09. August 2019 / 18:03 Uhr

Ex-Babelsberger Prochnow über Gegenspieler Kroos: „Man hatte keine Chance“ (mit Galerie)

Ex-Babelsberger Prochnow über Gegenspieler Kroos: „Man hatte keine Chance“ (mit Galerie)

Stephan Henke
Märkische Allgemeine Zeitung
Julian Prochnow (l.) war der direkte Gegenspieler des damaligen Leverkuseners Toni Kroos.
Julian Prochnow (l.) war der direkte Gegenspieler des damaligen Leverkuseners Toni Kroos. © Jan Kuppert
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DFB-Pokal: Vor zehn Jahren empfing der SV Babelsberg 03 die Bundesliga-Stars von Bayer Leverkusen, Julian Prochnow erinnert sich an das größte Spiel seiner Karriere und die Schuhe von Weltmeister Toni Kroos.

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Die Schuhe seines Gegenspielers hat Julian Prochnow noch genau vor Augen. „Ich kann mich gut erinnern, wir standen alle vor dem Spiel im Gang und er hatte die neuen, silbernen Schuhe von David Beckham an“, erzählt der ehemalige Babelsberger über das Schuhwerk von Toni Kroos. Zehn Jahre ist das her, der Weltmeister von 2014 war damals 19 Jahre jung, galt als Riesentalent und war vom FC Bayern an Bayer 04 Leverkusen ausgeliehen. Und die Werkself kam als Erstrundengegner im DFB-Pokal ins Karl-Liebknecht-Stadion des SV Babelsberg 03.

Für Prochnow war es der „größte Gegner“ seiner Karriere – was auf Leverkusen und seinen direkten Gegenspieler Kroos zutrifft. „Ich wusste oft, was er vorhat, aber er hat das so schnell gemacht und hatte so eine Passgenauigkeit und Schärfe in seinen Bällen, dass man einfach keine Chance hatte. Man hat damals schon gesehen, was für eine Klasse er hat, er hatte einfach geile Bewegungen drauf“, erzählt der defensive Mittelfeldspieler, der zehn Jahre lang das Babelsberg-Trikot trug.

Das Spektakel für den damaligen Regionalligisten fing schon kurz nach der Auslosung an. „Ab da hat man sich sehr oft über das Spiel unterhalten. Wir haben vor dem Spiel in Potsdam im Hotel übernachtet und sind mit dem Bus zum Stadion gefahren. Die Karl-Liebknecht-Straße war voller Fans, jeder hat uns zugejubelt, das war schon beeindruckend“, erinnert sich Prochnow. „Das war wie bei Liverpool mit der Meisterfeier in diesem Jahr – natürlich nur ein bisschen kleiner.“

In Bildern: SV Babelsberg 03 spielte im Karl-Liebknecht-Stadion gegen Bundesligist Bayer Leverkusen.

Fußball - Die Mannschaft von SV Babelsberg 03 spielte am 31. Juli 2009 im Karl-Liebknecht-Stadion gegen Bundesligist Bayer Leverkusen. Babelsberg unterlag 0:1. Hier vor Spielbeginn kurze Begrüßung SVB-Coach Dietmar Demuth (l.) und Bayer-Trainer Jupp Heynckes. Juli 2009 Foto:MAZ/Bernd Gartenschläger Zur Galerie
Fußball - Die Mannschaft von SV Babelsberg 03 spielte am 31. Juli 2009 im Karl-Liebknecht-Stadion gegen Bundesligist Bayer Leverkusen. Babelsberg unterlag 0:1. Hier vor Spielbeginn kurze Begrüßung SVB-Coach Dietmar Demuth (l.) und Bayer-Trainer Jupp Heynckes. Juli 2009 Foto:MAZ/Bernd Gartenschläger ©
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Im Spiel selbst hielt der Viertligist gegen die mit Stars gespickte Leverkusen-Mannschaft, die von Trainerlegende Jupp Heynckes gecoacht wurde, lange gut mit. Doch dann kam die 67. Minute. „Es war das erste Spiel von Eren Derdiyok für Leverkusen und er hat es gleich entschieden. Er hat aus 20 Metern abgezogen, eine richtige Granate“, erzählt Prochnow über das einzige Tor des Abends. „Nach dem Spiel war ich sauer, sie hatten nur 1:0 gewonnen, wir hatten ein super Spiel gemacht, es war ganz knapp und wurde durch so eine Einzelaktion entschieden.“ Das nötigte auch dem Gegner Respekt ab, „Völler des Lobes“ titelte die MAZ am 3. August 2009 und spielte damit auf die warmen Worte des Leverkusen-Managers Rudi Völler an.

