14. Dezember 2018 / 15:46 Uhr

Ewa Pajor vom VfL Wolfsburg im Interview: „Wenn ich ein Tor schießen kann, dann mache ich das eben“

Ewa Pajor vom VfL Wolfsburg im Interview: „Wenn ich ein Tor schießen kann, dann mache ich das eben“

Jasmina Schweimler
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Ewa Pajor ist die Top-Torjähgerin der Bundesliga
Ewa Pajor ist die Top-Torjägerin der Bundesliga © Boris Baschin
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Es ist ihr erstes großes Interview auf Deutsch: Ewa Pajor, Top-Stürmerin des VfL Wolfsburg, hat sich in dieser Saison zu einer Torjägerin von internationalem Format entwickelt.

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Sie ist der Shootingstar der Frauenfußball-Bundesliga: Ewa Pajor hat sich in dieser Saison nicht nur zur Top-Torjägerin des VfL Wolfsburg, sondern auch zu einer der besten Stürmerinnen Europas entwickelt. Vor dem VfL-Heimspiel am Sonntag (14 Uhr) gegen die SGS Essen sprach die 22-jährige Polin mit dem SPORTBUZZER über ihre Saison, ihre Tore und über Cristiano Ronaldo.

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Ihre Teamkollegin Pernille Harder wurde in der vergangenen Saison mit 17 Treffern Torschützenkönigin, Sie haben jetzt bereits 15 Treffer auf Ihrem Saisonkonto – denken Sie schon an die Torjägerinnenkanone?

Wie viele Tore ich schieße, ist mir eigentlich egal. Wichtig sind für mich die drei Punkte, die wir gewinnen. Ich möchte einfach nur meiner Mannschaft helfen. Und wenn ich ein Tor schießen kann, dann mache ich das eben.



Reizen Sie Auszeichnungen wie eine Torjägerinnenkanone überhaupt nicht?

Nein, wirklich nicht. Das ist für mich nicht wichtig. Als Stürmerin ist es halt mein Job, Vorlagen zu geben oder selbst zu treffen.

Der Sieg der VfL-Frauen gegen Hoffenheim in Bildern

Fußball-Bundesliga, Frauen, VfL Wolfsburg - TSG 1899 Hoffenheim Zur Galerie
Fußball-Bundesliga, Frauen, VfL Wolfsburg - TSG 1899 Hoffenheim ©

Aber dass Ihr Fallrückzieher gegen Bayer Leverkusen als Tor des Monats in der Sportschau nominiert war, haben Sie mitbekommen?

Ja, das habe ich gesehen. Es war ein cooles Tor, denn ich habe das vorher manchmal trainiert. Aber dass es in der Auswahl zum Tor des Monats war, ist ja jetzt auch vorbei.

Ein Clip von diesem Tor hatte online fast 50.000 Clicks, ging um die ganze Welt und hat unglaubliche Resonanz bekommen.

Von dem, was da online so passiert, bekomme ich nicht so wahnsinnig viel mit. Natürlich freue ich mich, wenn Fans schreiben, und ich betreue meinen Instagram-Account recht intensiv. Aber das alles zu verfolgen, hat nicht oberste Priorität für mich.

Sie jubeln des Öfteren so wie Cristiano Ronaldo…

Meistens denke ich nicht wirklich daran, wie ich ein Tor feiere. Ich lebe da einfach in dem Moment. Aber Ronaldo ist schon immer mein Idol gewesen.

Warum?

Er motiviert mich. Ich schaue mir möglichst alle Spiele von ihm an. Ich mag ihn als Fußballer wirklich sehr. Er spielt seit Jahren auf dem höchsten Niveau, arbeitet unermüdlich und ist sehr fleißig. Er ordnet alles andere dem Fußball unter.

Das Trio aus Ihnen, Pernille Harder und Caroline Hansen ist derzeit die mit Abstand beste Offensivreihe der Liga...

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Ich möchte das gar nicht so sehr auf uns drei reduzieren. Wir haben einen großen Kader mit sehr, sehr guten Spielerinnen. Wir verstehen uns auf dem Platz super, haben immer viel Spaß im Training. Wir können da auch mal miteinander rumalbern. So etwas ist gut – und auch eine Art Erfolgsrezept. Wir halten immer zusammen. Wir hatten jetzt auch erst eine tolle Weihnachtsfeier zusammen. Man muss auch mal ein bisschen Spaß haben.

Sie sind nun seit 2015 hier. Ist Wolfsburg schon ein Stück weit Heimat?

