19. Februar 2021 / 17:23 Uhr

Ex-Grizzly Polaczek: Bei Wolfsburg-Rückkehr als Schiri musste er ganz genau hinschauen

Ex-Grizzly Polaczek: Bei Wolfsburg-Rückkehr als Schiri musste er ganz genau hinschauen

Jürgen Braun
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Polaczek
Kein Tor: Bei seinem ersten Gastspiel als Unparteiischer in Wolfsburg gab es für den Ex-Grizzlys-Profi Aleksander Polaczek gleich eine knifflige Entscheidung mit zu treffen. © Imago Images/Magentasport Screenshot
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Eishockey-Krimi mit Millimeter-Entscheidung. Gegen die Grizzlys Wolfsburg. Und das mit einem Ex-Wolfsburg-Profi, der als Schiedsrichter erstmals an seine alte Wirkungsstätte zurückkehrte - und die Entscheidung erklärt.

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Ein, zwei Millimeter - mehr können es nicht gewesen sein. Und die kostete die Grizzlys Wolfsburg gegen die Iserlohn Roosters am Donnerstag am Ende zum Glück nur einen Punkt. Weil die Gastgeber das Eishockey-Erstliga-Spiel nach Penaltyschießen noch mit 2:1 gewannen, wo sie doch 30 Sekunden vor Ablauf der regulären Zeit schon nach einem Hammer von Janik Möser zum Jubeln angesetzt hatten, als der Puck Iserlohn-Keeper Andreas Jenike durch die Beine gerutscht war. Doch nach Videostudium hatten die Unparteiischen entschieden: kein Tor. Eines der beiden Zebras war Aleksander Polaczek, Ex-Profi, der von 2012 bis 2015 für Wolfsburg gespielt hatte.

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Er erklärte auf SPORTBUZZER-Nachfrage noch einmal: "Für mich und meinen Kollegen André Schrader konnte die Entscheidung nicht anders ausfallen. André hatte gute Sicht, er hat auf dem Eis auf kein Tor entschieden. Diese On-Ice-Entscheidung muss durch das Videobild zweifelsfrei zu widerlegen sein. Das war sie nicht. Der Puck war nicht in vollem Umfang hinter der Linie."

So eine knifflige Entscheidung - und das auch noch bei seiner Wolfsburg-Premiere im gestreiften Trikot. In der vergangenen Saison hatte er sein allererstes DEL-Spiel gepfiffen. In seiner Heimat in Augsburg, wo er in der Jugend gespielt hatte und wo er seine DEL-Karriere von 2015 bis 2018 ausklingen ließ. In dieser Saison ist er regelmäßig im DEL-Einsatz, jetzt war er erstmals in der Nord-Gruppe unterwegs, fuhr nachts gen Augsburg zurück.



„Das ist schon besonders, in eine Halle zurückzukehren, in der man lange selbst gespielt hat.“ In der DEL gibt es da für ihn nur noch Wolfsburg und Bremerhaven neben Augsburg. In Augsburg hatte er sein DEL-Debüt als Unparteiischer gegeben – wobei sich da im März 2020 beinahe unglaubliche Szenen abspielten - der Unparteiische wurde am Ende von den Fans zur La Ola gefordert.

Als Spieler war Polaczek nicht Schiris Liebling gewesen – ein unbarmherziger Kämpfer, unangenehmer Gegenspieler, manchmal auch Provokateur. Allein für die Grizzlys sammelte er in 168 Partien neben 25 Toren auch reichlich Strafminuten, insgesamt 230!

Wie wird man dann Schiedsrichter? „Lars Brüggemann hatte früh angefangen, mich zu bearbeiten.“ Brüggemann, heute Schiri-Chef der DEL, war nach seinem Karriere-Ende (bei den Grizzlys) ebenfalls in die Schiedsrichterei gewechselt. Für Polaczek bot sich der Schritt an, „denn ich wollte dem Sport verbunden bleiben. Es macht einfach Spaß. Es ist ja so, dass man das Spiel nach dem Karriere-Ende vermisst, vor allem aber die Atmosphäre, die Kabine, den Small-Talk. Die Schiri-Kabine ist zwar ein bisschen kleiner, aber zusammen mit den Linesmen ist man ja auch ein Team, hat Spaß.“

Für Furchner war Polaczek ein Vorbild

Für Polaczek zuletzt immer wieder schön: „Du kommst zum Spiel, und du kennst fast in jedem Team noch Jungs, mit denen du gespielt hast.“ Läuft das Spiel, sind die Grenzlinien klar – danach wird dann aber gern noch ein wenig geplaudert. In Wolfsburg am Donnerstag sprach Polaczek noch mit seinem früheren Wolfsburger Kapitän und heutigen Co-Trainer Tyler Haskins, der seinen Sohn Cody 2015 mit Zweitnamen Aleksander nach Polaczek benannte, weil ihm der Name so gut gefiel.

Und mit Urgestein Sebastian Furchner (bald 39) ist Polaczek (40) auch gut befreundet. In Bremerhaven hatten sie beide 2001/02 den Weg Richtung Profi eingeschlagen. Der Wolfsburger Kapitän verriet mal, dass ihm Polaczek ein Vorbild war, weil er ihn Gelassenheit lehrte: „Der Polo gab auf dem Eis immer 120 Prozent und zwischen seinen Wechseln war er total locker. Das war auch für mich wichtig, hat mir gutgetan.“