26. Dezember 2020 / 08:01 Uhr

Tabellenspitze und Absteiger: Viele Überraschungen in Europas fünf Topligen – So ist der Stand

Tabellenspitze und Absteiger: Viele Überraschungen in Europas fünf Topligen – So ist der Stand

Constantin Paschertz
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Der FC Bayern, Liverpool und Atletico Madrid stehen in ihren Ligen über Weihnachten ganz oben.
Der FC Bayern, Liverpool und Atletico Madrid stehen in ihren Ligen über Weihnachten ganz oben. © imago images/ZUMA Wire/Montage
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Nach dem turbulenten Corona-Jahr 2020 und einem prall gefüllten Terminkalender seit September herrschen vor allem bei Topklubs Müdigkeit und Überbelastung. Die Nutznießer sind Klubs mit weniger Belastung, die in der Tabelle plötzlich weit vorne auftauchen. Der SPORTBUZZER gibt einen Überblick über Europas Tabellen zur Winterpause.

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Das Jahr 2020 hat den europäischen Spitzenfußball bedenklich ins Wanken gebracht und die einzelnen Ligen und Klubs vor große Herausforderungen gestellt. Das spiegelt sich auch in den vorweihnachtlichen Tabellen der fünf europäischen Topligen wider. Viele Klubs, die jedes Jahr zur absoluten Spitze ihrer Nationen gehören und sich für die Champions oder Europa League qualifizieren, hinken ihren eigenen Ansprüchen hinterher. Die Nutznießer sind Mannschaften mit nicht so hoher Belastung pro Spieler pro Woche. Der SPORTBUZZER gibt einen Stand der Ligen und zeigt alle Überraschungen – negativ wie positiv.

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Bundesliga

Der FC Bayern München (30 Punkte) wurde auch in der Hinrunde seiner Favoritenrolle gerecht und steht an der Tabellenspitze. Wider erwarten ist aber nicht Borussia Dortmund (22) ärgster Verfolger des FCB, sondern Bayer Leverkusen und RB Leipzig (beide 28). Erst hinter dem VfL Wolfsburg (24) lauern die Dortmunder, dicht gefolgt vom 1. FC Union Berlin (21) auf dem sechsten und zweiten Europa-League-Rang. Die "Eisernen" sind damit die absolute Positivüberraschung der Liga.

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Zu Saisonbeginn hatte man den Aufsteiger des Vorjahres trotz beachtlicher Transfers wie denen von Loris Karius oder Max Kruse eher im Abstiegskampf vermutet. Ob die Hauptstädter über die gesamte Saison diese Form halten können, darf allerdings bezweifelt werden. Auf Schlagdistanz liegen Aufsteiger VfB Stuttgart und Champions-League-Achtelfinalist Borussia Mönchengladbach (beide 18) dahinter. Außerdem lauert auch das halbe Tabellenmittelfeld mit Eintracht Frankfurt, der TSG Hoffenheim und Hertha BSC.

Der Bundesliga-Abstiegskampf scheint schon so gut wie vorentschieden. Der FC Schalke 04 auf dem 18. Platz (4) und der FSV Mainz 05 davor (6) haben bereits sechs bzw. vier Zähler Rückstand auf den Relegationsplatz. Den belegt zur Winterpause überraschend Arminia Bielefeld (10). Dem zweiten Aufsteiger hätten das vorab nicht viele zugetraut. Experten hatten den Ostwestfalen ein ähnliches Schicksal prognostiziert wie Vorjahresabsteiger SC Paderborn. Aber die Bielefelder halten sich unter Trainer Uwe Neuhaus wacker und erkämpften sich sechs ihrer zehn Punkte in den letzten vier Spielen – mit Siegen gegen die direkten Konkurrenten Schalke und Mainz.

Ligue 1

In Frankreich beendet ausgerechnet Olympique Lyon (36 Punkte) das Jahr 2020 nach 17 Spieltagen der Hinrunde als Tabellenführer. Im Sommer hatte man den Traditionsklub noch belächelt, weil es die Lyonnaises in der Ligue 1 nicht in einen europäischen Wettbewerb geschafft hatten. Mit nur einem Tor Unterschied lauert auf dem zweiten Platz die LOSC Lille (36). Abo-Meister und Champions-League-Finalist Paris St.-Germain (35) steht dahinter und reagierte auf die Platzierung an Heiligabend mit dem Rauswurf von Trainer Thomas Tuchel. Auf den Europa-League-Rängen vier und fünf stehen Stade Rennes (31) und Olympique Marseille (28 nach 15 statt 17 Spielen). Ein enges Teilnehmerfeld aus renommierten Mannschaften, das ein spannendes Titelrennen verspricht.

