12. November 2020 / 17:05 Uhr

Eutin 08: Rechtsverteidiger ist die große Entdeckung

Eutin 08: Rechtsverteidiger ist die große Entdeckung

Volker A. Giering
Lübecker Nachrichten
Kevin Hermann (l.) im Zweikampf gegen Emanuel Fernando Bento (r.) vom SV Todesfelde.
Kevin Hermann (l.) im Zweikampf gegen Emanuel Fernando Bento (r.) vom SV Todesfelde. © Agentur 54°
Anzeige

Der 18-jährige Jungspund ist in die großen Fußstapfen von Kapitän Sebastian Witt getreten - Sein Mut wurde mit einem Stammplatz belohnt - Auch der erste Saisontreffer gelang ihm bereits

Anzeige

Am Donnerstag treffen sich die Oberliga-Fußballer von Eutin 08 um 19 Uhr zu einem Online-Meeting via „Zoom“, einer Konferenz-App. „Die Jungs haben zwar individuelle Trainingspläne bekommen. Doch wir wollen den persönlichen Kontakt zu den Jungs in der Corona-Zwangspause aufrechterhalten“, sagt Trainer Dennis Jaacks. Auch Kevin Hermann wird sich dann einloggen. Der erst 18-Jährige ist die große Entdeckung bei den Ostholsteinern.

Anzeige

Aus der Not eine Tugend gemacht

Hermann stand bisher in allen zehn Saisonspielen (Oberliga, Landes- und Kreispokal) in der Startelf. Dabei ist er in große Fußstapfen getreten. Normalerweise ist Kapitän Sebastian Witt als rechter Außenverteidiger bei den Rosenstädtern gesetzt. Da der regionalligaerfahrene 28-Jährige aber zu Saisonbeginn aus Verletzungsgründen ausfiel (erst Kreuzbandriss, dann Kreuzbandanriss) und mit Lion Glosch (Oldenburger SV) und Tim Gürntke (Karriereende) zwei weitere Rechtsverteidiger den Klub im Sommer verlassen haben, hatte Jaacks auf dieser Position plötzlich ein Problem. Der 36-jährige A-Lizenz-Inhaber machte aus der Not eine Tugend und setzte auf den jungen, unerfahrenen Hermann – Volltreffer. Schon in der Vorbereitung bot sich der ehrgeizige Youngster (Jahrgang 2002), der eigentlich noch in der A-Jugend spielen könnte, mit guten Leistungen im Training und in den Testspielen an. Seine Trainingsbeteiligung sei vorbildlich, so Jaacks.

Bereits erster Saisontreffer

„Kevin hat schnell Fuß gefasst im Herrenbereich, zeigt ein gutes Niveau und ist eine total positive Erscheinung“, lobt der Trainer seinen Schützling. „Er ist lautstark, hat ein gutes Grundtempo, ist zweikampfstark und hat einen guten Draht nach vorne“, zählt er dessen Stärken auf und ergänzt: „Er spielt mit Herz und Leidenschaft. Er ist mutig, traut sich Dinge zu und zeigt sich auch nicht geschockt, wenn er selbst auf gestandene Gegenspieler trifft.“ Dieser Mut wurde mit einem Stammplatz und dem ersten Saisontreffer im Ligaspiel gegen Aufsteiger und Kreisrivalen TSV Pansdorf (2:4) belohnt, als er zum zwischenzeitlichen 2:0 erfolgreich war. Eine Vorlage von Nikita Bojarinow, mit dem er eine Fahrgemeinschaft aus Lübeck bildet, nahm er erst gekonnt mit der Brust an, ehe er per Volleyschuss vollstreckte.

