nicht.

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Einen Sandsack im Wohnzimmer oder einen Boxring im Garten, um auch in der Corona-Krise in Schwung zu bleiben, braucht der 36-Jährige nicht. Er hat Leon, seinen 15-jährigen Sohn. „Leon boxt ja auch aktiv und sehr gut, wir treiben uns gegenseitig an, wenn einer mal keine Lust hat. Dann laufen wir zusammen oder halten uns gegenseitig die Pratzen. Außerdem habe ich eine Hantelbank, auf der wir uns ein bisschen fit halten können“, sagt Schellenberg, der mit seiner Frau Irina und seinen Söhnen Leon und dem achtjährigen Devin in Seelze wohnt.

Schellenberg: Stolz auf den Boxnachwuchs

Der Stolz in der Stimme von Schellenberg ist nicht zu überhören, wenn er über den jüngsten Boxer in der Familie spricht. „Im vergangenen Jahr ist Leon deutscher Vizemeister geworden. Dieses Jahr wollte er sich den Titel holen und war auch gut vorbereitet. Doch die Corona-Krise hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht. Bis Ende Juni gibt es erst einmal keine Möglichkeit, irgendwo zu boxen. Gut möglich, dass sich das bis zum Ende des Jahres nicht ändern wird“, sagt der Verwaltungsfachangestellte der Stadt Seelze.

Bis zum großen Triumph des Filius mag es deshalb noch ein bisschen dauern, ein besonderes Ereignis haben Vater und Sohn allerdings schon gemeinsam erlebt. „Leon hatte sich gewünscht, dass wir beide einmal bei einer Veranstaltung boxen“, erzählt der zweifache deutsche Amateurmeister im Schwergewicht. Zum Bundesliga-Auftakt 2016 vor großer Kulisse stieg das Nachwuchstalent des BSK Seelze zu einem Einlagekampf im Papiergewicht in den Ring – und gewann überzeugend. Danach gab Eugen Schellenberg, begeistert gefeiert von den Zuschauern, sein Comeback. „Das hat super geklappt, diese kleine, ganz besondere Geschichte haben wir gemeinsam geschrieben“, sagt Eugen Schellenberg.

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In den Jahren davor hatte er mit seinen Leistungen für Box-Geschichte gesorgt. In Kasachstan geboren, kam die Familie 1994 nach Deutschland – und Eugen über seinen Vater zum Boxen. „Er war in der damaligen Sowjetunion ein bekannter Schwergewichtler, musste aber schon sehr früh wegen einer Schulterverletzung aufhören. Er hat mich nach und nach zum Boxen gebracht. Ich wollte als Zehnjähriger lieber Fußball spielen. Aber dann kamen beim Boxen die ersten Erfolge und mein Vater sagte zu mir: ,Wenn du jetzt so weitermachst, wirst du ein ganz Großer‘“, erzählt der 36-Jährige.

Zwei Titel für das Schwergewicht

Und Eugen machte weiter. Neben zahlreichen Pokalen und Siegen mit dem BSK gewann er auch zweimal die deutsche Amateurmeisterschaft im Schwergewicht. „Das waren meine größten Erfolge. Leider hatte ich Pech, dass der Nationaltrainer mich bei internationalen Turnieren wie Europa- und Weltmeisterschaften nicht berücksichtigt hat. Da hat er die Sportsoldaten immer vorgezogen. Das ist das Einzige, worüber ich wirklich sauer war. Das war auch ein Grund, warum ich mit 30 Jahren aufgehört habe. National hatte ich ja alles gewonnen, war mit der Mannschaft und im Einzel deutscher Meister“, sagt Schellenberg..

Ein Jahr lang machte er Pause, merkte dann jedoch, „dass ich noch Feuer habe und boxen wollte“. Einen Schubser bei seiner Entscheidungsfindung gab ihm sein langjähriger Trainer beim BSK und guter Freund Arthur Mattheis. „Er hat mich immer wieder angesprochen und gesagt: ,Eugen, du kannst es noch. Wenn du fit bist, schlägst du jeden.‘“ Schellenberg, der aufgrund seines eleganten Boxstils, seiner feinen Technik und Fairness in Boxkreisen „Gentleman“ genannt wird, wurde wieder fit – und schnell auch wieder der Herr im Ring. Nach einer weiteren kurzen Unterbrechung und anschließender Rückkehr machte er seinen letzten Kampf im Februar 2018 für den BSK Seelze. Dann war wirklich Schluss.

Schellenberg bleibt dem BSK Seelze erhalten

Seinem Sport und seinem Verein ist Schellenberg jedoch erhalten geblieben. Zusammen mit Dmitri Schunk und Viktor Schedel bildet er das Trainertrio beim Seelzer Bundesligisten, der vor der Corona-Zwangspause mit 5:5 Punkten den vierten Platz belegte. Eine Aufgabe, die dem ehemaligen Schwergewicht viel Freude macht, weil er so seine Erfahrung an den Boxnachwuchs weitergeben kann. Und dabei selbst noch etwas lernt.

„Der Unterschied zu früher ist, dass man als Trainer durchgehend aufgeregt ist. Wenn man boxt, dann ist man nach drei Runden durch und danach wieder schön entspannt. Als Trainer ist man während der gesamten Veranstaltung unter Strom. Man muss schauen, dass die Boxer gut vorbereitet sind, sich während des Kampfes nicht verletzen und nach dem Kampf gut abtrainieren. Ich habe das am Anfang unterschätzt. Als Trainer bin ich nach einem Kampfabend mehr kaputt, als ich es als Boxer war“, sagt Schellenberg.

Weil er auch als Trainer eine vorbildliche Einstellung hat. Und halbe Sachen einfach nicht das Ding von Eugen Schellenberg sind.