Ja, dreieinhalb Jahre sind eine lange Zeit. Meine Schwester ist mit mir damals nach Wolfsburg gezogen, und ich fühle mich hier sehr gut. Jetzt klappt es mit dem Deutsch sprechen auch viel besser, ich kann mehr mit meinen Mitspielerinnen und Trainern reden.

Vor kurzem haben Sie Ihren Vertrag langfristig verlängert. Eine leichte Entscheidung? Oder gab es Alternativen?

Ich habe mich immer nur auf Wolfsburg konzentriert, habe mich mit anderen Ligen nicht auseinandergesetzt. Ich bin hier total glücklich und will hier alles gewinnen. Am besten dieses Jahr auch wieder die Champions League.

Im Viertelfinale wartet da aber nun der letzte Finalgegner Olympique Lyon...

... und das ist gut! Denn dann wird unser Stadion vielleicht voll. Es werden auch Familienmitglieder von mir da sein, das wird mich noch einmal extra motivieren. Dieses Spiel ist etwas Besonderes und wir werden alles dafür geben, dass es anders ausgeht als das letzte Champions-League-Finale. Im Mai waren wir alle ein bisschen müde, es war das Ende der Saison, viele hatten hier und da Schmerzen. Und dann tat die Niederlage sehr weh. Jetzt haben wir neue Ziele und neue Chancen – bis März ist noch viel Zeit und wir können uns gut vorbereiten.

*Ist Lyon eine Art von Herausforderung, wie sie der VfL in der Bundesliga nicht mehr findet? *

Für mich ist es nach wie vor die beste Liga der Welt. Potsdam, Bayern, Frankfurt – all diese Mannschaften haben schon viel gewonnen. Und das mehrfach. Das macht es weiter zu einer Herausforderung.

Aber wenn der VfL selbst gegen Verfolger Bayern mit 6:0 gewinnt...

...dann ist das etwas Besonderes, klar. Wir hatten einen sehr guten Tag und Bayern nicht. Ich bin sicher, dass es ein Ergebnis in der Höhe nur einmal geben wird.

Bayern war auch Ihr Highlight-Spiel, Sie haben drei Tore gemacht, Sara Gunnarsdottir nannte Sie „Ewa Power“...

Das war wirklich nett von ihr.

Ja – und es passt zu der Saison, in der Sie offenbar einen riesigen Leistungssprung gemacht haben. Wie kommt das?

Ich bin das schon oft gefragt worden – aber ich weiß es selbst auch nicht. Ich bereite mich immer gleich vor, gebe im Training immer alles. Das ist für mich wichtig. Im Spiel gebe ich auch hundert Prozent, manchmal sogar hundertzehn. Als ich hier her gekommen bin, war ich gerade 18 – da war noch nicht viel mit „Power“, ich war körperlich nicht so robust, denn in Polen haben wir nicht viel mit Krafttraining gearbeitet. Hier ist das alles viel intensiver, das hilft mir sehr. Am Anfang war ich noch nicht für das robuste Spiel in der Bundesliga bereit – und beim VfL hat man mir viel Zeit gegeben, dafür bin ich dankbar. Das Wichtigste aber ist unsere starke Mannschaft – denn ohne meine Mitspielerinnen hätte ich die 15 Tore bisher nicht schießen können.

Welchen Stellenwert hat Frauenfußball in Polen?

Dass es nicht so wie in Deutschland ist, ist klar. Aber es wird schon mehr und es wird mehr investiert. Wir müssen mit der Nationalmannschaft jetzt einfach nachziehen und uns mal für eine Europameisterschaft oder Weltmeisterschaft qualifizieren. Das ist uns bisher nicht gelungen. Das würde ein großer Schritt für uns sein. Wir haben mittlerweile ja auch die eine oder andere Spielerin, die im Ausland spielt. Da müssen wir alle zusammen an einen Strang ziehen und auf dem Platz zeigen, was wir können.

Was machen Sie eigentlich, wenn Sie nicht auf dem Fußballplatz stehen?

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Ehrlich gesagt haben wir gar nicht so viel Zeit, um großartig andere Sachen zu machen. Aber ich koche ganz gerne. Vor ein paar Jahren hat das noch nicht so gut geklappt und da habe ich das auch nicht gerne gemacht – aber jetzt habe ich Spaß daran. Ansonsten fahre ich auch gerne eine Runde mit dem Fahrrad. Viel mehr ist zwischen Training und Spielen meistens auch nicht möglich.

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