12. Juli 2020 / 09:13 Uhr

Ex-Giro-Sieger Nairo Quintana erhebt schwere Vorwürfe: "Menschenhandel" im Radsport

Ex-Giro-Sieger Nairo Quintana erhebt schwere Vorwürfe: "Menschenhandel" im Radsport

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Der langjährige Movistar-Profi Nairo Quintana fährt seit Beginn dieses Jahres für das Team Arkea-Samsic.
Der langjährige Movistar-Profi Nairo Quintana fährt seit Beginn dieses Jahres für das Team Arkea-Samsic. © imago images/Panoramic International
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Der kolumbianische Radsport-Star Nairo Quintana hat die etablierte Radsport-Szene in Europa kritisiert - insbesondere die Praktiken einiger Talente-Scouts, die im südamerikanischen Land Teenagern Verträge anbieten und diese dann fernab ihrer Heimat schonungslos ausbeuten.

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Nairo Quintana greift die etablierte Radsport-Szene in Europa an: der frühere Sieger des Giro d'Italia (2014) und Gesamt-Zweite der Tour de France 2015 hat schwere Vorwürfe gegen Scouts einiger europäischer Radsport-Teams erhoben. Im Podcast El Leñero sprach der 30-Jährige über die Praktiken, mit denen in seiner Heimat Kolumbien nach neuen Rad-Talenten gesucht wird.

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Dabei legte der Bergspezialist schonungslos Missstände offen. "Ich weiß gar nicht, wie ich diese Leute nennen soll", erklärte Quintana. "Sie bieten 15-, 16-, und 17-Jährigen Verträge an, die ihre Eltern dann unterschreiben. Und dann nehmen sie sie mit nach Europa." Quintana gehört gemeinsam mit dem aktuellen Tour-Sieger Egan Bernal zu den bekanntesten Sportlern des radsport-verrückten Landes, das in den vergangenen Jahren auch durch ihre Erfolge in den Fokus von Rad-Scouts geraten ist - auch den skrupelloseren. Quintana spricht wörtlich von "Menschenhandel" in seiner Sportart.

Junge Talente aus Kolumbien werden aus seiner Sicht früh fallen gelassen, "wenn die Resultate nicht gleich stimmen", sagt Quintana, der von den Eingewöhnungsschwierigkeiten berichtet, die viele seiner jungen Kollegen haben. "Einige haben Essstörungen, andere leben in schlimmen Verhältnissen und viele leiden deshalb an psychischen Problemen." Erfolgsgeschichten wie seine und die von Egan Bernal seien "die Ausnahme, nicht die Regel", berichtet Quintana.

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Quintana mahnt Talente zur Geduld: "Ich kann immer noch Türen öffnen"

Der 30-Jährige, der vor der durch die Corona-Krise zurzeit unterbrochenen Saison nach sieben Jahren beim Team Movistar bei Ex-Greipel-Rennstall Arkéa-Samsic angeheuert hat, will nun selbst dafür sorgen, dass die Zustände sich bessern und den Talenten helfen - denen er nahelegt, zunächst in ihrer Heimat Erfahrungen zu sammeln. "Ich sage ihnen, dass sie ruhig bleiben sollen. Ich kann ihnen immer noch Türen öffnen, wenn sie für Europa bereit sind", sagt er. So will er der Ausbeutung junger Radsportler entgegentreten.