In 2013 holte Kevin Hermann (3. von links in der Mitte) mit der E-Jugend des ATSV Stockelsdorf den ersten Platz beim 4. Hattrick-Cup beim Krummesser SV. Trainer war damals sein Vater Stephan Hermann (ganz rechts). Die Siegerehrung wurde von den VfB-Legenden Moritz Marheineke und Nils Lange (hinten von links) vorgenommen.
In 2013 holte Kevin Hermann (3. von links in der Mitte) mit der E-Jugend des ATSV Stockelsdorf den ersten Platz beim 4. Hattrick-Cup beim Krummesser SV. Trainer war damals sein Vater Stephan Hermann (ganz rechts). Die Siegerehrung wurde von den VfB-Legenden Moritz Marheineke und Nils Lange (hinten von links) vorgenommen. © Volker Giering

Starkes Comeback nach Verletzungspause

Für sein Alter ist Hermann schon ziemlich abgebrüht, schwärmt der Coach weiter. „Für den Moment können wir mit seiner Entwicklung zufrieden sein. Er macht einen erfrischenden Eindruck.“ Bis zur U14 spielte der 18-Jährige beim ATSV Stockelsdorf, wo er sieben Jahre von seinem Vater Stephan Hermann trainiert wurde. Danach ging er zum VfB Lübeck, durchlief dort die U15, U16 und U17. Ein Knieschaden (Kreuzbandriss und Außenbandriss) warf ihn zurück, ehe er vor einem Jahr nach Eutin wechselte, um Spielpraxis in der U19-Elf nach langer Verletzungspause zu sammeln. „Ich hatte viel Spielzeit, konnte neues Selbstvertrauen sammeln und war Führungsspieler unter Trainer Klaus Hartwich. Das hat mir gut getan“, erzählt der Schüler an der Lübecker Berufsschule Dorothea-Schlözer-Schule (11. Klasse), der nebenbei an der Kasse im Einzelhandel in Stockelsdorf jobbt, wo er auch wohnt.

Unerwartete Entwicklung

Jaacks wurde schnell auf das 1,82 m große und 74 kg schwere Talent aufmerksam und zog ihn vorzeitig in die Oberliga-Mannschaft hoch. „Es war nicht zu erwarten, dass ich mich so gut durchsetzen werde. Das ganze lag ja nicht in meiner Hand. Ich hatte sicher auch Glück durch die Verletzung von Basti“, sagt er im Gespräch mit dem LN-Sportbuzzer, „so konnte ich auch hier viel Matchpraxis sammeln. Mir war es wichtig, mich nicht zu verstecken, auch wenn ich jetzt im Herrenbereich spiele.“

Das Vorbild spielt bei Bayern - das Herz schlägt für den HSV

Insgeheim träumt Hermann von einer Karriere als Profi-Fußballer. Seine Vorbilder sind die rechten Außenverteidiger Joshua Kimmich (Bayern München) und Trent Alexander-Arnold (FC Liverpool). „An Kimmich mag ich die Einstellung. Er ist ein richtiger Kämpfer, gibt nie auf. Und an Arnold, dass er sich schnell nach vorne durchsetzen kann“, sagt der FIFA- und HSV-Fan. „Selbst schätze ich mich auch offensiv stark ein, mache gerne Meter und versuche, eine Balance zwischen Defensive und Offensive herzustellen.“ Für Hermann spricht außerdem, dass er flexibel ist. So half er diese Saison schon zweimal als Innenverteidiger aus. Auf dieser Position spielte er zuletzt beim VfB Lübeck. „Das fand ich aber irgendwann langweilig. Auf der rechten Seiten macht mir das mehr Spaß, da habe ich mehr Drang nach vorne“, erzählt er.

Jaacks glaubt an Qualität des Kaders

Mit dem Saisonstart seines Teams (drei Punkte aus sechs Spielen, 8:18 Tore) zeigt sich Jaacks nicht zufrieden. „Das ist kein gutes Momentum“, kommentiert er den letzten Tabellenplatz der Ostholsteiner, die ursprünglich das Erreichen der Meisterrunde als Zwischen-Saisonziel ausgegeben hatten. „Wir hatten einen großen Umbruch im Sommer und haben viele junge Spieler eingebaut. Das wird Zeit brauchen, bis es sich findet“, glaubt er. „Wobei nicht alles in den ersten Spielen schlecht war. Wir haben nicht nur 90 Minuten schlecht in den Spielen gespielt. Leider hatten wir immer wieder Phasen dabei, in denen wir nicht konzentriert genug waren. Wir sind aber optimistisch und glauben an die Qualität im Kader“, betont Jaacks. Kevin Hermann ist das beste Beispiel hierfür!