23. Oktober 2019 / 10:18 Uhr

Ex-Bundesliga-Profi Vucinovic macht Sarstedt zum erfolgreichsten Bezirksteam Niedersachsens

Ex-Bundesliga-Profi Vucinovic macht Sarstedt zum erfolgreichsten Bezirksteam Niedersachsens

David Lidón
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Heute und damals: Marc Vucinovic (großes Bild, rechts) jubelt jetzt mit dem 1. FC Sarstedt in der Bezirksliga. 2015 kickte er mit Paderborn in der 1. Bundesliga (kleines Bild, rechts).
Heute und damals: Marc Vucinovic (großes Bild, rechts) jubelt jetzt mit dem 1. FC Sarstedt in der Bezirksliga. 2015 kickte er mit Paderborn in der 1. Bundesliga (kleines Bild, rechts). © Dennis Michelmann / Friso Gentsch/dpa
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Marc Vucinovic spielte einst für den SC Paderborn im deutschen Fußball-Oberhaus. Im Winter 2018 wechselte er als Spielertrainer zurück in seine Heimat Sarstedt. Dem SPORTBUZZER erzählt Vucinovic wie es ist, als Ex-Bundesliga-Spieler in der Bezirksliga zu kicken.

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Auf der Suche nach der zurzeit erfolgreichsten Männermannschaft Niedersachsens vom Bezirk aufwärts wird der Fußballfreund 17 Kilometer südlich von Hannover fündig. Der 1. FC Sarstedt hat in der Bezirksliga 4 jedes seiner 13 bisherigen Saisonspiele gewonnen und seine drei Bezirkspokalspiele für sich entschieden – dabei wurden zwei Landesligisten ausgeschaltet. Mit dem früheren Bundesligaprofi Marc Vucinovic ist bei dem Team aus dem Landkreis Hildesheim ein bekannter Name als Spielertrainer in Funktion. Die Erfolgsgeschichte auf ihn zu reduzieren, wäre ein Fehler – in Sarstedt wird sich seit geraumer Zeit nachhaltig weiterentwickelt.

Die Bilder der Partie TuSpo Schliekum - 1.FC Sarstedt:

Schliekums Armagan-Ugur Izgi (links) wird von Sarstedts Gideo O`Donnell zu Fall gebracht. Zur Galerie
Schliekums Armagan-Ugur Izgi (links) wird von Sarstedts Gideo O`Donnell zu Fall gebracht. ©

Vucinovic lobt "Riesenmentalität"

Vor der Saison 2018/2019 löste sich die Fußballsparte der FSV Sarstedt aus dem Gesamtverein auf und wurde als 1. FC Sarstedt eigenständig. Das Bezirksligastartrecht wurde von der FSV übernommen, nach Rang fünf im Vorjahr grüßt die Mannschaft momentan in beeindruckender Art und Weise von ganz oben. „Das war so nicht zu erwarten. Die Jungs überzeugen neben ihrer Qualität mit einer Riesenmentalität“, sagt der 31-jährige Vucinovic, der über die Stationen Eintracht Braunschweig und TSV Havelse zum SC Paderborn kam, für den er 2014/2015 acht Bundesligaspiele absolvierte. Eine Knieverletzung beendete seine Karriere auf höchstem Niveau frühzeitig.

Stabilität in der Defensive und eine hohe Effizienz im Angriff zeichnen die Sarstedter aus – und eine ausgeprägte Identifikation mit dem Ort. „Ale unsere Neuzugänge kommen ursprünglich aus Sarstedt oder haben einen Bezug zur Stadt“, sagt Viktor Rosenfeld, der Vorsitzende des 1.FC. Der 29-Jährige trat mit sechs Jahren in die FSV ein und war bis 2015 noch selbst für den Klub am Ball. Der Großteil der drei Männermannschaften des Vereins ist in Sarstedt verwurzelt. „Wir haben vor der Saison sehr gute Spieler abgelehnt, bei denen der fehlende regionale Bezug das Ausschlusskriterium war“, unterstreicht Rosenfeld die Philosophie der Verantwortlichen.

Mit relativ wenig Mitteln, viel Zeitaufwand und einer großen Portion Leidenschaft entwickeln Rosenfeld und der Sportliche Leiter Matteo Menchise das Sarstedter Projekt seit 2013 kontinuierlich weiter. „Hinter uns sind aber noch zehn weitere, die im Vorstand gute Arbeit leisten“, sagt Rosenfeld, der mit dem 1. FC zum Aushängeschild der Stadt werden will. Das sportliche Ziel ist, sich irgendwann in der Landesliga zu etablieren – mehr erstmal nicht. Die Oberliga sei für ihn keine schöne Spielklasse – extrem weite Fahrten, keine Derbys, hoher Kostenaufwand.

Bilder vom Spiel der Bezirksliga 4 zwischen dem 1.FC Sarstedt und Koldinger SV

Banger Blick von Koldingens Keeper Marc Ebeling. Zur Galerie
Banger Blick von Koldingens Keeper Marc Ebeling. ©

"Das ist einfach geil"

Die Verpflichtung des in Sarstedt aufgewachsenen Vucinovic als Spielertrainer im Winter 2018 war ein Glücksfall. „Vuci war seit Jahren bei uns involviert, ich habe ihn ewig vollgequatscht, endlich zu uns zu kommen. Aber du wechselst von der Bundesliga ja nicht direkt in die Kreisliga“, sagt Rosenfeld mit einem Augenzwinkern.

Der Exprofi, der mit Paderborn vor über 80 000 Fans im Signa-Iduna-Park in Dortmund gespielt hat, ist auch vor 80 Zuschauern beim TuS Hasede mit Überzeugung am Ball. „Wenn bei unseren Heimspielen die Jungs aus der zweiten und dritten Herren mit den Händen gegen die Bande hauen und für ordentlich Stimmung sorgen, dann ist das einfach geil. Das pusht ungemein“, sagt Vucinovic. Bis zu 450 Zuschauer hat der 1. FC bei Topspielen mittlerweile zu Gast – für die Bezirksliga eine stattliche Zahl. „Wir sind insgesamt auf einem sehr guten Weg“, sagt Rosenfeld.

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Vucinovic gibt einen aus

Vucinovic vermittelt mit seinem geschätzten Co-Trainer Eugen Klein den Spielern, in einem Boot zu sitzen. „Aber zwei müssen es steuern, und dass sind Eugen und ich. Wir legen die Regeln fest, aber immer in Absprache mit den Jungs“, erläutert der Erfolgscoach seinen Führungsstil.

Seinen früheren Trainer aus Havelse und Paderborn, André Breitenreiter, wird er in wenigen Wochen beim alljährlichen Weihnachtsmarktbummel einer Gruppe Ex-Havelser wiedersehen. Dass Vucinovic dort eine Runde Glühwein auf die Sarstedter Herbstmeisterschaft ausgibt, ist sehr wahrscheinlich. Sollte seine Mannschaft die erfolgreichste Mannschaft Niedersachsens bleiben, wird er wohl weitere Runden springen lassen müssen.