23. Juni 2022 / 08:56 Uhr

"Eurofighter" Youri Mulder über Schalke-Aufstieg, Ziele und Trainer Kramer: "Die alten Zeiten sind vorbei"

"Eurofighter" Youri Mulder über Schalke-Aufstieg, Ziele und Trainer Kramer: "Die alten Zeiten sind vorbei"

Roman Gerth
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Youri Mulder gewann mit Schalke 04 im Jahr 1997 den UEFA-Cup.
Youri Mulder gewann mit Schalke 04 im Jahr 1997 den UEFA-Cup. © IMAGO/MIS (Montage)
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Auf Schalke 04 wartet eine herausfordernde Saison. Der Bundesliga-Rückkehrer steht vor einem Spagat zwischen Anspruch als Traditionsklub und Wirklichkeit als hochverschuldeter Aufsteiger. Aufsichtsratsmitglied Youri Mulder, der 1997 als Spieler mit den "Eurofightern" den UEFA-Cup gewann, spricht im SPORTBUZZER-Interview über die kommende Saison von S04.

Als am 7. Mai um 22.26 Uhr der Abpfiff in der Veltins-Arena ertönt war, brachen beim FC Schalke 04 alle Dämme. Die Fans stürmten den Rasen, Torjäger Simon Terodde konnte die Tränen vor lauter Emotionen nicht zurückhalten. Die Königsblauen hatten durch ein dramatisches 3:2 gegen den FC St. Pauli nach einem 0:2-Rückstand die direkte Rückkehr in die Bundesliga perfekt gemacht. Eine Woche später gewann Schalke in Nürnberg und stieg somit sogar als Meister auf. Aufsichtsratsmitglied Youri Mulder erinnert sich gern an den Saisonendspurt. Im Interview mit dem SPORTBUZZER, dem Sportportal des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND), spricht der Ex-Profi und Teil der "Eurofighter"-Mannschaft, die 1997 den UEFA-Cup gewann, über Lehren aus dem Abstieg und die Ziele von S04 für die kommende Spielzeit.

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SPORTBUZZER: Youri Mulder, welchen Moment aus der Vorsaison haben Sie noch besonders in Erinnerung?

Youri Mulder (53): Das vorletzte Spiel gegen St. Pauli steht bei mir ganz oben. An einige Spiele davor kann ich mich kaum noch erinnern, um ehrlich zu sein. Die Niederlage gegen Bremen habe ich leider noch im Kopf. Aber bei mir überwiegt die Freude, der Jubel der Fans und alles, was nach dem Sieg gegen St. Pauli passiert ist.

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Nachdem Mike Büskens das Team übernommen hat, lief es plötzlich. Wie konnte Schalke diese Wende gelingen?

Die Verbindung zu den Fans war immer da. Wie zahlreich sie in schwierigen Zeiten zur Mannschaft gehalten haben, fand ich beeindruckend. Umso größer war die Energie, als es sportlich aufwärts ging. Und das Trainerteam hat richtig gute Arbeit geleistet. Der Verein, die Spieler, die Fans – das war wie ein großer Block, der alle mitgerissen hat. Der Glaube ist gewachsen. So kam die Erfolgsserie zustande, die zum Aufstieg geführt hat.

Welche Rolle spielte Ex-Coach Dimitrios Grammotzis für die direkte Bundesliga-Rückkehr?

Eins ist mir wichtig zu sagen: Bei Grammotzis war definitiv nicht alles schlecht, er hat auch seinen Teil zum Aufstieg beigetragen. Die Identifikationsfigur Mike Büskens hat zum richtigen Moment den wichtigen Umschwung gebracht. Es hat einfach funktioniert. Sein Systemwechsel hat gegriffen, die Konstanz fehlte vorher und kam erst in den letzten Spielen.

Nun geht S04 als Aufsteiger in die Saison. Wie schwierig ist diese Ausgangslage, wo die Ansprüche doch stets hoch sind?

Das ist nun etwas Neues für den Verein. Jeder weiß, wo wir herkommen, das merkt man im Umfeld. Im Kader wird sich noch einiges tun. Rouven Schröder (Sportdirektor, d. Red.) und Peter Knäbel (Sportvorstand, d. Red.) haben es in der Vorsaison super gemanagt. Sie werden in diesem Sommer genauso fokussiert arbeiten. Klar ist, dass nichts von allein kommen wird. Ich habe aber großes Vertrauen in alle handelnden Personen.

Wo sehen Sie die größten Herausforderungen?

Der Kader wird bundesligatauglich sein, kein Zweifel. Doch vom Budget her sind wir als Aufsteiger natürlich weit von vielen anderen Klubs entfernt. Wir wollen und müssen bodenständig sein, finanziell ist die Situation noch immer schwierig. Das oberste Ziel wird der Klassenerhalt sein. Alles andere wäre doch vermessen. Wir müssen den Wiederaufstieg mit guten Leistungen in der Bundesliga bestätigen – und das ist immer schwierig. Jetzt kommt es drauf an, noch akribischer zu arbeiten.

Als Frank Kramer als neuer Trainer vorgestellt wurde, gab es viel Kritik bei den Fans. Ist das nicht das völlig falsche Zeichen?

Es geht immer um Qualität. Bei der Auswahl des neuen Trainers wurde genau geschaut, wer zu Schalke passt. Ganz große Namen versprechen nicht gleich Erfolg. Als Huub Stevens Ende der 1990er-Jahre als Trainer kam, hatten sich auch einige gewundert. Nun ist er eine Legende. Der neue Coach weiß, worum es geht. Er hat es in der vorletzten Saison geschafft, mit Bielefeld in der Bundesliga zu bleiben, das war ein Erfolg. Er kennt die Umstände. Die Fans denken gerne an die alten Zeiten. Doch die alten Zeiten sind vorbei.