Nach einem Erinnerungsstück von Kroos, Kießling und Co. hat Prochnow damals nicht gefragt. „Im Nachhinein ärgere ich mich darüber, ich hätte schon gerne das Trikot von Kroos gehabt, damals war mir das ziemlich egal“, erinnert sich der Ex-Babelsberger, der für den Kiezclub mehr als 200 Spiele absolvierte, ehe er im Januar 2015 seine Laufbahn mit gerade einmal 29 Jahren beendete.

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Immer wieder war er damals verletzt, „ich konnte kaum längere Zeit schmerzfrei trainieren oder spielen“, erzählt Prochnow. Auch sportlich sah er wenig Perspektive in Babelsberg „und ich war tatsächlich nicht mehr so motiviert“, zählt er die Gründe für den ungewöhnlich frühen Entschluss zum Karrierenende auf. „Ich dachte mir: Jogi Löw wird mich jetzt auch nicht mehr anrufen, ich kann jetzt noch vier oder fünf Jahre weiterspielen, aber dann bin ich am Arbeitsmarkt auch fünf Jahre älter. Ich bin sehr zufrieden mit der Entscheidung, bin mit mir im Reinen und habe den Schritt nie bereut“, sagt Prochnow, der vor drei Jahren nach München zog und dort für einen großen deutschen Personalvermittler arbeitet. Seither spielt der aktive Fußball praktisch keine Rolle mehr in seinem leben, „ich spiele eigentlich nur noch Tennis“.

An Ostern war er das erste Mal seit drei Jahren wieder im Karli und schaute sich mit seinem Vater das Spiel gegen die VSG Altglienicke an. „Ich habe viele Leute getroffen, Jens Härtel, Dietmar Demuth, Cem Efe – es war wie ein Klassentreffen. Das war echt schön, auch wenn ich vom Spiel gar nicht so viel mitbekommen habe.“ Über die Partie gegen Leverkusen haben sie vielleicht auch geredet.

Hyypiä in der Abwehr, Kießling im Sturm

Bayer Leverkusen hatte in der Vorsaison das DFB-Pokalfinale mit 0:1 verloren, Mesut Özil schoss Werder Bremen im Mai 2009 zum Sieg in Berlin. Der Bundesligist war im Babelsberger Karl-Liebknecht-Stadion klarer Favorit und kam mit einer Reihe von Topstars nach Potsdam. Im Tor stand der damalige Nationaltorhüter René Adler, Abwehrchef war Liverpool-Legende Sami Hyypiä. Neben Toni Kroos spielten Tranquillo Barnetta und Renato Augusto im Mittelfeld, im Sturm liefen Stefan Kießling und Theofanis Gekas auf. Von der Bank kam unter anderem der heutige Leverkusen-Sportdirektor Simon Rolfes. Auf Seiten der Babelsberger waren unter anderem Björn Laars und Ronny Surma in der Innenverteidigung sowie der spätere Sportliche Leiter und Trainer Almedin Civa auf dem Platz.

Spielstatistik:

Babelsberg – Leverkusen 0:1 (0:0)

Zuschauer: 6153

Tor: 0:1 Eren Derdiyok (67.).

SV Babelsberg 03: Marian Unger – Denis Weidlich, Ronny Surma, Björn Laars, Felix Dojahn – Ümit Ergirdi (79. Stefan Kutschke), Julian Prochnow (71. Patrick Moritz), Anton Müller, Almedin Civa, Sven Hartwig – Erkan Kilicaslan (66. Daniel Frahn). Trainer: Dietmar Demuth.

Bayer 04 Leverkusen: René Adler – Daniel Schwaab, Manuel Friedrich, Sami Hyypiä, Michal Kadlec – Stefan Reinartz – Renato Augusto, Tranquillo Barnetta – Toni Kroos (90. Tomasz Zdebel) – Theofanis Gekas (63. Eren Derdiyok), Stefan Kießling (84. Simon Rolfes). Trainer: Jupp Heynckes.

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