23. Mai 2019 / 19:04 Uhr

Ex-Bundesligaprofi Rene Tretschok: "RB Leipzig hat das Potential in der Champions League zu bestehen"

Ex-Bundesligaprofi Rene Tretschok: "RB Leipzig hat das Potential in der Champions League zu bestehen"

Uwe Köster
Leipziger Volkszeitung
Der ehemalige Bundesligaprofi und Champions-League-Sieger Rene Tretschok wirbt für die in Leipzig gastierende Deutsche Straßenfußballmeisterschaft. 
Der ehemalige Bundesligaprofi und Champions-League-Sieger Rene Tretschok wirbt für die in Leipzig gastierende Deutsche Straßenfußballmeisterschaft.  © Andreas Döring (Archiv)
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Der ehemalige Bundesligaprofi und Champions-League-Sieger betreibt eine Fußballschule und wirbt für die Deutsche Straßenfußballmeisterschaft, die am 24. Mai im Leipziger Hauptbahnhof Station macht. Wir haben mit Ihm u.a. über das Abschneiden der deutschen Teams im europäischen Wettbewerb sowie die Entwicklung und Zukunft von RB Leipzig gesprochen. 

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Leipzig. Von Wolfen in die Welt: René Tretschok, gebürtig 1968 in der Industriestadt, eroberte erst ab 1986 mit Chemie Halle die DDR-Oberliga und ab 1992 mit Borussia Dortmund die Bundesliga und Champions League. 1988 gab es für den Mittelfeldrackerer auch mal ein einjähriges Intermezzo an der DHfK als Sportstudent. Inzwischen betreibt der zweifache deutsche Meister die Fußballschule Tretschok und wirbt für die Deutsche Straßenfußballmeisterschaft, die am 24. Mai Halt im Leipziger Hauptbahnhof macht.

Was sagt der Champions-League-Sieger von 1997 dazu, dass es zum ersten Mal seit 13 Jahren keine deutsche Mannschaft ins Viertelfinale der Königsklasse geschafft hat?

Wenn man sich die jeweiligen Spiele anschaut, sieht man, dass die deutschen Teams allesamt verdient ausgeschieden sind. So dramatisch, wie die Lage gerade in Deutschland dargestellt wird, ist sie aber nicht. Wir benötigen jetzt etwas Ruhe und Konzentration aufs Wesentliche. Die Nachwuchsleistungszentren machen eine tolle Arbeit und da werden auch wieder Talente nachkommen.

Also nur eine Momentaufnahme und keine längerfristige Tendenz?

Man muss den Fußball immer in Zyklen betrachten. Um das Jahr 2000 hatten wir eine ähnliche Situation: 1996 sind wir Europameister geworden und haben dann bei der nächsten WM und EM völlig versagt. Aber danach ging es wieder aufwärts und schließlich wurden wir 2014 Weltmeister.

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Zumindest in der Europa League ist Eintracht Frankfurt überraschend bis ins Halbfinale vorgestoßen. Worauf führen Sie das zurück?

Die haben mit Fredi Bobic als Sportdirektor und Peter Fischer als Präsidenten gute Leute, die gesagt haben: Wir besinnen uns auf unsere Tugenden. Dazu haben sie eine sehr gute Identifikation mit den Fans geschaffen – wenn man sieht, dass in Mailand mehr als 10 000 Eintracht-Anhänger waren. Das zeigt: Wenn man geduldig arbeitet, kann man viel Erfolg haben. Und so macht es auch RB Leipzig seit vielen Jahren. Ich persönlich finde es auch wichtig für die Region, dass sich hier so ein Leuchtturm mit viel Strahlkraft angesiedelt hat.

Andererseits ist RB in der Europa League auch eher kläglich ausgeschieden.

Die Prioritäten waren einfach andere, das hat man auch bei Hertha gesehen. Durch die vier deutschen Startplätze in der Champions League liegt der Fokus eher dort.

Die Champions League haben die Leipziger ja schon länger klar gemacht.

RB hat auf jeden Fall das Potenzial, um in der Champions League bestehen zu können. Und es freut mich auch für die Region, das wir hier wieder in der nächsten Saison Königsklassenfußball sehen können.

Dann kommt mit Julian Nagelsmann ein Trainer, in den große Erwartungen gesetzt werden.

Es war ein genialer Schachzug von Ralf Rangnick, solch einen Coach für RB zu verpflichten. Julian Nagelsmann ist für mich derzeit der Trainer in Deutschland mit der größten Perspektive. Er hat es in Hoffenheim nicht nur geschafft, über einen langen Zeitraum konstant gute Arbeit zu leisten. Auch menschlich ist er total authentisch. Er nimmt sich nicht zu wichtig, hat aber klare Vorstellungen. Und wenn man ihm in Leipzig seine Kompetenzen so weit gibt, dass er seinen Spielstil hier umsetzen kann, wird es für RB noch weiter nach oben gehen.

Und könnte Leipzig dann schon im nächsten Jahr um die Meisterschaft mitspielen?

Das glaube ich nicht. Dortmund ist für die nächsten Jahre sehr stark aufgestellt. Bei den Bayern wird es im Sommer einen Umbruch geben. Robben, Ribéry und vielleicht auch Boateng werden gehen und die Münchner werden auf dem Transfermarkt groß zuschlagen. Aber schon hinter München und dem BVB kommt RB Leipzig und mit Julian Nagelsmann wird RB sich oben etablieren und eventuell sogar mal für eine Überraschung sorgen.

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