In Schlagdistanz auf die Europacup-Plätze lauern außerdem die AS Monaco mit Ex-Bundesliga-Coach Niko Kovac, RC Lens (16 statt 17 Spiele), der HSC Montpellier und der SCO Angers (alle 27). Tief im Abstiegskampf stecken vor allem der 20. Nîmes Olympique, der 19. Dijon und der 18. FC Lorient (alle 12), die nur wenige Tore in den Differenzen voneinander trennen. Unmittelbar unten reinrutschen könnten RC Straßburg (14), das in der vergangenen Saison noch zu den Überraschungen zählte, und der FC Nantes (15). Bislang enttäuschend: Die OGC Nizza (22 Punkte nach 16 statt 17 Spielen), Girondins Bordeaux (22) und die AS St.-Étienne (18) auf den Rängen 12 bis 14, die sonst regelmäßig um die internationalen Plätze mitspielen.

Premier League

Die englische Spitzenliga hat eine Krux: Einige Mannschaften haben bereits 14 Spiele absolviert, andere nur zwölf oder 13. Mit 14 Spielen auf dem Konto thronen Trainer Jürgen Klopp und Titelverteidiger FC Liverpool (31 Punkte) auf dem Spitzenplatz. Beinahe die gesamte Innenverteidigung plus zeitweise bis zu zwei Außenverteidiger musste der deutsche Coach und Welttrainer bei den Reds ersetzen. Ärgste Verfolger sind Leicester City (27 nach 14 Spielen), Manchester United (26 nach 13) und der FC Everton (26 nach 14).

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Der Tabellenfünfte FC Chelsea (25 nach 14) mit Timo Werner und Kai Havertz als Neuzugängen liegt bereits sechs Punkte hinter der Klopp-Elf. Knapp dahinter und mit einem Auge auf die Europacups schielend stehen Tottenham (25 nach 14), der FC Southampton (24 nach 14) mit Ralf Hasenhüttl an der Seitenlinie, erst dann Manchester City (23 nach 13) und Aston Villa (22 nach 12). Die größten Überraschungen sind erneut Leicester, Everton, das sich unter Carlo Ancelotti nach jahrelanger Erfolglosigkeit vorn fest zu beißen scheint und im negativen Sinne natürlich die von Pep Guardiola trainierten Citizens, die sich angesichts der hohen Belastungen im Corona-Jahr mehr als schwer zu tun, ihren aufwendigen Offensivfußball auf den Platz zu bringen.

Leeds überrascht als Aufsteiger

In der Vorsaison kämpfte Aufsteiger Sheffield United noch lange um einen Platz in der Europa League, in dieser Saison geht es für "The Blades" (Die Säbel) um den Klassenerhalt und selbst der scheint bereits zur Winterpause unerreichbar. Nur zwei Punkte nach 14 Partien haben sie auf dem Konto. Der 19. West Brom (7 nach 14) und der 18. FC Fulham (10 nach 14) sind bereits deutlich enteilt und haben selbst Rückstand auf das rettende Ufer. Am ehesten gefährlich wird es dort für Brighton & Hove Albion (12 nach 14) und den FC Burnley (13 nach 13) auf den Plätzen 17 und 16. Die Überraschung aus dem Keller: Aufsteiger Leeds United (17 nach 14) auf Rang 13. Trainer Marcelo Bielsa war neben Triple-Coach Hansi Flick und Meistertrainer Klopp dritter Kandidat auf den Titel "Welttrainer". Dagegen steht der eigentliche Top-Klub FC Arsenal (14 nach 14), der eher gegen den Abstieg als um Europa kämpft.

La Liga

In Spanien scheint fast nichts mehr, wie es mal war. Wochenlang dümpelten die Erzrivalen Real Madrid und der FC Barcelona im Tabellenmittelfeld herum und schienen sich nicht aus ihrem Trott befreien zu können. Derweil enterten andere die Spitzengruppe der Tabelle. Spielverschiebungen führten dazu, dass die Mannschaften bis Weihnachten zwischen 13 und 16 Spielen absolviert haben. An der Tabellenspitze steht Atlético Madrid (32 Punkte nach 13 Spielen), das aufgrund der geringeren Anzahl absolvierter Spiele einen Vorteil gegenüber Lokalrivale Real Madrid (32 nach 15) hat. Die Elf von Zinedine Zidane fand zuletzt zu alter Stärke und Dominanz zurück und kämpfte sich auf Rang zwei vor. Auf den weiteren Champions-League Plätzen stehen Real Sociedad (26 nach 16) und der FC Villareal (26 nach 15).

Immerhin wieder in der Top 5 der La Liga steht der FC Barcelona (24 nach 14) und wäre in der Europa League dabei. Genauso wie der FC Sevilla (23 nach 13) und der FC Granada (21 nach 14). Direkt dahinter kämpfen auch Celta Vigo (20 nach 15), Betis Sevilla (19 nach 15), Athletic Bilbao sowie Überraschungsteam FC Cádiz (beide 18 nach 15) um die internationalen Ränge. Beim Aufsteiger ist Routinier Álvaro Negredo (35, ehemals Manchester City) erfahrenster La-Liga-Spieler und Toptorjäger.

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In der Abstiegszone geht es eng zu. Der 20. SD Huesca (12 nach 15), gerade erst aufgestiegen, der 19. CA Osasuna (12 nach 14) und der 18. Real Valladolid (14 nach 15) haben das rettende Ufer in unmittelbarer Reichweite. Von Platz 12 bis 17 können alle Klubs in den Keller durchrutschen. Auf Rang 17 steht der SD Eibar (15 nach 15). Besonders enttäuschend: Der FC Valencia (15 nach 15), eigentlich stets um Europa spielend, kämpft im neuen Jahr weiter gegen den Abstieg.

Serie A

Auch in Italien steht die Liga ein wenig Kopf. Die Teams konnten 13 bis 14 ihrer Partien austragen. Überraschungstabellenführer ist die AC Mailand (34 Punkte nach 14 Spielen). Jahrelang war der einstige Spitzenklub in die Versenkung und das graue Mittelmaß abgetaucht. In der aktuellen Saison überzeugen die Rossoneri mit Zlatan Ibrahimovic und den Ex-Bundesliga-Profis Hakan Calhanoglu (Bayer Leverkusen) und Ante Rebic (Eintracht Frankfurt) auf ganzer Linie. Noch interessanter wird die Situation, weil sich das Team von Trainer Stefano Pioli ein Kopf an Kopf Rennen mit dem von Antonio Conte trainierten Stadtrivalen Inter Mailand (33 nach 14) liefert. Die AS Rom (27 nach 14) und das zweite Überraschungsteam US Sassuolo (26 aus 14) mit den Ex-Bundesliga-Kickern Jeremy Toljan (BVB), Kaan Ayhan (Fortuna Düsseldorf) und Filip Djuricic (Mainz 05) komplettieren die Champions-League-Plätze der Serie A.

Die Europa-League-Plätze fünf und sechs belegen die SSC Neapel (25 nach 13) und Serienmeister Juventus Turin (24 nach 13). Das Team um Superstar Cristiano Ronaldo ruft angesichts des vollen Terminkalenders nicht sein volles Können ab. Der Portugiese appellierte jüngst an seine Kollegen, dass sie mehr Leistung bringen sollten. In Schlagdistanz lauern außerdem die beiden Achtelfinalisten der Königsklasse Atalanta Bergamo (22 nach 13) und Lazio Rom (21 nach 14).


Ribéry-Klub tut sich schwer

Im Abstiegskampf hat sich ein Grüppchen bereits leicht abgeschlagen in den Keller schieben lasen. Schlusslicht FC Turin (8 nach 14), der 19. FC Crotone (9 nach 14) und der FC Genua (10 nach 14) belegen die drei Plätze, die in die Serie B führen. Spezia Calcio (11 nach 14) und Parma Calcio (12 nach 14) belegen die Ränge 17 und 16 knapp davor. Für Ex-Bayern-Star Franck Ribéry läuft die Saison ebenfalls nicht berauschend. Der Franzose belegt mit der AC Florenz (14 nach 14) nur Rang 14. Und das trotz eines 3:0-Sieges zuletzt bei Juve.